Oberliga Nord · 21. Spieltag
03.07.2007
Fortuna
4 : 3
VfR
Someg 03.07. Braunschweiger
12.000 Zuschauer
Torschützen
Fortuna
  • Marotta 1
  • Emerson 3
VfR
  • Meusch 3
Spielbericht
Lupenreiner Hattrick in die Trauer

Düsseldorf - Viel kann man der OLN vorwerfen, einen Mangel an spannenden Partien oder eine vorentschiedene Tabelle nicht. Ganz dieser Tradition verschrieben trafen heute die sechsplazierte Fortuna aus Düsseldorf und der Tabellendritte aus Gegenteilvonaltmünster aufeinander. Für beide Trainer sollte es ein Nerven aufreibender Abend werden.

Als die Spieler auf den Rasen trabten, trafen sich die beiden Trainer an der Seitenlinie, schüttelten sich die Hände und tauschten Nettigkeiten aus. Genug des Vorgeplänkels und rein ins Spiel.

Neumünster hatte noch nie zuvor gegen Düsseldorf gewonnen und so begannen sie auch. Zaghaft, übervorsichtig, risikoscheu. Anders die Gastgeber, die wuselig jeden ballführenden Spieler angingen und von vorne rein klar machten, die Serie nicht reissen lassen zu wollen. Wie ein Donnerschlag aus heiterem Himmel knallte ein Gästeschuss ans Gehäuse von Dennis Prostka, doch auf der Linie konnte Svensson den Ball klären. Auf der anderen Seite ließ man Amir Shapourzadeh ungehindert Maß nehmen, der Knaller von Christian Meyer an die Latte gelenkt und Luiz Firminho Emerson bedankt sich für die Freiheit im Nachschuss, schenkte ein. 1:0, 14. Minute, Emerson


Gerrit Gerloff sank auf der Gästetrainerholzbank zusammen. Nicht wieder ein 1:4 wie im Hinspiel. Doch alle Zeichen deuteten darauf, wenn nicht sogar Ärgeres. Es spielte in dieser Phase nur eine Mannschaft. Sollten die Gäste wirklich so früh aufstecken? Nein, das taten sie nicht. Dennoch wurde wieder Emerson von Piero Marotta mustergültig bedient, stand frei im Fünfer und verwandelte. 2:0, 28. Minute, Emerson


Frank Götze lehnte sich entspannt zurück in seinem Massagesessel. Verfrüht. Gegen Ende der ersten Halbzeit fanden die angeschlagenen Mannen zurück ins Spiel. Die Halbzeit sollte einiges ändern.

"Gut so Jungs, weiter so!" war alles, was Frank Götze seinen Spielern sagte. Gerrit Gerloff hingegen fand mitreissendere Worte. Mit dem Anpfiff zu Hälfte zwei war jegliche Lethargie verschwunden. Es spielte nur eine Mannschaft, Neumünster. Ein schöner Pass in die Spitze auf Sven Meusch, von der Düsseldorfer Innenverteidigung nachlässig bedrängt, vermutlich keinen Elfer in Kauf nehmen wollend und dann kam an der Fünfergrenze doch die ungeschickte Grätsche. Pfiff. Banges Warten bei den Heimfans. Der Schiri hatte eine gute und eine schlechte Nachricht. Es gab keine Rote, doch es gab Elfmeter. Der Gefoulte selbst legte sich den Ball zurecht. Dennis Prostka der Fels in der Brandung, Meusch schaut ihm tief in die Augen, läuft an, Prostka bleibt lange stehen, springt ab, Meusch schießt, Ball und Torsteher bewegen sich in die gleiche Ecke, doch landet der Ball flach unter Prostka hindurch im Netz.  2:1, 49. Minute, Meusch

Nun geschah Erstaunliches. Düsseldorf eigentlich nicht mehr auf dem Platz. Bekam man ein Körperteil zur Abwehr an den Ball, er landete wieder bei den stets schnelleren Gästen. Die Wende lag in der Luft. Neumünster musste sie nur anschubsen. Meusch stand mutterseelenallein im Strafraum, erhält die Flanke passgenau auf die Brust, legt den Ball ab, lacht dem heraus stürzenden Dennis Prostka noch ins Gesicht und schiebt das Leder in die Ecke. 2:2, 54. Minute, Meusch

Es lag die Sensation in der Luft. Neumünster punktet in Düsseldorf, siegt gar, schließt auf die gestern unterlegenen Schönberger auf. Ein Mann wie von Sinnen. Meusch überall. Und er macht es. Unglaublich! Er macht es. Ein lupenreiner Hattrick in nur NEUN Minuten!!! 2:3, 58. Minute, Meusch

Wer in seinem Leben schon viele ungläubige Gesichter sah, eines wie Gerrit Gerloffs in diesem Moment hat er garantiert noch nicht gesehen. Im Stadion des erklärten Angstgegners einen Zweitorerückstand aufgeholt und danach das Spiel kontrolliert. Die Fortuna angeschlagen, taumelte über den Platz, hatte schwere Not, diesen offensichtlichen Wirkungstreffer wegzustecken. Frank Götze mit hoch rotem Kopf an der Seitenlinie. Doch seine Co-Trainerin hielt ihn zur Ruhe an. Noch war genügend Zeit zu spielen und die erste Hälfte verlief souverän. Warum sollten neun Minuten alles ändern?
 
