Oberliga Nord · 22. Spieltag
14.07.2007
Eschwck
1 : 3
Fortuna
el mariachi 14.07. Someg
8.000 Zuschauer
Torschützen
Eschwck
  • Wimmer 1
Fortuna
  • Marotta 1
  • Shapourzadeh 2
Spielbericht
Eine vertrackste Begegnung

Erkenschwick / Düsseldorf / Erkenschwick / Neumünster - Treffen Erkenschwick und Düsseldorfer aufeinander, gibt es Probleme. Das hat definitiv nichts mit Fanausschreitungen, gegenseitiger Bepöbelung von Mannschaft und Trainerstab oder elektromagnetischen Entladungen in der Stratosphäre zu tun. Obwohl, so sicher kann man sich nicht sein. Der Grund für die Probleme liegen im Unklaren, doch Fakt ist, dass diese Spiele unter schwierigen Sternen stehen. Das Hinspiel musste in drei Teilabschnitten bestritten werden (3:1 / 0:1 / 0:1), so dass Düsseldorf im Rückspiel auf Revanche und bessere Voraussetzungen hoffte. Das war (zunächst) nicht der Fall.


Man versuchte diverse Trainingsgelände in Erkenschwick, wechselte gemeinsam mit einem Sonderzug nach Düsseldorf, kehrte zurück nach Erkenschwick um letztendlich die Einladung des VfR Neumünster anzunehmen und in ihrem Stadion die Partie zu bestreiten.

Die gute Nachricht vorweg: Das Spiel wurde durch einbrechende Dunkelheit erst in der 90. Minute abgebrochen und konnte somit regulär gewertet werden.

Die schlechte (aus Erkenschwicker Sicht): Das ganze hin und her hatte bei großen Teilen der Mannschaft erhebliche Schwindelgefühle hervorgerufen, was man bei den anstehenden 180 Minuten (CL-Partie im direkten Anschluss) deutlich merkte.

Um den Besonderheiten dieses Aufeinandertreffens auf de Schliche zu kommen, setzten wir einen besonderen Beobachter ein. Einen hautnahen Kenner des Fußballsports, am Geschehen dran wie kaum ein Zweiter, regelmäßig bei Spielen anwesend. Günther Rashalm.

Schönen guten Tag meine Damen und Herren aus dem sonnigen VfR Stadion an diesem lauen Sommerabend. Vermutlich sind beide Teams bereits vollzählig auf den Platz gelaufen und ich meine über das ekstatische Geraschel meiner Stehnachbarn hinweg den Anpfiff vernommen zu haben. Die Sicht ist leider suboptimal aus dieser kurzen Distanz, doch dafür kann ich die winzigen, Spiel entscheidenden Details Spiele vermitteln. Es ist nämlich so, dass... AU, WAS SOLL DAS??? Völlig unvermittelt stapfte in grober Tätlichkeit ein Spieler auf meinen Kopf, doch geahndet wird das nie. DU DRECKSKERL! Oh ja, die Zuschauer stimmen ein in mein empörtes Geschrei. NIE-DER MIT DER A-PART-HEIT! - SCHUTZ FÜR DIE GRAS-HAL-ME!!! Ach nein, doch nicht. Sie bejubeln den Führungstreffer der Auswärtsmannschaft. Das ist wieder typisch. Über die Unterhaltung werden Verstöße gegen jegliche moralische Normen vergessen. Vor Zorn würde ich die Faust gen Himmel schütteln, so ich denn eine hätte. Erst wird man diskriminiert, dann kann man sich noch nicht einmal dagegen wehren. Ich lege eine Protest Schweigeminute ein, und werde sie erst beenden, wenn meine Forderung nach verbesserten Arbeitsbedingungen erfüllt werden.

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Zurück im Studio. Wir bitten die technischen Probleme zu entschuldigen. Anscheinend ist die Tonleitung zu unserem Reporter gestört. Unsere Technicker arbeiten unter Hochdruck daran. Sobald die Leitung wieder steht melden wir uns direkt vom Spielgeschehen zurück. Bis dahin ein wenig Fußballballett.

*düdel düüüüü düdeldüdeldüüüüü düüüüü düüü     düüüüüüüüü düdeldüdel   düdeldüüüüüüü*

AU, WAS SOLL DAS? Oh, ähhhhhh, ja, da sind wir wieder im VfR Stadion und sie haben nichts verpasst. Hin und wieder kamen Spieler vorbei, doch entweder erzielten sie keinen Treffer oder das Publikum hat ein Schweigegelübde abgelegt. Da brandet wieder Jubel auf. Es Anscheinend haben die Gäste ihre Führung weiter ausgebaut. 0:2 dürfte es somit stehen. Wenn ich mich recke, kann ich über die Anderen hinweg feiernde Düsseldorfer erkennen. In Formation laufen kommen sie direkt auf meinen Standort zugelaufen, nehmen Anlauf, lassen sich nach Kopfsprung auf den Köpfen der Menge tragen, direkt auf mich...

