Oberliga Nord · 19. Spieltag
16.07.2006
Erfurt
1 : 0
Fortuna
Jabba-Ranks 16.07. Someg
6.000 Zuschauer
Torschützen
Erfurt
Keine Tore
Fortuna
  • Eigentor 1
Spielbericht

Engin Kizilaslan Matchwinner

Düsseldorf ... äh ... Erfurt - Lang, lang hat es gedauert. Erst war die Gastelf bei Gasteltern zu Gast, dann spielte die Technik einen Streich und da der Schiri die Rheinländer partout nicht ohne Trikot auflaufen ließ, verstrich eine weitere Woche, bis am heutigen Abend nach einer Intensivschneider-Aktion an der längsten Stofftheke der Welt die 6000 zahlenden Fans im wahrhaftig idyllischem Steigerwaldstadion die 22 Akteure auf dem Rasen begrüßen durften.

Ungünstig die Vorzeichen für die Gäste, musste man sich in den vorangegangenen Wochen mehr um Sponsorentermine denn Training kümmern, liefen die Hausherren zuversichtlich ins enge Rund, heiss auf den Dreier; also im punktetechnischen Sinn; zumindest vorerst.

Doch zunächst zum Spiel. Zu Beginn konnte sich Düsseldorf in den Wirren des aufgebrachten Mittelfelds den Ball noch erkämpfen und setzte zwei nennenswerte Akzente im Angriffsspiel, die doch an gut postierten Verteidigern und der sprichwörtlichen Abschlussschwäche der Altteetrinker scheiterten. Schnell übernahmen die Erfurter die Führung und spielten den Gegner wenig gastfreundlich an die Wand. Dennis Prostka bekam selbst seinen Wunsch nach der nach Genfer Konvention zugesicherten letzten ZigXXXte [aufgrund des Verbots der Tabakwerbung freiwillig zensiert durch Philip Morris International]  nicht gewährt und musste seinem Schicksal ohne Augenbinde ins feiste Antlitz starren.

Häufig wurde in unseren Berichten von "desolater Abwehrleistung" und "Angriff auf Angriff" gesprochen, doch heute müsste man alle alten Berichte aus den staubigen Tiefen des VDFB-Servers hervorkramen und sie auf ihre Wahrheit überprüfen. Erfurt spielte konstant auf das Gästetor. Eigentlich waren die letzten 30 Minuten ein einziger Angriff auf den Kasten. Doch ein ums andere Mal war ein Hühnerbein der kopflosen Abwehr dazwischen, ein todesmutiger Schmetterling warf sich in die Flugbahn des Balls, die entscheidende Ablenkung der Kugel vom Tor weg heroisch unter Einsatz seines eh viel zu kurzen Lebens zu erwirken. Kurzum Erfurt verzweifelte und das obschon den angeblich elf Spielern gegenüber ABER auch so rein gar nichts gelingen wollte. Pässe über zwei Meter fanden nicht den Weg zum Adressaten, gelang das Leder doch zufällig ans Ziel, sprang es wie zu Klinsmanns besten Zeiten scheinbar unkontrolliert ab, zielsicher wieder in Erfurter Besitz zu gelangen. Wie ein angeschlagener Boxer warfen die Mannen aus der Karnvealshochburg ihre gesamte Masse dem Angreifer entgegen, die stille Hoffnung in trister Resignation schwindend aus den Augen verlierend, den Ballbesitz zumindest bis zur halbierenden Spielfeldmarkierung vortragen zu können, ABER nichts.

Wiederholt wurden gefährliche Bälle von Verteidigern über die eigene Torauslinie geklärt und jeder hieraus resultierende Eckstoß strahlte große Gefahr aus auf Aluminium und Maschen. Dennis Prostka schwante Arges und trieb seine Vorderleute an, das unsichere Unentschieden in die Halbzeitpause zu retten. Den Willen konnte man seinem Team nicht absprechen, nicht ob des Engagements mit dem wirklich jeder seinen Teil zum Abwehrbollwerk beitrug. Mit Mann und Maus warf sich die Mannschaft jeder Flanke entgegen, doch haben Mäuse nichts in der Abwehr verloren, weil sie Elefanten erschrecken und diese kurze Ablenkung führte zur entscheidendendenden Unachtsamkeit des Spiels. Engin Kizilaslan, verwurzelt mit dem Rhein wie die Loreley, bewegt sich zu spät und falsch und richtig doof und bugsiert den Ball nach Eckball mit der Brust und einem verträumten Lächeln auf den Lippen, den WM-Rasen mit Stollen liebkosend und im Kopf den Deckel von gestern Abend lobend  den Teamgeist, Objekt der Begierde jeder 90 Minuten, vorbei an staunenden zehn Mitspielern im eigenen Fünfer über die frisch gekalkte, bei jeder Berührung schüchtern staubende Torlinie. *PUff*

Die Freude war groß, die Führung nicht unverdient, die Art und Weise schon.

Doch nun die Gäste mit Wut im Bauch. Genauso wie zuvor. Nach vorne gar nicht.

Endlich Halbzeit und aus Sicht der Gäste muss man sagen zum Glück immer noch nur 1:0. Oder 0:1. Je nachdem. Jedenfalls muss Trainer Frank Götze in der Pause die richtigen Worte gefunden haben, denn nach dem Wechsel ein neues Bild; allerdings das gleiche wie vor der Pause.

