Topspiel
26: FC Schalke 04
23.10.2003
Someg
Die Geister der Geschichte werfen fordernde Schatten auf die Leinwand der Zukunft.
FC Schalke 04 [block]Kaum ein anderer Verein kann auf so viele Höhen und Tiefen zurück blicken und das nicht nur in real- und virtuell-sportlicher, sondern vor allem auch vereinspolitischer Hinsicht. Der Schalker Kreisel: Am 03. Mai 1925 findet das erste Aufeinandertreffen der Schalker gegen den Nachbarn aus Dortmund statt. Man siegte 4:2. DAS Lokalderby des Ruhgebiets war geboren. Der "Dortmunder Generalanzeiger" berichtete über die Spielweise der Gelsenkirchner: "Kurz und flach wandert der Ball von Mann zu Mann." Die Geburt des "Schalker Kreisels". In der Ausgabe des Dudens von 1978 wird das Wort "Kreisel" wie folgt beschrieben: "[...] 3. (Fußball): Spielweise, bei der der Ball in direktem Zuspiel zwischen mehreren Spielern kreisend durch die Reihen der Gegner gebracht wird." 1920: Die Gebrüder Ballmann kommen an den Schalker Markt. Vor dem 1. Weltkrieg waren die Eltern der Ballmanns nach England ausgewandert. Mit Ausbruch des 1. Weltkrieges wurden sie interniert. Während seiner Kriegsgefangenschaft lernte der Schalker Fred Kühne sie auf der Insel kennen. 1920 werden Fred und Hans Ballmann nach Deutschland ausgewiesen. Beide sprechen kaum deutsch, als sie im Ruhrgebiet ankommen. Fred Kühne holt sie zu den Schalkern. Ernst Kuzorra später: "Die machten Fallrückzieher, Doppelpaß - sowas kannten wir alles gar nicht." Die Ballmann-Brüder führen den schottischen Flachpaß ein. Der Ball wird so flach und so schnell wie möglich zum Mitspieler weitergepaßt. Damit so etwas funktioniert, muß es ständig Mitspieler geben, die sich freilaufen.
Die drei Männer, deren Namen immer mit dem Schalker Kreisel verbunden werden: von links: Fritz Szepan, Herbert Burdenski, Ernst Kuzorra (1940)
Mit dem Schalker Kreisel kam der Erfolg, wobei die zeitliche Kongruenz mit Aufstieg und Fall des Dritten Reiches selbst von eingefleischten Verschwörungsterroristen, äh, -theoretiker nicht ernsthaft als Zeichen der politischen Gesinnung aufgefasst werden kann, wurde doch die zwischen 1934 und 1942 fünf deutsche Meisterschaften einheimsende Mannschaft gerne als "Polackenverein" bezeichnet.
Am 07. August 1934 wehrten sich 13 Spieler im Fachblatt "Kicker" energisch gegen die negative Auffassung des Beinamens "die Knappen" im nationalsozialistischen System. Sie wiesen darauf hin, dass ihre Eltern alle im "heutigen oder früheren Deutschland geboren seien" und sie selber auch keine Immigranten seien. Dies entsprach auch der Wahrheit, doch stammten 10 der Fußballer aus dem Osten, die meisten von ihnen aus Masuren, andere aus Schlesien und Großpolen. Das bedeutete freilich keine propolnische Einstellung, im Gegenteil, einige engagierten sich frühzeitig für Hitler und sein System, änderten teilweise sogar ihre Namen: aus Czerwiñski wurde Rothardt, aus Przytulla Valentin. Auch finanziell profitieren einige von ihrer NS-Einstellung.
ACHTUNG!!! Zum ersten Mal im Finale um eine deutsche Meisterschaft standen die Knappen am 11.Juni 1933. Vor 60.000 Zuschauern verlor man in Köln gegen niemand Geringeres als Fortuna Düsseldorf. Dieser Stachel steckt bis heute im Nagelfleisch jedes Schalker Fans.
Als Höhepunkt des Schalker Kreisels gilt der 18. Juni 1939. Wieder einmal stand man im Finale um die deutsche Meisterschaft doch nun in Berlin. Der Titel ging mit 9:0 gegen Admira Wien an die Schalker und diese Meisterelf gilt als die beste Mannschaft, die jemals für Schalke spielte.
Der erste Schalke-Skandal:
25. August 1930:
Der Westdeutsche Spielverband erklärt 14 Spieler aus der 1. Mannschaft erhalten haben, zu Berufsspielern und sperrt sie damit.
