Regionalliga Süd · 18. Spieltag
17.05.2010Torschützen
FSV - Eigentor 1
- Perchtold 1
- Cidimar 1
- Heun 2
- Xie 1
Spielbericht
FSV FRANKFURT - KARLSRUHER SC
DER FSV-BLOG
Heute von
Christoph Osterhold (27, (Stürmer?))
Moin, FSV-Fans,
muss vorweg sagen, dass ich gerade völlig platt bin, dass der Verein einen Blog von den Spielern für die Fans eingerichtet hat. Normalerweise kannte ich das nur umgekehrt. ;-)
Ich hab ja seit meiner Ankunft in Frankfurt-Bornheim gefühlte 50 Interviews geben müssen, weil die Leute der Lokalpresse ja auch unbedingt dauernd die gleichen Fragen unter 4 Augen stellen mussten, die ich bereits auf der Pressekonferenz, auf der ich vorgestellt wurde, beantwortet hatte!
Manchmal können einem diese Journalisten auch aufn Wecker gehen, ganz ehrlich.
Jedenfalls hat jeder dieser Journalisten die gleiche Frage an mich gestellt: „Glauben Sie, dass Sie gegen Karlsruhe zum Einsatz kommen?"
Ich hab wahrheitsgemäß geantwortet: „Wahrscheinlich nicht von Beginn an. Aber ich hoffe, dass ich noch eingewechselt werde."
Eingewechselt wurde ich dann auch. Aber noch nie auf so verrückte Weise wie heute...dazu kommen wir aber gleich erst (ich muss hier ja die Spannung offen halten, damit ihr weiter lest :o))
Es ist Nacht und trotzdem kommen 1500 Zuschauer ins Stadion. Dafür schon mal Respekt vor euch.
Die Ausgangslage war ja tabellarisch festgelegt: Wenn wir nicht gewönnen, würde die Lokalpresse uns als Schande der Stadt fertigmachen.
Aber in Karlsruhe sind echte Boxer am Werk, die geben sich nicht geschlagen, selbst wenn sie am Boden liegen.
Der Schiedsrichter pfeift die Partie an, in der der FSV mit der Aufstellung Ischdonat-Pflug-Klitzpera-Nickenig-Brüdigam-Perchtold-Hinzmann-Pintol-Reiß-Bartolovic-Cidimar spielte.
Da war kein Osterhold dabei. Ich konnte es aber verkraften; der Trainer hat mir versprochen, dass ich meine Einsatzzeit in dieser Partie bekommen werde.
Unsere Mannschaft war von Beginn an aggressiv unterwegs, bereits in der 6. Minute gab Cidimar den 1. Torschuss der Partie ab. Bis zur 15. Minute ergaben sich dann noch für Hinzmann und Cidimar Möglichkeiten, die aber ungenutzt verstrichen sind.
Ab der 15. Minute war unser Team nicht mehr richtig konzentriert, wir hatten leichte Fehlpässe produziert und dem Gegner sehr viel Raum zum Angreifen gegeben.
Dabei hat sich der KSC aber keine einzige Torchance herausgespielt.
Dann kam die 28. Minute. Xie vernascht Klitzpera und läuft, frei vorm Tor, auf Ischdonat zu, der ihm entgegenkommt.
Xie sieht, dass Ebbers rechts stand, und hatte einen Steilpass gespielt. Der war allerdings so unplatziert, dass er genau auf dem Fuß von Markus Brüdigam landete.
Und jetzt geschah etwas, womit keiner der 1500 Zuschauer dieser Partie gerechnet hatte - der Ball prallt vom Fuß Brüdigams ab und kullert mit 10 km/h ins leere Tor.
Die Zuschauer haben ihn gnadenlos ausgepfiffen, was ich nicht in Ordnung fand.
Der Junge ist erst 23 und das ist sein erstes Spiel seit fast 3 Jahren im Fußball oberhalb der 5. Liga.
Bei uns auf der Bank hat sich jedenfalls keiner über Brüdigam beschwert. Im Gegenteil: Der Coach stauchte Klitze zusammen, weil der diese Torchance zugelassen hatte.
Weil ich mich bei meinen neuen Kollegen nicht gleich unbeliebt machen will, sag ichs mal so: Der KSC hat da einen fast sehr guten Angriff gespielt und wir haben nachgeholfen.