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Was war? Ich muss von dem Zusammenprall kurz ohnmächtig gewesen sein. Ah, der Pfiff zur zweiten Hälfte hat mich geweckt. Ein blick auf die Anzeigentafel verrät, dass nach wie vor die Gäste führen. Sie scheinen das Spiel zu kontrollieren. Die große Kugel rollt von Treter zu Treter, doch da ein leichtsinniger Ballverlust im Aufbau, ein Erkenschwicker Spieler hat den Ball und... bewegt sich aus meinem Sichtfeld. Vermutlich wird er die Chance vergeben. Wir Neumünsteraner Grashalme mögen die Erkenschwicker nicht sonderlich, da sie so häufig auf uns rumtreten. Dann doch lieber die Düsseldorfer, die lediglich zweimal in der Saison hier auflaufen und auf diese ständigen Freundschaftsspiele verzichten. Oh nein, das kleine Häuflein mitgereister Heimfans jubelt. Dann war das wohl der Anschlusstreffer. Wimmer höre ich gerade. Lass den mal in meine Nähe kommen. Dem werde ich ein Beinchen stellen. Wenn ich nur eines hätte...

Die Lautstärke pegelt sich auf höherem Niveau ein. Ein deutliches Zeichen für mehr Spannung. Die Menschen sind ja so durchschaubar. Ein Pfiff. Spiel vorbei? Oh nein, Freistoß. HEY, NICHT DAS RUNDE DING HIER HIN LEGEN! Meine Damen und Herren, der Düsseldorfer Spieler mit der Nummer 69 drückt das runde etwas gnadenlos auf meine Brüder und Schestern, keine Armlänge von mir entfernt, ein Massaker, das eine UNO-Resulotion rechtfertigte, doch auch in diesem Fall wird wieder nichts passieren. Er steht wenige Menschenschritte von mir entfernt, starrt debil Richtung Erkenschwicker Tor, dass ich von hier aus nicht erblicken kann, da eine Horde verteidigender Spieler aufgereiht im Weg stehen. HEY, WEG DA IHR SPINNER! ICH BIN VON DER PRESSE UND SOLL HIER BERICHTEN. HAAALLOOOOOO! Oh, da kommt die Nummer 69 angelaufen, holt weit mit seinem Treter aus, AHHHHHHHHH... puh, ich konnte mich rechtzeitig ducken. Der Windzug schoss haarzausend über meinen Kopf hinweg; wenn ich welche hätte. Das runde Ding ist nun außerhalb meiner Sicht, eine enorme Erschütterung geht durch Mark und Bein, da die verteidigenden Spieler gleichzeitig hüpften und wieder landeten, ein sattes BOING begleitet von einem Aufschrei, der schlagartig in gebannte Ruhe überging, dann wieder lautes Geschrei. Tor. Ich kann nur mutmaßen, was sich am Tor zugetragen hat. Der Schuss traf wahrscheinlich den Kopf des Torstehers, dessen voluminöse Leere das Geräusch erzeugte. Von da aus fielen Ball und Torsteher potentiell zu Boden, wo kleine, radikale Guerilla-Halme die Kugel über den weißen Todesstreifen beförderten. Menschen zählen das als Tor. Ja, die Anzeigentafel bestätigt meine Theorie. 1:3 führt nun der Gast. Es ist erstaunlich, dass nicht längst gegen diese Untergrundbewegung vorgegangen wird. Wie dem auch sei, der Düsseldorfer Freude tut es keinen Abbruch. LaOla geht durch den Erkenschwicker Strafraum... HEYYYYY!!!

*schnarch*

Der Schlusspfiff. Die Trainer betreten den Rasen. Ich werde versuchen, exklusive Interviews mit den beiden zu führen. HALLO HERR HOYER! HALLO? HERR HOYER! HAAAALLOOOO! HERR GÖTZE? EINE STELLUNGNAHME? HERR GÖTZEEEEE!

Integration ist in Deutschland ein schönes Wort, doch solang die schweigende Mehrheit einfach ignoriert wird, sind wir von einem freien, demokratischen Leben weit entfernt. Mit einem Aufruf zu mehr Miteinander verabschiedet sich ihr Günther Rashalm.

Danke für diese außergewöhnliche Berichterstattung. In der Pressekonferenz äußerten sich beide Trainer zum Spiel.

 Mariu Hoyer: "F.U.C.K. F.U.C.K. F.U.C.K. !!!"


 Frank Götze: "Erkenschwick hatte heute offensichtlich nicht den besten Tag erwischt, wird ABER im Aufstiegskampf auch weiter laut mitreden. Düsseldorf bewegt sich gut mit. Mal schauen wo wir am Ende landen."
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