Sie haben für Spiele und Training ein damals verbotenes Handgeld von zehn Mark – erlaubt sind fünf – erhalten.
Schalke 04 wird bis zur Zahlung einer Strafe von 1600 Mark aus dem WSV ausgeschlossen!
Ernst Kuzorra ( 1958 ): "Wir haben lange genug Wiener Schnitzel gefressen.”
Schwarze Kasse: 12. Dezember 1961
Die Steuerfahndung ermittelt. Dabei kommt heraus, dass der Vorsitzende Dr. König und Kassierer Hans Asbeck seit 1959 rund 150.000 Mark an Handgeldern und Prämien aus einer „schwarzen Kasse“ bezahlt haben. Letztendlich bewerten die Richter die Tat als „Kavaliersdelikt“. König wird zu 4000 und Asbeck zu 3500 Mark Geldstrafe verurteilt.
Fanabzocke auf Schalker Art: 2. Juni 1963
Die Knappen gegen Pelé & Co.: Der FC Santos, damals die berühmteste Fußballmannschaft der Welt, kam zum Freundschaftsspiel. Dies wurde ins Essener Georg-Melches-Stadion verlegt, weil im dort mehr teure Sitzplätze à 25,50 Mark zur Verfügung standen. Doch die Partie wurde zum Reinfall. Nicht nur wegen der 1:2-Niederlage, zu der auch Pelé ein Tor beigetragen hatte, sondern auch wegen des geringen Zuschauerinteresses. Nur 15.000 kamen – und der FC Santos kassierte eine Gage von 150.000 Mark!
Finanzielle Nöte: 15. Juni 1964
Der DFB will Schalke 04 die Lizenz entziehen, da die Gefahr besteht, dass der verschuldete Verein seinen Verpflichtungen nicht nachkommen kann. Die Knappen reagieren und verkaufen am 20. Juni 1964 die Glückauf-Kampfbahn für 850.000 Mark an die Stadt Gelsenkirchen, die eine Bedingung stellt: Der Schalker Vorstand um Dr. Königsoll muss zurücktreten. Am 22. Juli 1964 ergreift, von den Mitgliedern dazu gedrängt, Fritz Szepan in höchster Not das Steuer.
15. Mai 1965
Schalke, obwohl mit fünf Nationalspielern gespickt (Koslowski, Libuda, Herrmann, Nowak, Schulz), landet auf dem letzten Platz. Da der DFB aber die Liga von 16 auf 18 Vereine aufstockt, und Hertha BSC keine Lizenz bekommt, bleiben die Knappen in der Liga.
Reinhard "Stan" Libuda: links 1963, Mitte 1965 und rechts 1974
Die Bissigkeit im Pott: Einmalig im deutschen Fußball ist wohl die Geschichte, die sich im Stadion "Rote Erde" am 6. August 1969 abspielte. Wildgewordene Schäferhunde, die an der Leine ihrer Ordner eigentlich die Fans aus beiden Lagern in Schach halten sollten, machten in der 47. Minute Jagd auf Schalker Spieler und bissen Friedel Rausch und Gerd Neuser ins Hinterteil und den Oberschenkel. Rausch spielte mit zusammengebissenen Zähnen weiter, während sich bei Neuser in der Halbzeit Lähmungserscheinungen bemerkbar machten. Er mußte ausgewechselt werden. Die Schalker spielten unter Protest weiter, am Ende hieß es 1:1. Im Rückspiel in der Glückauf-Kampfbahn revanchierten sich die Schalker auf ihre Art: Sie engagierten anstelle von Schäferhunden zahme Löwen aus dem Löwenpark des Grafen von Westerholt, die an Halsbänden ihrer Pfleger den "Ordnungsdienst" versahen. In großem Bogen marschierten die Borussen um die Raubtiere auf den Platz.
Der Bundesligaskandal: Seit September 1967 hieß der neue Präsident Günter "Oskar" Siebert. Der ehemalige Mittelstürmer der Meisterelf von 1958, den man wegen seiner Schlüpfrigkeit nur die "Forelle" nannte, übernahm am 27.9.1967 das lecke Vereinsschiff mit 1:13 Punkten.