Naja, jedenfalls stand es jetzt 1:0 für die Gäste und vielleicht war dieses Eigentor ja gar nicht mal so schlecht, denn plötzlich spielten wir wieder so wie in der ersten Viertelstunde.
Direkt im Gegenzug, mit dem ersten Angriff, schiebt Andre Perchtold eiskalt ins linke untere Eck ein - Doderer oder Boderer oder wie der Gegnerkeeper heißt, hatte keine Chance.
Der Ballbesitz in den kommenden 10 Minuten lag bei 95:5 Prozent aus unserer Sicht.
Erst in der 41. Minute haben wir diese extreme Überlegenheit mit dem 2:1 belohnt, Cidimar läuft einen 20-Meter-Sprint und lupft über den am Boden liegenden Torwart der Gäste.
3 Minuten später gab es ein Kuriosum: Mydlo vom KSC läuft alleine auf das Tor zu, Ischdonat verlässt den 16er, grätscht, es gibt einen Pfiff - und der Schiri zückt glatt rot.
Wir auf der Bank sind alle aufgesprungen, dachten „Das gibt es doch nicht" aber die Entscheidung war vertretbar, denn andernfalls wäre Mydlo durch gewesen.
Daniel hat sich auch als einziger nicht beschwert, hat sich in der Kabine bei uns allen entschuldigt für die Aktion.
Der aus diesem Foul resultierende Freistoß war übrigens nicht drinne, Ulrich Pflug stand für den Freistoß kurz im Tor.
Sein Abschlag allerdings landete genau auf Xies Fuß, der schiebt zum 2:2 ins Tor ein.
Dann pfeift der Schiri ab, die Fans im Stadion sind mucksmäuschenstill.
Zumindest besser als ein Pfeifkonzert, dachte ich. Aber so hatte ich mir die 1. Hälfte beim neuen Klub sicher nicht vorgestellt.
In der Kabine ist der Coach überraschend gefasst trotz dieses unerklärlichen Spielstands.
Komisch war es, dass sich die Spieler entschuldigt haben: Daniel für seine rote Karte, Ulrich dafür, dass er den Abschlag eben versemmelt hatte, Markus für sein Eigentor, Klitze für seinen vergeigten Zweikampf - die Spieler aus dem Mittelfeld und dem Sturm nahmen es keinem übel, dass die Abwehr heute 2 mal unglaublich gepatzt hat.
Stattdessen schwören wir uns auf die 2. Hälfte ein, während ich aus dem Augenwinkel beobachte, wie der Trainer nachdenkt.
3 Minuten vor dem Anpfiff der 2. Halbzeit ruft er mich zu sich und sagt mir, dass ich gleich ins Spiel komme.
Ich hab mich riesig gefreut, ziehe meinen Trainingsanzug aus, doch der Trainer hält mich dann zurück.
„Du ziehst Daniels Trikot an."
Ich war relativ plemplem in diesem Moment, und auch Ulrich, der ja ersatzweise für Daniel kurz im Tor stand, schaute überrascht.
Die Spieler guckten alle bedröppelt, denn kurz vor dem Anpfiff haben wir erfahren, dass sich der 2. Torwart, Florian Stahl, einen Innenbandriss zugezogen hat.
Ich sage: „Trainer, ich kann nicht ins Tor gehen, ich..."
Aber der Trainer war anscheinend taub. Er gibt dem Co. durch, dass er dem Schiri die Auswechslung mitteilen soll, und schweren Herzens ziehe ich dann das Trikot von Ulrich, also von Daniel, über.
Ich dachte mir „Scheiße, wo zum Henker bin ich hier gelandet?" Ich hab mich sogar gezwickt, ohne Wirkung.
Als ich aus dem Kabinengang aufs Spielfeld schreite und der Stadionsprecher, hörbar irritiert, ruft: „Mit der Nummer 13 soll er das Tor sauber halten, Christoph..." gab es vereinzelte „Osterwald!"-Rufe kamen hervor, es gab leichten Applaus für meine Einwechslung.
Ich sehe einige Zuschauer die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.
Das hätte ich auch gerne gemacht, denn ich dachte, einen Nachnamen kann man sich doch leicht merken. Falsch gedacht. Osterwald, du Kacke, ich musste kurz lachen, als ich die Rufe gehört habe. Warum nicht gleich Osterhase? Dann ist Beckham Baconham...
