
SV Sandhausen
Rhein-Neckar-Zeitung (21.05.2024)

Sandhausen siegt auf Schalke!
Eigentlich hatten die Verantwortlichen vom SV Sandhausen heute Abend in Gelsenkirchen reichlich Grund zur Freude, immerhin gewann ihre Mannschaft nach einem zwei Tore Rückstand zur Pause noch mit 3:2. Zufrieden wirkte der Trainer nach der Partie aber keineswegs, stattdessen kritisierte er seine eigene Mannschaft stark. Für den SVS war es bereits der fünfte Sieg im sechsten Spiel in der Fremde.

"Ich bin sauer, so richtig angefressen über das was wir hier heute auf Schalke gezeigt haben. Es gab so viele Räume, die wir bespielen konnten und die wir teils auch bespielt haben. Aber was wir im letzten Drittel, vor dem gegnerischen Tor gezeigt haben, kotzt mich an. Es kotzt mich an, wie wir uns da immer wieder selber in Bredouille bringen. Wir können hier nach einer Viertelstunde mit 0:3 führen, nein wir müssen hier 0:3 führen und dann laufen wir zur Pause einem zwei Tore Rückstand hinterher. Es nervt tierisch. Es ist ja nicht zum ersten Mal dass unsere Chancenverwertung unterdurchschnittlich ist. Wir thematisieren es immer wieder, trainieren es immer wieder, aber auf den Rasen kriegen wir es scheinbar nicht."
In der Tat begann der SVS sehr forsch im Offensivspiel. Das lag auch an der Systemumstellung, die der Trainer für das Gastspiel auf Schalke wählte. Statt in einem defensiven 5-4-1 agierten die Kicker vom Hardtwald in einem offensiven 4-5-1. Hierfür musste der dritte Innenverteidiger Nauber in der Startformation weichen, für ihn begann mit Borrello ein Stürmer, der zuletzt eher außen vor war. Der Trainer hatte nicht Unrecht damit, dass seine Mannschaft besonders in der ersten Halbzeit fahrlässig mit seinen Chancen umging. Smarsch verhinderte früh einen Rückstand für S04. Nach anfänglichen Schwierigkeiten nahmen auch die Hausherren am Spielgeschehen teil und arbeiteten sich erstmals gefährlich in die gegnerische Hälfte. In der 24.Minute stellte Honsak den Spielverlauf auf dem Kopf, indem er sich im gegnerischen Sechszehner gegen Heintz durchsetzte und Burchert im Tor der Gäste keine Abwehrchance ließ. Durch die überraschende Führung im Rücken wurde die Mannschaft vom langjährigen Cheftrainer derFighter selbstbewusster und mutiger in den eigenen Aktionen. Das Honsak (29.) nur fünf Minuten später seinen zweiten Treffer nachlegte, war ein Beweis für die nun deutlich stärker auftretenden Hausherren. Bis zur Pause hatte der SVS gar Glück das Spiel nicht vollständig aus der Hand zu geben. Burchert verhinderte kurz vor dem Halbzeitpfiff mit einer Glanztat den dritten Gegentreffer. Auch der Trainer empfand die Phase im letzten Drittel der 1.Halbzeit als nicht tragbar:
"Wir bringen uns damit doch nur selber in Schwierigkeiten. Schießen wir früh ein oder zwei Tore läuft das Spiel in eine komplett andere Richtung, stattdessen kassieren wir einen Doppelschlag und müssen uns dann noch bei Sascha bedanken, dass wir in der Pause überhaupt noch eine Chance auf einen Punktgewinn haben. Das nervt und bringt uns um den Lohn der Arbeit, die hier jeder tagtäglich leistet."
Zur zweiten Halbzeit gab es keinen Wechsel auf Seiten der Gäste. Einzig Zimmermann rückte eine Position nach hinten, Diekmeier übernahm die offensivere Rolle auf der rechten Außenbahn. In der Halbzeitpause dürfte es in der Gästekabine laut gewesen sein, zumindest trat der SVS nun wieder mit einer anderen Körpersprache auf. Der Fabo-Elf spielte kurz nach Wiederbeginn die offensive Ausrichtung der Schalker in die Karten. Nach fünf Minuten lief nämlich Green plötzlich alleine auf Smarsch zu. Der Offensivspieler blieb cool, umkurvte den heraus eilenden Smarsch und traf zum Anschlusstreffer (50.). Nur zwei Minuten später hätte Behrens den nächsten Konter eigentlich zum Ausgleich nutzen müssen, doch der Stürmer scheiterte am heute glänzend auferlegten Schlussmann der Hausherren. Nach etwa einer Stunde musste Burchert auf der anderen Seite sein Können gegen Kerk unter Beweis stellen (58.). Das Spiel wäre wohl anders verlaufen, hätte Sebastian Kerk den Ball aus spitzem Winkel im Tor unterbringen können, stattdessen klingelte es ein paar Minuten später auf der Gegenseite. Erst hielt Smarsch noch doppelt klasse, dann war auch der Torhüter gegen den Kopfball von Behrens machtlos (65.). Ungewöhnlich war wie viele Räume S04 in dieser Phase des Spiels preisgab. Auch das dritte Tor der Kicker vom Hardtwald resultierte aus einem schnellen Gegenzug, den erneut Behrens (70.) veredelte. Wiederum nur Augenblicke später hätte der SVS das Spiel eigentlich entscheiden müssen, doch auch vom Elfmeterpunkt zeigte der Gast deutliche Schwächen. Behrens ballerte den Ball übers Tor (71.). Weil auch Borrello (72.) in der Folge am überragenden Smarsch nicht vorbei kam, blieb das Spiel bis zum Schlusspfiff spannend. Die Knappen gaben sich nicht auf und kamen in der Schlussviertelstunde noch zu zwei nennenswerten Ausgleichschancen, die aber beide von Torhüter Burchert pariert worden. So blieb es in einer turbulenten Partie beim knappen 2:3 Erfolg der Kicker vom Hardtwald.
"Es zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison. Wir haben einen X-Goal Wert von 8,6. Das ist verrückt und irgendwie aberwitzig, dass wir uns am Ende für den Sieg bei Sascha bedanken können. Wir nehmen die drei Punkte mit, es hat aber keinen Spaß gemacht, ganz ehrlich es war anstrengend! Wir sollten das Spiel schnell abhaken. Zumindest werde ich das tun, was die Anderen machen ist mir gerade egal."
Nach der Klatsche gegen 1860 München (0:6) konnte sich Sandhausen zumindest ergebnistechnisch rehabilitieren. Doch die Anfälligkeit in der Defensive und die mangelhafte Chancenverwertung bereiten Sorge, wenn man einen Blick auf die kommenden Gegner wirft. Mit dem VfB Lübeck und dem 1.FC Kaiserslautern warten in den nächsten Tagen wohl die zwei spielstärksten Mannschaften der 3.Liga auf die Fabo-Elf. Löcher in der Defensive sollten da schleunigst vermieden werden!
Für den SVS spielten:
Burchert - Okoroji, Heintz, Gulde (C), Diekmeier - Kinsombi, Idrizi, Zimmermann, Borrello, Green - Behrens
Tore:
1:0 Honsak (25.)
2:0 Honsak (29.)
2:1 Green (50.)
2:2 Behrens (65.)
2:3 Behrens (70.)
Stadion:
Arena auf Schalke (4.200)
