Oberliga Nord · 32. Spieltag
24.09.2008
Fortuna
1 : 0
Osna
Someg 24.09. Rubberduck
30.000 Zuschauer
Torschützen
Fortuna
  • Shapourzadeh 1
Osna
Keine Tore
Spielbericht
Elfmeter besiegelt Abstieg
Trauer an der Hase

Düsseldorf - Drei Jahre lenkte er die Geschicke der Niedersachsen, hielt ihnen auch nach dem Abstieg in die Oberliga die Treue, konnte dort die Abwärtstendenz in der vergangenen Saison stoppen, doch am heutigen Abend erlebte er wohl die schwerste Stunde seiner Trainkarriere; Michael Wegener.

Die Ausgangslage war eindeutig. Die Gäste mussten einen Dreier aus dem Rheinland entführen um im Rennen um den Klassenerhalt zu bleiben. Für die Gastgeber ging es lediglich noch um schönen Fußball; beide sollten ihre Ziele nicht erreichen.

Die Partie begann mit einem Paukenschlag. Bereits in der zweiten Minute tauchte Kim Christensen vor dem Tor des von seinen ängstlichen Vorderleuten im Stich gelassenen Vahid Spago  auf, doch dieser Stand von Beginn an seinen Mann. Osnabrück in der Anfangsphase mit schlottrigen Knien, ungenau im Aufbau und passiv in der Defensive und es deutete alles auf ein schnelles Ende aller Träume hin. Ballsicher kombinierte die Fortuna immer wieder in beste Schusspositionen, doch mangelnder Abschluss verhinderte den frühzeitigen Abschuss.

Nach und nach stellten sich die Gäste besser auf die gegnerischen Angriffe ein und kurz vor Ende der ersten Hälfte konnten sie zum ersten Mal Druck entwickeln, doch als sie gedanklich bereits die Seiten wechselten, setzte Düsseldorf zu einem Entlastungsangriff an.

Über die rechte Seite kam der emsige Niki Wagner nach vorne, sieht Piero Marotta im Strafraum einen Schritt entgegenkommen, spielt den Pass, der kleine Italiener wird von zwei Verteidigern in die Zange genommen, fällt, liegt, schaut, springt auf, schnappt sich den Ball. Der Schiedsrichter hatte auf Elfmeter entschieden, da der Angriff ausschließlich die mediterranen Beine getroffen hatte.

Mannschaftskapitän Amir Shapourzadeh entreißt seinem Kollegen den Ball aus den Händen, erinnert an die Regel, dass der Gefoulte doch nicht schießen solle, legt sich das Leder sorgfältig auf dem Punkte zurecht.

Im Paul-Janes-Stadion erschallt die Anspannung durch elektrische Stille. Vahid Spago und Amir Shapourzadeh schauen sich tief in die Augen. Wie Boxer läßt keinen von beiden den Sichtkontakt abreißen. Der Schiedrichter überprüft ein letztes Mal, dass sich kein Spieler im Strafraum befindet, gibt den Strafstoß mit einem spitzen Pfiff frei. Immer noch visuell verbunden läuft der Iraner an, der Bosnier und Herzegowinaer hält dem Blick weiter Stand, verharrt in der Mitte des Kastens, breitet seine Arme weit aus, zuckt kein bißchen, der Stürmer erreicht den Ball, schießt.

Michael Wegener brach an der Seitenlinie fast zusammen. Mit dem Pausenpfiff versetzte die Fortuna seiner Mannschaft diesen Messerstich. In der Kabine musste er wohl nicht viele Worte machen. Es galt nun alles oder nichts, Sieg oder Heldentod.

Es sah nach "alles" aus. Die Spieler des Vereins für Leibesübungen machten ihrem Namen endlich alle Ehre. Sie liefen, kämpften, kombinierten, schossen, doch es sollte nicht sein. Die Schwäche der gesamten Saison zeigte sich in diesem Spiel. Düsseldorf schwamm, konnte den Ball nicht mehr kontrolliert nach vorne spielen, der Druck wuchs stetig, immer wieder suchte Osnabrück sein Glück, doch Thorsten Kirschbaum leistete sich keinen Fehler und hielt seinen Kasten sauber.

Mit Ablauf der 90. Minute wurde es still im Stadion. Das Publikum zeugte in der Nachspielzeit dem Gegner und seinen mitgereisten Anhängern Respekt. Mit dem Schlusspfiff intonierten beide Fanblöcke "Michael Wegener"-Gesänge, applaudierten den Spielern, die sich trotz der bitteren Erkenntnis des Abstiegs gemeinsam mit den Düsseldorfern vom Publikum verabschiedeten.

Für Osnabrück wird das Auswärtsspiel in Babelsberg ein Abschiedsspiel, doch darf man auch als neutraler Fußballfreund hoffen, dass der Trainer der liga erhalten bleibt und Osnabrück bestimmt auch den Aufstieg wieder schaffen wird.

Michael Wegener nach dem Spiel: "Das war es dann mit dem VFL in der Oberliga. Durch einen dummen Elfmeter und einer wieder einmal saumäßigen Chancenverwertung haben wir heute unsere letzte Chance verspielt die Klasse doch noch halten zu können. Ich hoffe der VFL wird in der nächsten Saison den sofortigen Wiederaufstieg schaffen. Es tut mir leid für alle VFL Osnabrück Fans."

Frank Götze: "So oder so sehen wir uns wieder und ich freu mich darauf."
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