Ich dachte mir „Scheiße, wo zum Henker bin ich hier gelandet?" Ich hab mich sogar gezwickt, ohne Wirkung.
Naja gut, irgendwie musste ich da jetzt durch, ohne mich komplett lächerlich zu machen. Ich habe Gott angefleht, dass die Karlsruher nicht einmal in der 2. Hälfte aufs Tor schießen. Weil dann wäre ich geliefert gewesen.
Zum Glück hatte unser Team in der Anfangsphase das Zepter in der Hand. 5 Torschüsse in der ersten Viertelstunde, alle von Cidimar und Thorsten Reiß, der ja so wie ich und Markus heute zum 1. Mal im neuen Dress spielte. In der 55. Minute kam noch Dustin Heun für Mladen Bartolovic, der hatte auch noch 2-3 Torschüsse kurz nach seiner Einwechslung. Einer dieser Torschüsse Dustins, in der 61. Minute aus halbrechter Position kompromisslos ins Eck geschossen, hatte die 3:2-Führung zur Folge.
Ich war zufrieden mit dieser ersten Viertelstunde auf dem Spielfeld. Nur 2 Mal kamen die Karlsruher über die Mittellinie, beide Male hebt der Schiri-Assistent die Fahne. Irgendwie ward mir der Kerl ganz sympathisch ;-).
Nur nach dem 3:2 kontern die KSCler uns regelrecht aus, 5 Minuten lang wurden wir unter Druck gesetzt. Es ist glaub ich die 64. Minute gewesen, wenn ich das auf der Anzeigentafel richtig gesehen hatte, da schießt der Mutzel einfach mal aus 20 Metern drauf. Von mir aus gesehen rechts fliegt der Ball in die andere Ecke, flach geschossen. Ich denke, scheiße, scheiße, scheiße...
Die Fans jubeln. Ich bin noch rechtzeitig runter gekommen und habe den Ball ins Aus befördern können.
Meine Mitspieler kamen her und haben mich erstmal alle umarmt, vereinzelt hab ich auch ein „Super!" „Klasse" „Spitze!" gehört. Geiles Gefühl. Da kann man sich daran gewöhnen! ;-)
Der anschließende Eckball war kein Problem für mich, denn Cidimar ist zur Stelle, kann den Ball sogar mit der Brust annehmen und startet zusammen mit Dustin einen Konter, der allerdings torlos endet.
Dann gibt es 5-10 Minuten Leerlauf, ziemlich viel Mittelfeldgeplänkel.
Darauf folgend gibt Dustin richtig Gas. 3 Torschüsse gibt er ab, er will unbedingt einen Doppelpack schnüren - das gelingt ihm in der 81. Minute. Klasse, wie er den Torwart vernascht und dann ins leere Tor einschiebt.
4:2, damit war die Partie eigentlich gelaufen, aber meine Vorderleute hatten irgendwie schon die Siegesfeier in der Kneipe im Kopf. Jedenfalls kam der KSC noch zu 2 Torschüssen, wobei der eine knapp vorbeiging - gut so, denn den hätte ich nicht gehalten - und der andere direkt in meine Arme fiel.
Als der Abpfiff ertönte, war es nicht so, dass ich mich gefreut hätte (das kam später), nein, ich war einfach nur erleichtert. Ich habe diese unglaublich schwere Belastung des Keeper-Seins bestanden und kann es keinem empfehlen, so was im Profifußball nachzumachen.
Das ist nicht gut für die Nerven.
18 Spieltage, 34 Punkte, vorläufig Platz 4 - ich glaube, Frankfurt wird mir gefallen.
Auf Wiedersehen und Wiederlesen, euer Christoph OsterHOLD
Pressespiegel:
Faxe:
Noch nicht mal wenn der Gegner Eigentore schießt können wir Punkte holen.
Maginho:
Ich bin sehr zufrieden mit diesem Ergebnis. Es war schwierig einzuschätzen, wie das Team in die Rückrunde startet, da wir keine Vorbereitung durchgemacht haben und auf 2 Positionen verändert aufgetreten sind.
Dass Christoph Osterhold ein so tolles Debüt hinlegt wie er es heute gemacht, war für mich nicht zu erwarten, das wäre auch nicht menschlich. Ich bin sicher, dass er auch auf der anderen Torseite für Furore Sorgen wird.
