Der Graben in den Genen
08.05.2003
Someg
Das deutsche Volk ist tief in zwei Lager getrennt. "Links und rechts", würde nun der alkoholgetränkte DurchschnittsBILDleser mit einem Bier-, Schweiss und Popelverkrusteten Fingerzeig auf die Deutschlandkarte hervorbringen, nicht mehr selber ganz gewahr, ob er damit einen dezenten Hinweis auf die Neonazi- oder Ost-West-Problematik liefern möchte. Gewahr ist er nur noch der nächsten Flasche Bier, visiert sie verschwommen an, greift daneben, stolpert zu Boden, erhält einen Tritt und fliegt aus dem Raum um Platz zu machen für die Wahrheit.
Die deutsche Trennung entstammt viel früherer Zeit, als Ausländerfeindlichkeit mangels Ausländer noch introvertiert war und jede Stadt von Mauern umgeben. Deutschland teilt sich nur in zwei Hälften: Norddeutschland <-> Süddeutschland [block] Der Norddeutsche: Das Haar zerzaust vom steten Wind sitzt der Norddeutsche gerne bei einer Tasse kräftigen Tees in seiner Stube, interessiert sich nicht für die Welt und mag keine Fremden. Die Finger gelb vom allgegenwärtigen Fisch knüpft er sein Netz, pult Krabben oder in der Nase, schnitzt Leuchttürme aus Elefantenzähnen, verprügelt nach zu viel Grog seine Frau und liebt Fußball.[/block] [block] Der Süddeutsche: Im Süden weht keine "steife Brise" wie im Norden, sondern der "Föhn bläst" über die Alpen. Dagegen hilft der Gamsbarthut. Vom permanenten Stopfen seiner Pfeife glänzen seine Finger gelblich und stopft nicht gerade sein Rauchutensil, formt er Marienstatuen aus Wurzelholz, repariert sein Kletterseil, sucht nach Pilzen oder Klumpen in der Nase, verprügelt nach zu viel Weissbier sein Frau und liebt Fussball. Er verbringt sein Leben auf der Alm, interessiert sich nicht für die Welt und mag keine Fremden.[/block] [block]Hmmm, betrachtet man es mal genau, sind die Nordmannen von den Südländern gar nicht so verschieden, doch wehe man spielt in Gegenwart eines Vertreters einer der beiden Gattungen auf diese Ähnlichkeiten an. Dann schwingt entweder der Hirtenstab oder der Wanderstock! Norden und Süden passt nicht zusammen. Das hat Tradition![/block] Historie:
[block]Der historisch ambitionierte Leser wird ohne Probleme das Jahr 1525 aus der Karte ersehen können und bereits zu diesem frühen Zeitpunkt teilt sich Deutschland in den Norden (blau dargstellt) und den Süden (rot dargestellt). "Hey, Moment mal!" ruft das Cleverchen aus Reihe zwei, froh vor seinem Wegdösen noch einen Wortbeitrag leisten zu können. Test bestanden, jetzt dös weg![/block]
[block]Ja, im Laufe der Jahrhunderte schwabte über das deutsche Land so mancher Liter an roter und blauer Farbe, was die Bevölkerung verständlicherweise mehr als nur irritierte und in höchst aggressive Stimmung versetzte. Es brodelte im Land. "Immer wenn ich grad alles wieder gereinigt habe, schwupps, wieder alles versaut mit dieser vermaledeiten Farbe", so klagte manche Hausfrau, gab es ja auch damals nicht so tolle Reiniger wie in unserer heutigen Zeit. Jedenfall bestritt man so manchen Krieg erst gegeneinander, dann hin und wieder gegen das Ausland und manchmal auch beides gleichzeitig. Eine wilde Zeit. Doch selbst das wackerste Volk ist es irgendwann Leid, ständig Nachwuchs für die Front zu gebähren, Veteranen von der Front zu entsorgen und wegen heulender, entehrter Frauen nicht schlafen zu können. Es musste eine Lösung her.[/block]
Die Mainlinie:
[block]Der Main; sagenumwobener Wasserlauf im Herzen des europäischen Festlands. Mythen räkeln sich selbstzufrieden an seinen Ufern und wenn man ein wenig Glück hat, kann man vor die gierige Linse seiner Einwegkamera einen echten Drachen bekommen, es sei denn man kommt zu spät. Dann sieht man einen nudistisch veranlagten Wurzelsepp in der gigantischen Blutlache planschen nicht realisierend, dass sich das vertrackte Eichenblatt an seinen Leib schmiegt. Welche geographische Demarkationslinie wäre adäquater zur Distanzierung der beiden aufs Blut verfeindeten Gruppen? Der Vorteil liegt darin, dass es wirklich nichts Wichtiges am Ufer des Flusses gibt, so dass die ständigen Scharmützel den Main hinauf und hinab keinerlei schmerzhafte Verluste auf beiden Seiten verursachen können.[/block]