Ein Grillfest an einem heißen Juninachmittag, es war der 6.6.1971, im Offenbacher Vorort Hausen, Rosenstraße 19: Horst Gregor Canellas feiert seinen 50. Geburtstag. Einen Tag zuvor war sein Verein nach einer unglücklichen 2:4-Auswärtsniederlage gegen den 1. FC Köln am letzten Spieltag aus der Bundesliga abgestiegen. Eigentlich sollte man annehmen, daß Canellas an diesem Sonntag nicht zum Feiern zumute war. Doch der temperamentvolle Präsident hielt einige Trumpfkarten in der Hand, die ihn im berechtigten Glauben ließen, daß seine Kickers im nächsten Jahr nicht zum bitteren Marsch in die Regionalliga Süd antreten müssen. Canellas' Frau Maria, von ihrem Mann liebevoll "Hasi" genannt, hatte ein üppiges Büffet angerichtet, es wurden Zigaretten, Champagner und Bier gereicht. Attika und Lord Extra, wo man hinsah, lange Koteletten und kurze Miniröcke, dazu James Last und Max Greger. Vor den Toren des eleganten Bungalows parkten lange Reihen von BMW, RO 80 und Mercedes 250 SE. Zu den geladenen Gästen zählten neben Freunden und Geschäftspartnern auch eine große Zahl von Medienvertretern, Bundestrainer Helmut Schön und DFB-Ligasekretär Wilfried Straub. Das öffentliche Auftritte liebende Geburtstagskind nahm mit einem Lächeln auf den Lippen Platz inmitten seiner Gästeschar. Er hatte auf Tonband aufgezeichnete Beweise, daß es zum Ende der Saison 70/71 zu Schiebungen und korrupten Abmachungen unter Bundesligavereinen gekommen war, deren Opfer gegen Ende die Offenbacher Kickers waren. Tonmeister Hinz baute auf einem Gartentisch das Gerät mit dem ominösen Tonband auf. Als dann der Gastgeber die Haubitze hervorholte und die Bänder abspielte, verschluckten sich viele am Bier oder Champagner. Ans Büffet wagte sich niemand mehr heran. Helmut Schön, der eigentlich nur gekommen war, um Canellas sein Beileid für den unglücklichen Abstieg auszusprechen, kauerte ängstlich wie ein Kaninchen vor der Schlange am Rande des Gartens. Der deutsche Fußball hatte soeben seine Unschuld verloren.
0:1 verlieren die Schalker zu Hause gegen Arminia Bielefeld. Was keiner ahnt: Für 2300 Mark pro Kopf lassen sich die Knappen bereitwillig bezwingen. Die Partie ist eine von jenen, die zum so genannten „Bundesliga-Skandal“ zählen, der durch viele verschobene Spielausgänge querbeet durch die Liga ausgelöst wird. Am Ende werden 53 Spieler, zwei Trainer und sechs Funktionäre aus vielen Vereinen verurteilt. Gesperrt werden Galbierz (inzwischen Wuppertaler SV), Pirkner (Österreich), Pohlschmidt (Teutonia Münster) und Sobieray. Die übrigen Spieler bestreiten vor einem ordentlichen Gericht unter Eid, Geld genommen zu haben. Doch schließlich bricht das Lügengerüst zusammen.
Am 22. Dezember 1975 wird vor dem Essener Landgericht die Prozesse wegen Meineids abgeschlossen. Gegen die Spieler werden Geldstrafen ausgesprochen.
Ein munterer Reigen sportlicher Betrüger: (von links nach rechts) Klaus Fichtel, Klaus Fischer, Herbert Lütkebohmert, Rolf Rüssmann, Arno Steffenhagen und Spiegel-Cover
Richter Pohl: „Wie sind Sie bloß auf den Gedanken gekommen?“
Libuda: „Ja, wie?“
Richter Pohl: „Dummheit?“
Libuda: „Dummheit sowieso!“
15. Mai 1981
„Entweder schaffe ich Schalke oder Schalke schafft mich.“ Mit diesen Worten tritt Rudi Assauer, von Präsident Fenne in höchster Not als Manager verpflichtet, seinen Dienst an.
Erstmals zweitklassig: Bereits gegen 16.40 Uhr drängten Tausende zu den Ausgangstoren des Parkstadions, es stand bereits 0:3, und so etwas Grausames hatte man in Gelsenkirchen schon lange nicht mehr gesehen. Von den 40.000 Zuschauern harrten gerade einmal 12.000 bis zum Abpfiff aus. Der Trauermarsch war auch ein Zeichen dafür, dass man die Knappen aufgegeben hatte. Am nächsten Spieltag dann das wohl letzte Schicksalsspiel: Aber auch in Duisburg klappte rein gar nichts. Und selbst der eigens angereiste Ruhrbischof Franz Hengsbach konnte mit seinem Beistand die 1:5-Klatsche nicht verhindern.