Siegmund, 39, Fan des FSV:
CIDIMAR! FUSSBALLGOTT! CIDIMAR! FUSSBALLGOTT! (Cidimar hat zum 4. Mal in Folge getroffen, d. Red.)
DER FSV-BLOG
Heute von
Christoph Osterhold (27, (Stürmer?))
Moin, FSV-Fans,
muss vorweg sagen, dass ich gerade völlig platt bin, dass der Verein einen Blog von den Spielern für die Fans eingerichtet hat. Normalerweise kannte ich das nur umgekehrt. ;-)
Ich hab ja seit meiner Ankunft in Frankfurt-Bornheim gefühlte 50 Interviews geben müssen, weil die Leute der Lokalpresse ja auch unbedingt dauernd die gleichen Fragen unter 4 Augen stellen mussten, die ich bereits auf der Pressekonferenz, auf der ich vorgestellt wurde, beantwortet hatte!
Manchmal können einem diese Journalisten auch aufn Wecker gehen, ganz ehrlich.
Jedenfalls hat jeder dieser Journalisten die gleiche Frage an mich gestellt: „Glauben Sie, dass Sie gegen Karlsruhe zum Einsatz kommen?"
Ich hab wahrheitsgemäß geantwortet: „Wahrscheinlich nicht von Beginn an. Aber ich hoffe, dass ich noch eingewechselt werde."
Eingewechselt wurde ich dann auch. Aber noch nie auf so verrückte Weise wie heute...dazu kommen wir aber gleich erst (ich muss hier ja die Spannung offen halten, damit ihr weiter lest :o))
Es ist Nacht und trotzdem kommen 1500 Zuschauer ins Stadion. Dafür schon mal Respekt vor euch.
Die Ausgangslage war ja tabellarisch festgelegt: Wenn wir nicht gewönnen, würde die Lokalpresse uns als Schande der Stadt fertigmachen.
Aber in Karlsruhe sind echte Boxer am Werk, die geben sich nicht geschlagen, selbst wenn sie am Boden liegen.
Der Schiedsrichter pfeift die Partie an, in der der FSV mit der Aufstellung Ischdonat-Pflug-Klitzpera-Nickenig-Brüdigam-Perchtold-Hinzmann-Pintol-Reiß-Bartolovic-Cidimar spielte.
Da war kein Osterhold dabei. Ich konnte es aber verkraften; der Trainer hat mir versprochen, dass ich meine Einsatzzeit in dieser Partie bekommen werde.
Unsere Mannschaft war von Beginn an aggressiv unterwegs, bereits in der 6. Minute gab Cidimar den 1. Torschuss der Partie ab. Bis zur 15. Minute ergaben sich dann noch für Hinzmann und Cidimar Möglichkeiten, die aber ungenutzt verstrichen sind.
Ab der 15. Minute war unser Team nicht mehr richtig konzentriert, wir hatten leichte Fehlpässe produziert und dem Gegner sehr viel Raum zum Angreifen gegeben.
Dabei hat sich der KSC aber keine einzige Torchance herausgespielt.
Dann kam die 28. Minute. Xie vernascht Klitzpera und läuft, frei vorm Tor, auf Ischdonat zu, der ihm entgegenkommt.
Xie sieht, dass Ebbers rechts stand, und hatte einen Steilpass gespielt. Der war allerdings so unplatziert, dass er genau auf dem Fuß von Markus Brüdigam landete.
Und jetzt geschah etwas, womit keiner der 1500 Zuschauer dieser Partie gerechnet hatte - der Ball prallt vom Fuß Brüdigams ab und kullert mit 10 km/h ins leere Tor.
Die Zuschauer haben ihn gnadenlos ausgepfiffen, was ich nicht in Ordnung fand.
Der Junge ist erst 23 und das ist sein erstes Spiel seit fast 3 Jahren im Fußball oberhalb der 5. Liga.
Bei uns auf der Bank hat sich jedenfalls keiner über Brüdigam beschwert. Im Gegenteil: Der Coach stauchte Klitze zusammen, weil der diese Torchance zugelassen hatte.
Weil ich mich bei meinen neuen Kollegen nicht gleich unbeliebt machen will, sag ichs mal so: Der KSC hat da einen fast sehr guten Angriff gespielt und wir haben nachgeholfen.
Naja, jedenfalls stand es jetzt 1:0 für die Gäste und vielleicht war dieses Eigentor ja gar nicht mal so schlecht, denn plötzlich spielten wir wieder so wie in der ersten Viertelstunde.