Wenn man Neumünster in dieser Phase etwas vorwerfen konnte, dann das Spiel nicht zu entscheiden. Chancen gab es, doch Dennis Prostka und so manches Verteidigerbein verhinderten eine höhere Führung. Die Fortuna berappelte sich wieder und die Partie tauchte in ihren schönsten Abschnitt. Ich weiss nicht, wie man mit geschlossenem Visier Fußball spielen können soll, doch hier waren auf beiden Seiten die Visiere derartig offen, dass Fans beider Seiten tausend Tode sterben mussten. Hoch unter runter, hin und her. Den Grund, weswegen Christian Meusch nicht zum Spieler des Tages gewählt wurde, lieferte wieder Luiz Firminho Emerson. Wieder vorm Tor, machte er wieder alles richtig. 3:3, 75. Minute, Emerson

Ein wahnsinniges Spiel. Alle Fans standen auf den Sitzen. Zwar verfügte Düsseldorf über die größeren Energiereserven, doch Neumünster kämpfte. Vielleicht ein wenig zu viel. In der 81. Minute attackierte Süleyman Keskin Amir Shapourzadeh hart im Mittelfeld, doch die daraus resultierende rote Karte könnte als einzige Fehlentscheidung des ansonsten bravourösen Schiedsrichters ansehen. rote Karte, 81. Minute, Keskin

Doch geirrt hatte sich, wer die Gäste den einen punkt verteidigen erwartete. Nach schöner Drehung an der Strafraumgrenze kam wieder Meusch zum Schuss, doch Dennis Prostka parierte in der 84. Minute. Die Ecke landete bei Amir Shapourzadeh und der leitete den Konter ein. Auf der linken Seite fehlte nun Keskin. Dies nutzten die Düsseldorfer, warteten auf nachrückende Spieler, die deutlich schneller nachrückten als die gegnerische Verteidigung und was macht einen Stürmer aus? Man sieht ihn das ganze Spiel nicht und dann macht er in der 87. das entscheidende Tor. Wer anderes als Piero Marotta, der kleine Italiener vom Niederrhein, setzte sich gegen die Innenverteidigung durch und zog trocken vom Elfmeterpunkt ab. 4:3, 87. Minute, Marotta

Neumünster platt. Der Wille noch einmal dagegen zu halten war deutlich, doch Düsseldorf konnte den Ball halten, initiierte noch zwei, drei Angriffe und jubelte über den Schlusspfiff, als sei der VDFB-Pokal gewonnen worden. Das Publikum feierte zufrieden die Akteure, die Gästefans waren natürlich über den Verlauf und den so nahen und doch verlorenen Punkt enttäuscht, doch im Enddeffekt hatten sie zuvor nichts anderes erwartet und eine Runde Freibier von Dr. Virgil Breetveld ließ den Schmerz schnell vergessen.

-
4 - 3
11 - 10
7 - 8
15 - 21
1 - 1
0 - 1
3 - 4
0 - 0
80% - 72%
57% - 43%
63% - 80%

Gerrit Gerloff:  "Ich mag Someg nicht, das hab ich ihm vor Spiel beginn auch gesagt!! Natürlich nur als Gegner...obwohl wir heute dichter an einem Punktgewinn waren, als in den letzten Spielen gegen ihn. Zehn starke Minuten kurz nach der Pause von Meusch konnten da leider auch nix dran ändern. Die rote Karte für Keskin kurz vor Schluss hat uns dann das Genick gebrochen. Scheiße!! Glückwunsch trotzdem an Frank und danke für das sehr geile Spiel...lange kein so spannendes mehr gehabt. Jetzt heißt es (wie immer) in den nächsten Spielen zu punkten...wir werden sehen. Danke!"

Frank Götze: "Ich möchte meinem Kollegen beipflichten. An Spannung war es wirklich kaum zu überbieten. Die Statistik zeigt, dass seine Mannschaft sicherlich einen Punkt verdient gehabt hätte, ABER meine Spieler (und ich) behielten die Ruhe und wurden belohnt. Nun steht morgen das Nachholspiel gegen Erkenschwick an, Donnerstag die CL-Begegnung gegen Halle, Freitag die Partie gegen die momentan starke kleine Fortuna und nächste Woche geht es zu den hoch motivierten Bergdörflern. Da wird uns sicherlich nicht langweilig. Viel Erfolg Gerrit in Sachen Aufstieg!"
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