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17: Ein tierisches Spiel
Topspiel

17: Ein tierisches Spiel

07.05.2007 Someg
Von Eseln, Hasen, Maden, Mickey Mouse, noch einem Esel und mal sehen, was wir da noch so finden werden.


Göttingen / Dransfeld - Eine obskure Geschichte rankt sich um eine Partie des finalen Spieltags der Hinrunde in der 9. Saison der Oberliga Nord. Ihre Stimmung ist mystisch, die Handlung verzwickt, die Lehre fragwürdig, doch beginnen wir ganz von vorn.

linke HandNein, es sind nicht die modrig müffelnden Hände von Mickeys Mumie und auch wenn das Hemd einen hart arbeitenden, ehrlichen Mann erwarten lassen könnte, so trügt der Schein wie so häufig.

Es handelt sich um keinen Stahlarbeiter aus dem Ruhgebiet, der dem Schmelzofen zu nahe kam und auch nicht um einen emsigen Müllmann, den der Deckel einer Tonne hinterrücks überraschte.

Diese Hände gehören einem altgedienten Fußballtrainer aus der weltbekannten Metropole:
rechte Hand


Samtgemeinde


Und naja, man kann sehen, wie 17 Jahre ihre Spuren hinterließen.

Das Leben in Dransfeld an sich wäre nichts Schlimmes, gäb es da nicht die unleidliche Geschichte der Hasenmelker.

Noch in heutiger Zeit raunen Großmütter den mit ängstig weit aufgerissenen Augen drein blickenden Enkeln diese Begebenheit vor dem Lichtausschalten in die Ohren.
das Ergebnis


1492Wir schreiben das Jahr des Herrn 1492. Ein Ereignis nimmt seinen Lauf, das die gesamte Welt verändern sollte:
Die Bürger Dransfelds erhielten das Recht Hasen zu jagen.
Hase


Echte Hasen, in unseren Gefilden meist Feldhasen (Lepus europaeus), sind generell durch kräftige hintere Gliedmaßen und lange Ohren (im Jäger-Jargon "Löffel" genannt) gekennzeichnet.

Da die Dransfelder bis dato lieber ihren Stoffe befühlt als Hasen gejagt hatten, bezogen sie diese Anhaltspunkte von Wikipedia und machten sich mit einem Distelstecher bewaffnet auf die Jagd nach den Tieren.

Bereits am Hohen Hagen, dem 508 Meter hohen vulkanischen Berg im Dransfelder Stadtwald, wurde ein eifriger Waidmann fündig, fing das Tier mühelos ein und rief seine Samt behangenen Kollegen herbei.

Das gab ein freudiges Hallo. Man wunderte sich schon, dass die Beute die Größe eines anderthalb jährigen Rinds besaß, doch ein Hase hat ja nunmal lange Ohren und da nicht der minimale Ansatz eines Geweihs zu finden war, konnte es sich um kein Reh handeln.
ein Hase hoppelt


Dann kamen die Göttinger.

Mögen sie noch so naiv an der Kamera vorbei schauen, ging es um die Hasenjagd, kannte der Göttinger keinen Spaß. Seit jeher galt sie als ihr Previleg und das neue Recht der Dransfelder akzeptierten sie nicht. Da das Einspruchverfahren noch lief und Rechtssicherheit fehlte, löste man den Disput auf die bewährte Weise: man prügelte sich gediegen.

Wacker schlugen sich die tapferen Dransfelder, doch angesichts der Göttinger Überzahl, was auch immer der Göttinger an sich 1492 im Dransfelder Stadtwald so zu erledigen hatte, zogen sie den Kürzeren und mussten ihren Hasen den Okkupatoren überlassen. Doch es war Blut geflossen.
Göttinger Spieler


der MüllerAusgerechnet den Müller hatte es erwischt. Nicht nur dass er niedergestoßen ward, auch der Hauch eines Schlags ließ ihn vor Schmerz am Boden krümmen, die Arme abwechselnd weinerlich zu Himmel gestreckt und krampfhaft wechselnde Blessuren umschließend. Das Bild des Jammers ließ die Herzen der Göttinger erweichen und sie billigten etwas Milch aus dem Hasen zu melken, auf dass der sterbende Schwan wieder zu Kräften komme. Die Behauptung, "Müller Milch" beziehe aus diesem Umstand seinen Namen, ist keineswegs haltbar.