Familienschicksale:
[block]Obwohl die Unterschiede von Nord und Süd definitiv genetisch bedingt sind, das konnten rhodesische Wissenschaftler Ende der 70er Jahre anhand von Testreihen mit Gummi-Kalmaren unwiderruflich belegen, kommt es zu den abstrusen Mutationen, dass in einer Familie Vertreter beider Lager zu finden sind, zu beobachten in der VDFB an Yoda aus dem hohen Norden und seinem südlich ortientierten Bruder. Heute noch berichten nahe Freunde der Familie von den Strapazen die aus dieser Konstellation entstanden, konnten die beiden Knirpse doch nur gemeinsam auf der Rücksitzbank der Familienkutsche fläzen, wenn sich zwischen ihnen eine geruchsdichte Sichtbarriere auftürmte. Nach wie vor entbehren Duelle der beiden nicht der besonderen Brisanz die nur aus angeborenen Unterschieden resultieren kann.[/block]
In einer Zeit voller Ungeduld hat die Hälfte den bisherigen Text nur vage überflogen, 30% haben mittlerweile abgebrochen, 20% verstehen ihn nicht und der Rest fragt sich, was denn eigentlich die Intention des Ganzen ist. Will da nur wieder mal jemand Zwietracht sähen, um dann von einem Kamerateam flankiert Interviews zu führen und dramatische Augenzeugenberichte für eine der vielen Sendungen zu liefern, die morgens, mittags und abends auf allen Kanälen ein gern gesehener Gast sind? Nein, ABER was dann?;-)
Was wohl?
[block]Es wird Zeit sich in der VDFb der Realität zu stellen. Bislang wurden hier die Regionalligen schön säuberlich voneinander getrennt; jedes Lager kochte sein eigenes Süppchen. Damit ist nun Schluss![/block]
RL Nord - RL Süd: Der Ligavergleich
[block]Der aktuellen Saison wird ein 35. Spieltag angehängt. Alle Trainer der Saison, egal ob auf- oder abgestiegen, haben somit die Möglichkeit, ihrer ursprünglichen Bestimmung folgend der gegnerischen Fraktion entgegenzutreten und für die Ehre einer ganzen Generation ins Feld zu ziehen. Die Helden dieser Schlacht werden wie die vielen Helden der vielen vorherigen Schlachten niemals vergessen werden. Also haltet Euch bereit! Der 35. Spieltag kommt bestimmt![/block]
Die deutsche Trennung entstammt viel früherer Zeit, als Ausländerfeindlichkeit mangels Ausländer noch introvertiert war und jede Stadt von Mauern umgeben. Deutschland teilt sich nur in zwei Hälften: Norddeutschland <-> Süddeutschland [block] Der Norddeutsche: Das Haar zerzaust vom steten Wind sitzt der Norddeutsche gerne bei einer Tasse kräftigen Tees in seiner Stube, interessiert sich nicht für die Welt und mag keine Fremden. Die Finger gelb vom allgegenwärtigen Fisch knüpft er sein Netz, pult Krabben oder in der Nase, schnitzt Leuchttürme aus Elefantenzähnen, verprügelt nach zu viel Grog seine Frau und liebt Fußball.[/block] [block] Der Süddeutsche: Im Süden weht keine "steife Brise" wie im Norden, sondern der "Föhn bläst" über die Alpen. Dagegen hilft der Gamsbarthut. Vom permanenten Stopfen seiner Pfeife glänzen seine Finger gelblich und stopft nicht gerade sein Rauchutensil, formt er Marienstatuen aus Wurzelholz, repariert sein Kletterseil, sucht nach Pilzen oder Klumpen in der Nase, verprügelt nach zu viel Weissbier sein Frau und liebt Fussball. Er verbringt sein Leben auf der Alm, interessiert sich nicht für die Welt und mag keine Fremden.[/block] [block]Hmmm, betrachtet man es mal genau, sind die Nordmannen von den Südländern gar nicht so verschieden, doch wehe man spielt in Gegenwart eines Vertreters einer der beiden Gattungen auf diese Ähnlichkeiten an. Dann schwingt entweder der Hirtenstab oder der Wanderstock! Norden und Süden passt nicht zusammen. Das hat Tradition![/block] Historie:
[block]Der historisch ambitionierte Leser wird ohne Probleme das Jahr 1525 aus der Karte ersehen können und bereits zu diesem frühen Zeitpunkt teilt sich Deutschland in den Norden (blau dargstellt) und den Süden (rot dargestellt). "Hey, Moment mal!" ruft das Cleverchen aus Reihe zwei, froh vor seinem Wegdösen noch einen Wortbeitrag leisten zu können. Test bestanden, jetzt dös weg![/block]