Zweite Zweitklassigkeit: Lähmendes Entsetzen nach der Partie bei Präsident Dr. Fenne: „Wie es bei uns weiter geht, weiß ich selbst noch nicht.“ Schalke war der „Verlierer der Saison 1982/83“. Mit allem hatte man gerechnet, aber nicht damit, dass Schalke sofort wieder absteigt. Was ein Menschenleben lang undenkbar gewesen ist, nämlich Schalke und die Zweitklassigkeit, wurde den treuen Fans zwischen 1981 und 1983 gleich zweimal zugemutet. Was 1981 noch als „Betriebsunfall“ abgetan wurde, hatte sich nun bitter wiederholt.
Jahreshauptversammlung á la Schalke: 2. Februar 1987
Diese Versammlung am Montagabend war Schalkes echt würdig: 1316 Besucher im Saal des Hans-Sachs-Hauses, der normalerweise nur 850 Leute fasst, darunter allein 60 Journalisten und vier Kamerateams. High-Noon-Stimmung, rauchgeschwängerte Luft, Schalke war im Ausnahmezustand. Ein Mitglied in angetrunkenem Zustand musste sogar abgeführt werden, weil es mit einer Pistole herumgefuchtelt hatte.
Das Wahlergebnis: Siebert 554 Stimmen - Meya 420. Während der Vorbereitung gab es noch eine Wahlpanne: Die Wahlzettel trugen fortlaufende Nummern, die bei der Verteilung mit den Namen der Mitglieder notiert wurden. Vor der Stimmauszählung gab Wahlleiter Stuckmann bekannt, dass man die Nummern abschneiden würde. Der Meya-Anhang beriet noch zu gleicher Stunde, ob man die Wahl deshalb nicht gerichtlich anfechten könne.
21. September 1987
Im Treibhausklima der Eissporthalle, wo bei Bierpreisen von 3,50 Mark für ein 0,3-Liter-Pils offensichtlich ein weiterer Versuch zur Sanierung der maroden Vereinskasse unternommen wurde, wucherten Hass, Wut und Gemeinheiten. Der Präsident Siebert ging mit der Opposition, angeführt von Rolf Rüßmann und dem Kandidaten Stuckmann, über Kreuz. Rüßmann fuhr schweres Geschütz gegen Siebert und Gefolge auf, während Ex-Vorsitzender Dr. Fenne in einer sachlichen Rechtfertigung um Fairneß bemühte und doch nur Hohn und Spott erntete. Bei der Veranstaltung drohte die „Ideologie Schalke“ zu einer Idiotie zu verkommen. Bierdeckel flogen durch die Halle, ein Nachwurf mit Stühlen schien zu folgen. Es war bereits 22.30 Uhr und es standen immer noch zwanzig Redner auf der Liste, als der damalige Bildungsminister Jürgen Möllemann das Wort ergriff und ein bisschen mehr Anstand, Achtung und Höflichkeit anmahnte: „Ich bin enttäuscht, wie hier seit zwei Stunden dreckige Wäsche gewaschen wird. Machen wir doch ein Ende mit dem Theater“.
Und wieder in die Zweite: 2. April 1988
Mit einer 1:8-Pleite beim FC Bayern beginnt eine Serie von acht Spielen ohne Sieg. Schalke steigt als Tabellenletzter der Bundesliga ab. Olaf Thon wechselt zum FC Bayern.
Der Drei-Tage-Präsident: 21. - 22. September 1988
Intrigen wurden gesponnen und zwei Tage später titelte die Bild-Zeitung: „Geheimagent als Präsident“. Zylka ein angeblicher Agent des Bundesnachrichtendienstes, der nun vielleicht sogar Schalke ausspioniert? Die wildesten Gerüchte kursierten.
Der Skandal war perfekt. Michael Zylka sah sich vermehrt Anfeindungen ausgeliefert, ein normales Arbeiten schien nicht mehr möglich zu sein. Zudem war die ganze Organisation auf Schalke ein einziges Chaos. Selbst der damalige DFB-Teamchef Franz Beckenbauer hatte in den Zeitungen verbreiten lassen, dass Schalke immer noch geführt werde wie vor dreißig Jahren.
Zylka schien überfordert. Mit so vielen Stöcken, die ihm in den Weg geworfen wurden, hatte er nicht gerechnet. So verabschiedete er sich nach drei Tagen wieder vom FC Schalke 04 und ging damit als der „Drei-Tage-Präsident“ in die Schalker Geschichtsbücher ein.