Direkt im Gegenzug, mit dem ersten Angriff, schiebt Andre Perchtold eiskalt ins linke untere Eck ein - Doderer oder Boderer oder wie der Gegnerkeeper heißt, hatte keine Chance.
Der Ballbesitz in den kommenden 10 Minuten lag bei 95:5 Prozent aus unserer Sicht.
Erst in der 41. Minute haben wir diese extreme Überlegenheit mit dem 2:1 belohnt, Cidimar läuft einen 20-Meter-Sprint und lupft über den am Boden liegenden Torwart der Gäste.
3 Minuten später gab es ein Kuriosum: Mydlo vom KSC läuft alleine auf das Tor zu, Ischdonat verlässt den 16er, grätscht, es gibt einen Pfiff - und der Schiri zückt glatt rot.
Wir auf der Bank sind alle aufgesprungen, dachten „Das gibt es doch nicht" aber die Entscheidung war vertretbar, denn andernfalls wäre Mydlo durch gewesen.
Daniel hat sich auch als einziger nicht beschwert, hat sich in der Kabine bei uns allen entschuldigt für die Aktion.
Der aus diesem Foul resultierende Freistoß war übrigens nicht drinne, Ulrich Pflug stand für den Freistoß kurz im Tor.
Sein Abschlag allerdings landete genau auf Xies Fuß, der schiebt zum 2:2 ins Tor ein.
Dann pfeift der Schiri ab, die Fans im Stadion sind mucksmäuschenstill.
Zumindest besser als ein Pfeifkonzert, dachte ich. Aber so hatte ich mir die 1. Hälfte beim neuen Klub sicher nicht vorgestellt.
In der Kabine ist der Coach überraschend gefasst trotz dieses unerklärlichen Spielstands.
Komisch war es, dass sich die Spieler entschuldigt haben: Daniel für seine rote Karte, Ulrich dafür, dass er den Abschlag eben versemmelt hatte, Markus für sein Eigentor, Klitze für seinen vergeigten Zweikampf - die Spieler aus dem Mittelfeld und dem Sturm nahmen es keinem übel, dass die Abwehr heute 2 mal unglaublich gepatzt hat.
Stattdessen schwören wir uns auf die 2. Hälfte ein, während ich aus dem Augenwinkel beobachte, wie der Trainer nachdenkt.
3 Minuten vor dem Anpfiff der 2. Halbzeit ruft er mich zu sich und sagt mir, dass ich gleich ins Spiel komme.
Ich hab mich riesig gefreut, ziehe meinen Trainingsanzug aus, doch der Trainer hält mich dann zurück.
„Du ziehst Daniels Trikot an."
Ich war relativ plemplem in diesem Moment, und auch Ulrich, der ja ersatzweise für Daniel kurz im Tor stand, schaute überrascht.
Die Spieler guckten alle bedröppelt, denn kurz vor dem Anpfiff haben wir erfahren, dass sich der 2. Torwart, Florian Stahl, einen Innenbandriss zugezogen hat.
Ich sage: „Trainer, ich kann nicht ins Tor gehen, ich..."
Aber der Trainer war anscheinend taub. Er gibt dem Co. durch, dass er dem Schiri die Auswechslung mitteilen soll, und schweren Herzens ziehe ich dann das Trikot von Ulrich, also von Daniel, über.
Ich dachte mir „Scheiße, wo zum Henker bin ich hier gelandet?" Ich hab mich sogar gezwickt, ohne Wirkung.
Als ich aus dem Kabinengang aufs Spielfeld schreite und der Stadionsprecher, hörbar irritiert, ruft: „Mit der Nummer 13 soll er das Tor sauber halten, Christoph..." gab es vereinzelte „Osterwald!"-Rufe kamen hervor, es gab leichten Applaus für meine Einwechslung.
Ich sehe einige Zuschauer die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.
Das hätte ich auch gerne gemacht, denn ich dachte, einen Nachnamen kann man sich doch leicht merken. Falsch gedacht. Osterwald, du Kacke, ich musste kurz lachen, als ich die Rufe gehört habe. Warum nicht gleich Osterhase? Dann ist Beckham Baconham...
Ich dachte mir „Scheiße, wo zum Henker bin ich hier gelandet?" Ich hab mich sogar gezwickt, ohne Wirkung.