[block]Ja, im Laufe der Jahrhunderte schwabte über das deutsche Land so mancher Liter an roter und blauer Farbe, was die Bevölkerung verständlicherweise mehr als nur irritierte und in höchst aggressive Stimmung versetzte. Es brodelte im Land. "Immer wenn ich grad alles wieder gereinigt habe, schwupps, wieder alles versaut mit dieser vermaledeiten Farbe", so klagte manche Hausfrau, gab es ja auch damals nicht so tolle Reiniger wie in unserer heutigen Zeit. Jedenfall bestritt man so manchen Krieg erst gegeneinander, dann hin und wieder gegen das Ausland und manchmal auch beides gleichzeitig. Eine wilde Zeit. Doch selbst das wackerste Volk ist es irgendwann Leid, ständig Nachwuchs für die Front zu gebähren, Veteranen von der Front zu entsorgen und wegen heulender, entehrter Frauen nicht schlafen zu können. Es musste eine Lösung her.[/block]
Die Mainlinie:
[block]Der Main; sagenumwobener Wasserlauf im Herzen des europäischen Festlands. Mythen räkeln sich selbstzufrieden an seinen Ufern und wenn man ein wenig Glück hat, kann man vor die gierige Linse seiner Einwegkamera einen echten Drachen bekommen, es sei denn man kommt zu spät. Dann sieht man einen nudistisch veranlagten Wurzelsepp in der gigantischen Blutlache planschen nicht realisierend, dass sich das vertrackte Eichenblatt an seinen Leib schmiegt. Welche geographische Demarkationslinie wäre adäquater zur Distanzierung der beiden aufs Blut verfeindeten Gruppen? Der Vorteil liegt darin, dass es wirklich nichts Wichtiges am Ufer des Flusses gibt, so dass die ständigen Scharmützel den Main hinauf und hinab keinerlei schmerzhafte Verluste auf beiden Seiten verursachen können.[/block]
Familienschicksale:
[block]Obwohl die Unterschiede von Nord und Süd definitiv genetisch bedingt sind, das konnten rhodesische Wissenschaftler Ende der 70er Jahre anhand von Testreihen mit Gummi-Kalmaren unwiderruflich belegen, kommt es zu den abstrusen Mutationen, dass in einer Familie Vertreter beider Lager zu finden sind, zu beobachten in der VDFB an Yoda aus dem hohen Norden und seinem südlich ortientierten Bruder. Heute noch berichten nahe Freunde der Familie von den Strapazen die aus dieser Konstellation entstanden, konnten die beiden Knirpse doch nur gemeinsam auf der Rücksitzbank der Familienkutsche fläzen, wenn sich zwischen ihnen eine geruchsdichte Sichtbarriere auftürmte. Nach wie vor entbehren Duelle der beiden nicht der besonderen Brisanz die nur aus angeborenen Unterschieden resultieren kann.[/block]
In einer Zeit voller Ungeduld hat die Hälfte den bisherigen Text nur vage überflogen, 30% haben mittlerweile abgebrochen, 20% verstehen ihn nicht und der Rest fragt sich, was denn eigentlich die Intention des Ganzen ist. Will da nur wieder mal jemand Zwietracht sähen, um dann von einem Kamerateam flankiert Interviews zu führen und dramatische Augenzeugenberichte für eine der vielen Sendungen zu liefern, die morgens, mittags und abends auf allen Kanälen ein gern gesehener Gast sind? Nein, ABER was dann?;-)
Was wohl?
[block]Es wird Zeit sich in der VDFb der Realität zu stellen. Bislang wurden hier die Regionalligen schön säuberlich voneinander getrennt; jedes Lager kochte sein eigenes Süppchen. Damit ist nun Schluss![/block]
RL Nord - RL Süd: Der Ligavergleich
[block]Der aktuellen Saison wird ein 35. Spieltag angehängt. Alle Trainer der Saison, egal ob auf- oder abgestiegen, haben somit die Möglichkeit, ihrer ursprünglichen Bestimmung folgend der gegnerischen Fraktion entgegenzutreten und für die Ehre einer ganzen Generation ins Feld zu ziehen. Die Helden dieser Schlacht werden wie die vielen Helden der vielen vorherigen Schlachten niemals vergessen werden. Also haltet Euch bereit! Der 35. Spieltag kommt bestimmt![/block]
Kommentare (2)
sauba, netter text
auch, wenn ich mich zu den 0-Prozent-Menschen zählen muss :/ :D
auch, wenn ich mich zu den 0-Prozent-Menschen zählen muss :/ :D
n!con · 08.05.2003 12:11 Uhr
Rheinhessen > Pfalz > Kurpfalz > Süddeutschland > Norddeutschland :D
avantasia · 08.05.2003 12:21 Uhr
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