Der Sonnenkönig: Erst am 16. Januar 1989, ein gutes Vierteljahr nach dem Rücktritt von Zylka, kam es zur Wahlnacht. Es sollte den bis dato größten Wahlsieg geben, den Schalke erlebt hat. 83,9 Prozent der fast 1400 wählenden Mitglieder stimmten für Günter Eichberg. 132 Journalisten bedrängten ihn anschließend, als er die Sektkorken knallen ließ. Champagner für 106 Mark die Flasche wurde geköpft.
So kam es nach der Winterpause zum ersten Spiel unter Eichbergs Regentschaft - ausgerechnet bei Fortuna Düsseldorf, dem Verein, bei dem Eichberg zuvor versucht hatte, Einfluss zu gewinnen. Mit Fortuna-Präsident Förster war er per Du, der Fortuna hatte Eichberg zuvor drei Spieler finanziert und ein Trainingslager bezahlt.
Beim Spiel gegen die Fortunen pennte die gesamte Schalker Mannschaft. Didi Ferner kritisierte sein Team nach der 0:2-Niederlage ungewöhnlich scharf. Das Schalker Mittelfeld mit Anderbrügge, Goldbaek, Schlipper und Marell ging völlig unter. Nach der Niederlage lud Eichberg seine Truppe dennoch in die Düsseldorfer Altstadt an die längste Theke der Welt ein.
Die Talsohle: Es kam der absolute sportliche Tiefpunkt in der Schalker Vereinsgeschichte. Schalke verlor auch das Keller-Derby in Osnabrück mit 0:1 und rutschte in der 2. Liga auf den vorletzten Platz ab. Bis zum rettenden Ufer waren es schon vier Punkte Abstand, der Absturz zu den Amateuren stand kurz bevor. Nach dem Spiel erklärte Günter Eichberg: „Wir werden noch in dieser Woche über die Trainer-Frage beraten müssen.“
Morgens um sieben Uhr wurden die Spieler aus den Betten geklingelt: „Kommen Sie gleich ins Stadion. Da erfahren Sie alles weitere.“ Spieler Jörg Mielers war telefonisch nicht zu erreichen, er wurde sogar von zwei Polizeiwagen abgeholt und zum Berger Feld gebracht.
Den Spielern wurde mitgeteilt, dass ihr alter Trainer entlassen war, der neue zwar feststeht (Peter Neururer), der aber noch nicht kommen darf, weil Aachen die Freigabe verweigerte, so dass Eichberg flugs den ehemaligen Schalker Nationalspieler Helmut Kremers zum Manager und auch Interimstrainer ernannte.
Eurofighter: 21. Mai 1997
Der FC Schalke 04 gewinnt nach einem an Spannung nicht zu überbietenden Spiel gegen Inter Mailand erstmals den UEFA-Cup. Das Hinspiel am 7. Mai im Parkstadion endete mit einem 1:0-Sieg durch ein Tor von Marc Wilmots. Dank Ivan Zamoranos Tor kurz vor Schluß erreicht Inter im Rückspiel die Verlängerung. Das Elfmeterschießen endet mit 4:1 klar zu Schalker Gunsten. Ingo Anderbrügge, Martin Max, Olaf Thon und Marc Wilmots behalten vor 25.000 mitgereisten Schalker Fans im mit 81.675 Zuschauern ausverkauften Giuseppe-Meazza-Stadion die Nerven.
Schock und Jubel: 19. Mai 2001
Die achte deutsche Meisterschaft ist zum Greifen nah. Am letzten Spieltag besiegen die Knappen Unterhaching mit 5:3. Als HSV-Stürmer Barbarez in der 90. Minute das 1:0 gegen Bayern München erzielt, ist FC Schalke 04 Deutscher Meister. Erst eine umstrittene Freistoßentscheidung in der 94. Minute bringt den Bayern noch das 1:1 durch Patrick Andersson. Die Königsblauen müssen sich mit dem Titel „Meister der Herzen“ begnügen und ziehen als Tabellenzweiter erstmals in die Champions League ein.
26. Mai 2001
Eine Woche nach der Meisterschaftstragödie steht der FC Schalke 04 erstmals seit 1972 wieder in einem Finale um den DFB-Pokal. Gegen den Regionalligisten Union Berlin bringen zwei Tore von Jörg Böhme den 2:0-Sieg.