Ohne über das eigene Drittel hinaus reichendes Aufbäumen zitterten die Düsseldorfer vor dem nächsten Gegentreffer. Der Gästeblock erwartete das Schlimmste und forderte mit "Virgil"-Rufen den ehrenamtlichen Fittnesstrainer der Fortuna auf, das Trikot wieder über die breiten Schultern zu werfen und das Spiel herum zu reissen. Das tat er nicht, ging jedoch zum Trainer und steckte ihm unauffällig ein Zettelchen zu. Doch unsere Arguskameras haben die Bilder selbverständlich deutlich erfasst - doch ich höre gerade aus der Regie, dass zu diesem Zeitpunkt alle Kameraleute einen Wettstreit veranstalteten, wer als Erster fünf unterschiedliche Damenschlüpfer gefilmt haben werde und wir somit die Situation doch nicht optisch verdeutlichen können, dafür jedoch auf unser Boulevard-Special "Nichts drunter und Single - Frauen mit neuen Motiven beim Fußballspiel"  direkt im Anschluss an diesen Bericht verweisen wollen.

Dann eine Auszeit beantragt von Frank Götze, alle Anwesenden derartig überrascht, dass keiner wirdersprach, da es im Fußball diese Institution gar nicht gibt. Taktische Umstellung. Angriff. Angriff. Angriff. Die Spieler stehen im Kreis und feuern sich gegenseitig an, motivieren sich bis in die Haarspitzen, wollen den Sieg, glauben an den Sieg und werden kämpfen.

Das gleiche Bild immer noch. Erfurt wieder am Ball und spielt nach vorne. Doch was ist das? ABSEITS! Ein Premiere in dieser Begegnung und sofort polonaisiert die Düsseldorfer Bank mit Papphütchen auf dem Kopf und Tröten in den Mündern das Spielfeld und Rudi schunkelt dazu mit Heinz Schenk.

Nun sahen die Zuschauer ein neues Spiel. Auf einmal kombiniert Düsseldorf, findet Lücken, kommt zum Strafraum und schließt ab. Zwar konnte die Schussstatistik nicht mehr ausgeglichen werden, doch nach 10:2 in der ersten kam man auf 12:8 heran. Allerdings hatten die Gastgeber mit einem wuchtigen Pfostenschuss die größte Chance der zweiten Hälfte, genau genommen des gesamten Spiels.

Abschließend die Kommentare der Trainer
Daniel Mucha (Erfurt): "ja.. aber ich find der Sieg ist verdient.. ich hab mehr für´s spiel gemacht... juchu" und "In der Stunde des Sieges... vergißt man den Verlierer... ;-)"

Dr. Virgil Breetveld (mit einer Handpuppe Frank Götzes bauchredend und brennende Teamgeister auf einem hungrigen Alligator jonglierend): "naja, Bescheidenheit ist deine Zierde wohl nicht" und "du hattest Heimspiel also trägst du ein" zusammenfassend "insgesamt ging es in Ordnung"

War ein spannendes Spiel:-)

Kommentare (8)
Es ist mir ein Bedürfnis dem "Meister des eingeschobenen Nebensatzes" zu diesem grandiosen Bericht zu gratulieren!!!! lach
Jabba-Ranks · 16.07.2006 03:00 Uhr
Es ist mir ein Bedürfnis dem "Meister des eingeschobenen Nebensatzes" zu diesem grandiosen Bericht zu gratulieren!!!! lach
Jabba-Ranks · 16.07.2006 03:00 Uhr
Wunderschöner Bericht Frank!!! Hab mich köstlich amüsiert! Glückwunsch an Jabba für seine drei Punkte!
Goldgraeber83 · 16.07.2006 11:43 Uhr
Wunderschöner Bericht Frank!!! Hab mich köstlich amüsiert! Glückwunsch an Jabba für seine drei Punkte!
Goldgraeber83 · 16.07.2006 11:43 Uhr
In der Tat, Verbalakrobatik vom allerfeinsten! Du darfst gern öfter verlieren, wenn solche Berichte dabei herauskommen. Andernfalls aber auch. ;-)
jirrschi · 16.07.2006 13:31 Uhr
In der Tat, Verbalakrobatik vom allerfeinsten! Du darfst gern öfter verlieren, wenn solche Berichte dabei herauskommen. Andernfalls aber auch. ;-)
jirrschi · 16.07.2006 13:31 Uhr
Durch Glück mischt Herr Mucha im Aufstiegskampf mit!! :o) Schön freut mich, ich gönne es dir!!! Der Bericht ist klasse geschrieben, also wenn ich durch ein Eigentor verlieren würde, hätte ich kein Bock mir solch einen Text aus dem Gehirn zu drücken!!! :o)
TWeggi · 16.07.2006 17:08 Uhr
Durch Glück mischt Herr Mucha im Aufstiegskampf mit!! :o) Schön freut mich, ich gönne es dir!!! Der Bericht ist klasse geschrieben, also wenn ich durch ein Eigentor verlieren würde, hätte ich kein Bock mir solch einen Text aus dem Gehirn zu drücken!!! :o)
TWeggi · 16.07.2006 17:08 Uhr