Naja gut, irgendwie musste ich da jetzt durch, ohne mich komplett lächerlich zu machen. Ich habe Gott angefleht, dass die Karlsruher nicht einmal in der 2. Hälfte aufs Tor schießen. Weil dann wäre ich geliefert gewesen.
Zum Glück hatte unser Team in der Anfangsphase das Zepter in der Hand. 5 Torschüsse in der ersten Viertelstunde, alle von Cidimar und Thorsten Reiß, der ja so wie ich und Markus heute zum 1. Mal im neuen Dress spielte. In der 55. Minute kam noch Dustin Heun für Mladen Bartolovic, der hatte auch noch 2-3 Torschüsse kurz nach seiner Einwechslung. Einer dieser Torschüsse Dustins, in der 61. Minute aus halbrechter Position kompromisslos ins Eck geschossen, hatte die 3:2-Führung zur Folge.
Ich war zufrieden mit dieser ersten Viertelstunde auf dem Spielfeld. Nur 2 Mal kamen die Karlsruher über die Mittellinie, beide Male hebt der Schiri-Assistent die Fahne. Irgendwie ward mir der Kerl ganz sympathisch ;-).
Nur nach dem 3:2 kontern die KSCler uns regelrecht aus, 5 Minuten lang wurden wir unter Druck gesetzt. Es ist glaub ich die 64. Minute gewesen, wenn ich das auf der Anzeigentafel richtig gesehen hatte, da schießt der Mutzel einfach mal aus 20 Metern drauf. Von mir aus gesehen rechts fliegt der Ball in die andere Ecke, flach geschossen. Ich denke, scheiße, scheiße, scheiße...
Die Fans jubeln. Ich bin noch rechtzeitig runter gekommen und habe den Ball ins Aus befördern können.
Meine Mitspieler kamen her und haben mich erstmal alle umarmt, vereinzelt hab ich auch ein „Super!" „Klasse" „Spitze!" gehört. Geiles Gefühl. Da kann man sich daran gewöhnen! ;-)
Der anschließende Eckball war kein Problem für mich, denn Cidimar ist zur Stelle, kann den Ball sogar mit der Brust annehmen und startet zusammen mit Dustin einen Konter, der allerdings torlos endet.
Dann gibt es 5-10 Minuten Leerlauf, ziemlich viel Mittelfeldgeplänkel.
Darauf folgend gibt Dustin richtig Gas. 3 Torschüsse gibt er ab, er will unbedingt einen Doppelpack schnüren - das gelingt ihm in der 81. Minute. Klasse, wie er den Torwart vernascht und dann ins leere Tor einschiebt.
4:2, damit war die Partie eigentlich gelaufen, aber meine Vorderleute hatten irgendwie schon die Siegesfeier in der Kneipe im Kopf. Jedenfalls kam der KSC noch zu 2 Torschüssen, wobei der eine knapp vorbeiging - gut so, denn den hätte ich nicht gehalten - und der andere direkt in meine Arme fiel.
Als der Abpfiff ertönte, war es nicht so, dass ich mich gefreut hätte (das kam später), nein, ich war einfach nur erleichtert. Ich habe diese unglaublich schwere Belastung des Keeper-Seins bestanden und kann es keinem empfehlen, so was im Profifußball nachzumachen.
Das ist nicht gut für die Nerven.
18 Spieltage, 34 Punkte, vorläufig Platz 4 - ich glaube, Frankfurt wird mir gefallen.
Auf Wiedersehen und Wiederlesen, euer Christoph OsterHOLD
Pressespiegel:
Faxe:
Noch nicht mal wenn der Gegner Eigentore schießt können wir Punkte holen.
Maginho:
Ich bin sehr zufrieden mit diesem Ergebnis. Es war schwierig einzuschätzen, wie das Team in die Rückrunde startet, da wir keine Vorbereitung durchgemacht haben und auf 2 Positionen verändert aufgetreten sind.
Dass Christoph Osterhold ein so tolles Debüt hinlegt wie er es heute gemacht, war für mich nicht zu erwarten, das wäre auch nicht menschlich. Ich bin sicher, dass er auch auf der anderen Torseite für Furore Sorgen wird.
Siegmund, 39, Fan des FSV:
CIDIMAR! FUSSBALLGOTT! CIDIMAR! FUSSBALLGOTT! (Cidimar hat zum 4. Mal in Folge getroffen, d. Red.)
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