Die Zahlen: Schalke wurde
- 1 Mal UEFA-Cup-Sieger (1997)
- 7 Mal Deutscher Meister (1934, 1935, 1937, 1939, 1940, 1942 und 1958 )
- 6 Mal Vizemeister (1933, 1938, 1941, 1972, 1977 und 2001)
- 4 Mal Deutscher Pokalsieger (1937, 1972, 2001 und 2002)
- 6 Mal Pokal-Zweiter (1935, 1936, 1941, 1942, 1955 und 1969)
- 2 Mal Ligapokal-Zweiter (2001 und 2002)
Gegen Fortuna Düsseldorf gab es bislang insgesamt 45 Spiele, davon 20 Siege, 13 Unentschieden und 12 Niederlagen.
Gegen Union Berlin gab es bislang lediglich ein Spiel und das war das gewonnene Pokalfinale 2001.
Tipps:
Someg:
Fortuna Düsseldorf - FC Schalke 04 2:5
FC Schalke 04 - FC Union Berlin 4:4
Honcho:
Fortuna Düsseldorf - FC Schalke 04 1:5
FC Schalke 04 - FC Union Berlin 5:1
Snake:
Fortuna Düsseldorf - FC Schalke 04 1:3
FC Schalke 04 - FC Union Berlin 3:2 / 2:1
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FC Schalke 04 [block]Kaum ein anderer Verein kann auf so viele Höhen und Tiefen zurück blicken und das nicht nur in real- und virtuell-sportlicher, sondern vor allem auch vereinspolitischer Hinsicht. Der Schalker Kreisel: Am 03. Mai 1925 findet das erste Aufeinandertreffen der Schalker gegen den Nachbarn aus Dortmund statt. Man siegte 4:2. DAS Lokalderby des Ruhgebiets war geboren. Der "Dortmunder Generalanzeiger" berichtete über die Spielweise der Gelsenkirchner: "Kurz und flach wandert der Ball von Mann zu Mann." Die Geburt des "Schalker Kreisels". In der Ausgabe des Dudens von 1978 wird das Wort "Kreisel" wie folgt beschrieben: "[...] 3. (Fußball): Spielweise, bei der der Ball in direktem Zuspiel zwischen mehreren Spielern kreisend durch die Reihen der Gegner gebracht wird." 1920: Die Gebrüder Ballmann kommen an den Schalker Markt. Vor dem 1. Weltkrieg waren die Eltern der Ballmanns nach England ausgewandert. Mit Ausbruch des 1. Weltkrieges wurden sie interniert. Während seiner Kriegsgefangenschaft lernte der Schalker Fred Kühne sie auf der Insel kennen. 1920 werden Fred und Hans Ballmann nach Deutschland ausgewiesen. Beide sprechen kaum deutsch, als sie im Ruhrgebiet ankommen. Fred Kühne holt sie zu den Schalkern. Ernst Kuzorra später: "Die machten Fallrückzieher, Doppelpaß - sowas kannten wir alles gar nicht." Die Ballmann-Brüder führen den schottischen Flachpaß ein. Der Ball wird so flach und so schnell wie möglich zum Mitspieler weitergepaßt. Damit so etwas funktioniert, muß es ständig Mitspieler geben, die sich freilaufen.
Die drei Männer, deren Namen immer mit dem Schalker Kreisel verbunden werden: von links: Fritz Szepan, Herbert Burdenski, Ernst Kuzorra (1940)
Mit dem Schalker Kreisel kam der Erfolg, wobei die zeitliche Kongruenz mit Aufstieg und Fall des Dritten Reiches selbst von eingefleischten Verschwörungsterroristen, äh, -theoretiker nicht ernsthaft als Zeichen der politischen Gesinnung aufgefasst werden kann, wurde doch die zwischen 1934 und 1942 fünf deutsche Meisterschaften einheimsende Mannschaft gerne als "Polackenverein" bezeichnet.
Am 07. August 1934 wehrten sich 13 Spieler im Fachblatt "Kicker" energisch gegen die negative Auffassung des Beinamens "die Knappen" im nationalsozialistischen System. Sie wiesen darauf hin, dass ihre Eltern alle im "heutigen oder früheren Deutschland geboren seien" und sie selber auch keine Immigranten seien. Dies entsprach auch der Wahrheit, doch stammten 10 der Fußballer aus dem Osten, die meisten von ihnen aus Masuren, andere aus Schlesien und Großpolen. Das bedeutete freilich keine propolnische Einstellung, im Gegenteil, einige engagierten sich frühzeitig für Hitler und sein System, änderten teilweise sogar ihre Namen: aus Czerwiñski wurde Rothardt, aus Przytulla Valentin. Auch finanziell profitieren einige von ihrer NS-Einstellung.
