Oberliga Nord · 10. Spieltag
10.04.2008
RWE
1 : 2
Fortuna
jirrschi 10.04. Someg
21.500 Zuschauer
Torschützen
RWE
  • Zinnow 1
Fortuna
  • Marotta 1
  • Christensen 1
Spielbericht
Freudentaumelnd zum Schulterklopfen
Des einen Freud, des Andren Leid - wie immer.

Düsseldorf - Hoher Bedeutung für den weiteren Saisonverlauf beider Vereine zum Trotz, wurde schon im Vorfeld des fünften Aufeinandertreffens der Trainer freundschaftlich kommuniziert; bisherige Bilanz 1-2-1. Die vorausgegangenen Saisonergebnisse ließen die Quote auf 0:0 in den Keller krachen. Volksfeststimmung in Essen, nur nervöser.

Zur Ausgangslage der Vereine:

  Der Saisonstart gelang nach Maß. Die ersten vier Partien wurden nicht verloren, im Lokalderby gelang sogar ein Dreier. Endlich trug das langfristige Sanierungsprogramm Jürgen Pabst Früchte, so schien es, das Abstiegsgespenst gehörte der Vergangenheit an. Doch es folgten drei Niederlagen, gefolgt von drei torlosen Unentschieden. RWE schaut wieder mit einem Auge nach unten.

  Düsseldorf begann mit einer desaströsen Heimniederlage die Spielzeit. In der Folge verlor man zwar fünf Spiele nicht, doch auf oft unglückliche Art und Weise gewann man ebenso wenig. Nach acht Spielen steht man mit sechs Punkten aus sechs Unentschieden da, gerade mal vier Treffer auf der Haben-Seite. Von Tabellenplatz 15 kann man nicht mehr weit nach unten schielen.

Gemeinsam betraten die Trainer das Georg-Melches-Stadion, 2.000 enthusiastische Fans machten Lärm wie eine Meute von mindestens 2.100 Fans. RWE stoß die Partie an und verschlief den Beginn vollkommen.

Noch keine 180 Sekunden waren auf der Stadionsanduhr verronnen, da zappelte der Ball im Essener Netz, Düsseldorfs Trainer auf dem Spielfeld, Piero Marotta am Elektrozaun vor der Südtribüne. Davor hätte man ihn wirklich vorher warnen können. Seis drum, das Gästeteam führte mit dem ersten Torschuss vom zuvor frei gespielten kleinen Italiener.

Häufig hatte Düsseldorf diese Saison geführt und am Ende mit einem 1:1 zufrieden sein müssen. Also spielten die Rheinländer forsch weiter voran, erarbeiteten sich grandiose Möglichkeiten, scheiterten vorbildlich. Und dann die 35. Minute. Essen mit dem ersten Konter. Zinnow auf einmal auf und davon und weg und vor Düsseldorfs Neuerwerbung Thorsten Kirschbaum und eh er den ersten Ball in seiner VDFB-Karriere für Düsseldorf halten kann, greift er hinter sich. Der Augleich. 1:1. Die Essener Anhänger mögen meine Einschätzung entschuldigen, ABER zu diesem Zeitpunkt überraschend und unverdient wie unbefleckte Empfängnis.

Das war ihnen egal. Sie tanzten, die Essener Spieler, der Essener Trainer, die Essener Fans; alle beide. Genau genommen tanzte nur einer, weil der andere mit Grippe im Bett bleiben musste, eine der üblen Magen-Darm-Sorte und seine Karte einem befreundeten Fortunafan per Ebay verkauft hatte. Die Düsseldorfer Anhängerschaft den tränen nahe. Wieder eines dieser Spiele.

Doch die Mannschaft steckte nicht auf, kombinierte weiter nach vorne, generierte Chancen, vergab selbige, Halbzeit.

In der Pause kam Jürgen pabst auf die schelmische Idee, dass seine Jungs das Spiel vielleicht auch gewinnen könnten. So wies er an, das Siegtor zu erzielen und es kam, wie es kommen musste. Tatsächlich konnte wieder ein Pass in die Nahtstelle der Abwehr platziert werden, wie erwartet tauchte ein Stürmer alleine vor Kirschbaum auf, natürlich suchte er den Abschluss, doch der neue Held vom Niederrhein lenkte den Ball zur Ecke.

Vor der dramatischen Schlussminute sei erwähnt, dass es sich um durchweg faires Spiel gehandelt hat, das auch fußballerisch einiges zu bieten hatte. Es ist eigentlich traurig, dass die Tabellenplatzierung diese Saison (bislang) anscheinend weniger durch spielerische Klasse als Fähigkeiten im Torabschluss entschieden wird.

90. Minute. Alle Beteiligten haben sich mit der Punkteteilung abgefunden, Jürgen Pabsts Lippen ließen ein tendenziell zufriedenes Lächeln erahnen, Frank Götzes eher ein verkrampftes. Die Fortuna bringt den Ball über die rechte Seite ein letztes Mal an den gegnerischen Strafraum, Piero Marotta verlängert per Kopf auf Kim Christensen und der drischt den Ball unhaltbar rein. Stille.

Alle warten darauf, dass entweder abseits gefpiffen oder Handspiel muniert oder gar der Schlusspfiff ertönt sein wird, ehe der Ball die Linie passiert hat. Doch nichts. Christensen jubelt. Düsseldorf jubelt. Frank Götze jubelt. Abpfiff.

Nach dem Spiel gingen die beiden Trainer direkt zueinander und fanden nette Worte füreinander. Gemeinsam traten sie vor die Presse.

Jürgen Pabst: "Bitter, bitter, bitter! Wie schon gegen Halle darf unser Gegner mit der letzten Aktion des Spiels selbiges doch noch als Sieger verlassen. Sicher, der Sieg der Gäste war insgesamt nicht unverdient. Meinen Jungs war von Anfang an die Nervosität vor diesem Richtung weisenden Spiel anzumerken. Umso mehr war ich erstaunt, wie sie sich nach dem Rückstand aufgebäumt haben. In der 2.Halbzeit hatte ich gar kurzzeitig Hoffnung auf mehr, als wir  zeitweise den Düsseldorfer Strafraum belagern konnten. Leider bringen wir uns wieder durch zwei Unkonzentriertheiten um den Lohn unserer Arbeit. So langsam wird es düster an der Hafenstraße, nicht nur unser Stadtrivale wird sich gewaltig ins Fäustchen lachen. Was bleibt, ist die Hoffnung aud bessere Zeiten. Worauf die sich begründen soll, weiß ich im Moment allerdings auch nicht."

Frank Götze: "Natürlich bin ich froh, mal vor Jubel heiser zu sein statt Schimpferei. Doch muss ich sagen, dass ich mit meinem Kollegen mitempfinden kann und er mir ein wenig Leid tut. Auch ich bin der Meinung, dass unser Sieg objektiv verdient war, ABER mit dem Schlusspfiff um den Lohn eines 90 minütigen aufopferungsvollen Kampfes gebracht zu werden schmerzt. Wir dürfen diesen Sieg auch nicht überbewerten. Zwar verbessern wir uns auf Platz 10 der Tabelle, doch untenrum ist die OLN sehr eng. Das mag ich ja eigentlich auch." und ist weg.
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