So legte sich ein samtiger Milchbart um die vollen Lippen des Dransfelder Jünglings und hähmisch lachend zogen die Göttinger nach Göttingen um dort den Hasen zu verspeisen.

Erst retrospektiv schlich sich die Erkenntnis ein, dass der Hase in Wirklichkeit ein störrischer Esel war, der sich auf der Flucht vor seinem grausamen Herrn mit einem Hasenkostüm maskiert hatte. So erhielten die Dransfelder den Namen "Hasenmelker" und die Göttinger nannte man "Eselesser".


Keine 515 Jahre später, gelingt Sparta Göttingen der Aufstieg in der Oberliga Nord und enagiert eben jenen Trainer aus Dransfeld.

Als er den VW-Transporter für die Rückreise von einem Trainingslager packen wollte geschah das Maleur: er quetschte sich selber an der Kofferaumklappe.

Nein, diesmal nicht die fragilen Hände sondern den Schädel.

Ein laut hallendes BOING erschallte über die Weiten des Parkplatzes und eine fiese Platzwunde prangte auf dem Haupt.

Da entsann er sich der alten Mythen seiner Heimat und wusste noch nicht so Recht, was sie ihm sagen wollten.
VW-Transporter


Plastikherd
Währenddessen in seinem trauten Heim. Ahnungslos ob des Missgeschicks ihres Partners, machte seine Freundin Anstalten, einen Hasen zu braten. Voll Vorfreude angesichts der bevorstehenden Wiedervereinigung und dem deliziösen Braten legte sie das gute Stück auf die Herdplatte und heizte ein.

Dichter Nebel erhob sich in der Küche, waberte in fetten Schwaden zu Boden, durchzog jegliches mobiliar.

Visionen ergriffen Besitz von der Köchin. Weiße, windende Würmer winkten wie wild. Rote Brüder und Schwestern stimmten ein in den Chor der Wirbellosen, doch klatschen konnten sie nicht im Takt des Gospels, schließlich hatten sie keine Arme.

Der Hase fiel in sich zusammen, verteilte sich stinkend schwarz auf der Herdplatte. Träge Blasen durchdrangen sein Inneres sich mühselig ihres Inneren an der Oberfkäche entleerend.

Erkenntnis übermannte die benommene Küchenchefin. Hallelujah! Schnell die Herdplatte aus. Der Hase war gar kein Hase. Es war die Tupperdose der Göttinger; samt Deckel.


Ein überraschender Anblick erwartete den von Kopfschmerz geplagt heim kehrenden Göttinger Trainer aus Dransfeld. Der Herd ein einziger Plastikklumpen, der Boden bevölkert von rauchenden Maden; Weißen wie Roten.

Angenehm knackende Geräusche gaben die Kleinen von sich, nutzte er seine physikalische Überlegenheit in Form der Gravitation mittels seines Fußes aus. Die Geburt eines Fetisches?

Der Herd war schell gereinigt, die Maden fritiert, was sollte jetzt noch kommen?
Maden


Göttingen Jetzt kommt Fortuna Düsseldorf!

Mittwoch, 09.05.2007 21°° Uhr

Sparta Göttingen - Fortuna Düsseldorf

Jahnstadion im Sportpark
Goldgraeber83_fortunaduesseldorf.jpg
Kommentare (3)
BobbyCarRacer · 08.05.2007 12:15 Uhr
Mal wieder sehr gelungen Someg. :)
Yoda · 08.05.2007 15:57 Uhr
 sauber Frank
Svenbob30 · 08.05.2007 18:36 Uhr
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