ACHTUNG!!! Zum ersten Mal im Finale um eine deutsche Meisterschaft standen die Knappen am 11.Juni 1933. Vor 60.000 Zuschauern verlor man in Köln gegen niemand Geringeres als Fortuna Düsseldorf. Dieser Stachel steckt bis heute im Nagelfleisch jedes Schalker Fans.
Als Höhepunkt des Schalker Kreisels gilt der 18. Juni 1939. Wieder einmal stand man im Finale um die deutsche Meisterschaft doch nun in Berlin. Der Titel ging mit 9:0 gegen Admira Wien an die Schalker und diese Meisterelf gilt als die beste Mannschaft, die jemals für Schalke spielte.
Der erste Schalke-Skandal:
25. August 1930:
Der Westdeutsche Spielverband erklärt 14 Spieler aus der 1. Mannschaft erhalten haben, zu Berufsspielern und sperrt sie damit.
Sie haben für Spiele und Training ein damals verbotenes Handgeld von zehn Mark – erlaubt sind fünf – erhalten.
Schalke 04 wird bis zur Zahlung einer Strafe von 1600 Mark aus dem WSV ausgeschlossen!
Ernst Kuzorra ( 1958 ): "Wir haben lange genug Wiener Schnitzel gefressen.”
Schwarze Kasse: 12. Dezember 1961
Die Steuerfahndung ermittelt. Dabei kommt heraus, dass der Vorsitzende Dr. König und Kassierer Hans Asbeck seit 1959 rund 150.000 Mark an Handgeldern und Prämien aus einer „schwarzen Kasse“ bezahlt haben. Letztendlich bewerten die Richter die Tat als „Kavaliersdelikt“. König wird zu 4000 und Asbeck zu 3500 Mark Geldstrafe verurteilt.
Fanabzocke auf Schalker Art: 2. Juni 1963
Die Knappen gegen Pelé & Co.: Der FC Santos, damals die berühmteste Fußballmannschaft der Welt, kam zum Freundschaftsspiel. Dies wurde ins Essener Georg-Melches-Stadion verlegt, weil im dort mehr teure Sitzplätze à 25,50 Mark zur Verfügung standen. Doch die Partie wurde zum Reinfall. Nicht nur wegen der 1:2-Niederlage, zu der auch Pelé ein Tor beigetragen hatte, sondern auch wegen des geringen Zuschauerinteresses. Nur 15.000 kamen – und der FC Santos kassierte eine Gage von 150.000 Mark!
Finanzielle Nöte: 15. Juni 1964
Der DFB will Schalke 04 die Lizenz entziehen, da die Gefahr besteht, dass der verschuldete Verein seinen Verpflichtungen nicht nachkommen kann. Die Knappen reagieren und verkaufen am 20. Juni 1964 die Glückauf-Kampfbahn für 850.000 Mark an die Stadt Gelsenkirchen, die eine Bedingung stellt: Der Schalker Vorstand um Dr. Königsoll muss zurücktreten. Am 22. Juli 1964 ergreift, von den Mitgliedern dazu gedrängt, Fritz Szepan in höchster Not das Steuer.
15. Mai 1965
Schalke, obwohl mit fünf Nationalspielern gespickt (Koslowski, Libuda, Herrmann, Nowak, Schulz), landet auf dem letzten Platz. Da der DFB aber die Liga von 16 auf 18 Vereine aufstockt, und Hertha BSC keine Lizenz bekommt, bleiben die Knappen in der Liga.
Reinhard "Stan" Libuda: links 1963, Mitte 1965 und rechts 1974
Die Bissigkeit im Pott: Einmalig im deutschen Fußball ist wohl die Geschichte, die sich im Stadion "Rote Erde" am 6. August 1969 abspielte. Wildgewordene Schäferhunde, die an der Leine ihrer Ordner eigentlich die Fans aus beiden Lagern in Schach halten sollten, machten in der 47. Minute Jagd auf Schalker Spieler und bissen Friedel Rausch und Gerd Neuser ins Hinterteil und den Oberschenkel. Rausch spielte mit zusammengebissenen Zähnen weiter, während sich bei Neuser in der Halbzeit Lähmungserscheinungen bemerkbar machten. Er mußte ausgewechselt werden. Die Schalker spielten unter Protest weiter, am Ende hieß es 1:1. Im Rückspiel in der Glückauf-Kampfbahn revanchierten sich die Schalker auf ihre Art: Sie engagierten anstelle von Schäferhunden zahme Löwen aus dem Löwenpark des Grafen von Westerholt, die an Halsbänden ihrer Pfleger den "Ordnungsdienst" versahen. In großem Bogen marschierten die Borussen um die Raubtiere auf den Platz.
Der Bundesligaskandal: Seit September 1967 hieß der neue Präsident Günter "Oskar" Siebert. Der ehemalige Mittelstürmer der Meisterelf von 1958, den man wegen seiner Schlüpfrigkeit nur die "Forelle" nannte, übernahm am 27.9.1967 das lecke Vereinsschiff mit 1:13 Punkten.
Ein Grillfest an einem heißen Juninachmittag, es war der 6.6.1971, im Offenbacher Vorort Hausen, Rosenstraße 19: Horst Gregor Canellas feiert seinen 50. Geburtstag. Einen Tag zuvor war sein Verein nach einer unglücklichen 2:4-Auswärtsniederlage gegen den 1. FC Köln am letzten Spieltag aus der Bundesliga abgestiegen. Eigentlich sollte man annehmen, daß Canellas an diesem Sonntag nicht zum Feiern zumute war. Doch der temperamentvolle Präsident hielt einige Trumpfkarten in der Hand, die ihn im berechtigten Glauben ließen, daß seine Kickers im nächsten Jahr nicht zum bitteren Marsch in die Regionalliga Süd antreten müssen. Canellas' Frau Maria, von ihrem Mann liebevoll "Hasi" genannt, hatte ein üppiges Büffet angerichtet, es wurden Zigaretten, Champagner und Bier gereicht. Attika und Lord Extra, wo man hinsah, lange Koteletten und kurze Miniröcke, dazu James Last und Max Greger. Vor den Toren des eleganten Bungalows parkten lange Reihen von BMW, RO 80 und Mercedes 250 SE. Zu den geladenen Gästen zählten neben Freunden und Geschäftspartnern auch eine große Zahl von Medienvertretern, Bundestrainer Helmut Schön und DFB-Ligasekretär Wilfried Straub. Das öffentliche Auftritte liebende Geburtstagskind nahm mit einem Lächeln auf den Lippen Platz inmitten seiner Gästeschar. Er hatte auf Tonband aufgezeichnete Beweise, daß es zum Ende der Saison 70/71 zu Schiebungen und korrupten Abmachungen unter Bundesligavereinen gekommen war, deren Opfer gegen Ende die Offenbacher Kickers waren. Tonmeister Hinz baute auf einem Gartentisch das Gerät mit dem ominösen Tonband auf. Als dann der Gastgeber die Haubitze hervorholte und die Bänder abspielte, verschluckten sich viele am Bier oder Champagner. Ans Büffet wagte sich niemand mehr heran. Helmut Schön, der eigentlich nur gekommen war, um Canellas sein Beileid für den unglücklichen Abstieg auszusprechen, kauerte ängstlich wie ein Kaninchen vor der Schlange am Rande des Gartens. Der deutsche Fußball hatte soeben seine Unschuld verloren.
0:1 verlieren die Schalker zu Hause gegen Arminia Bielefeld. Was keiner ahnt: Für 2300 Mark pro Kopf lassen sich die Knappen bereitwillig bezwingen. Die Partie ist eine von jenen, die zum so genannten „Bundesliga-Skandal“ zählen, der durch viele verschobene Spielausgänge querbeet durch die Liga ausgelöst wird. Am Ende werden 53 Spieler, zwei Trainer und sechs Funktionäre aus vielen Vereinen verurteilt. Gesperrt werden Galbierz (inzwischen Wuppertaler SV), Pirkner (Österreich), Pohlschmidt (Teutonia Münster) und Sobieray. Die übrigen Spieler bestreiten vor einem ordentlichen Gericht unter Eid, Geld genommen zu haben. Doch schließlich bricht das Lügengerüst zusammen.
Am 22. Dezember 1975 wird vor dem Essener Landgericht die Prozesse wegen Meineids abgeschlossen. Gegen die Spieler werden Geldstrafen ausgesprochen.
Ein munterer Reigen sportlicher Betrüger: (von links nach rechts) Klaus Fichtel, Klaus Fischer, Herbert Lütkebohmert, Rolf Rüssmann, Arno Steffenhagen und Spiegel-Cover
Richter Pohl: „Wie sind Sie bloß auf den Gedanken gekommen?“
Libuda: „Ja, wie?“
Richter Pohl: „Dummheit?“
Libuda: „Dummheit sowieso!“
15. Mai 1981
„Entweder schaffe ich Schalke oder Schalke schafft mich.“ Mit diesen Worten tritt Rudi Assauer, von Präsident Fenne in höchster Not als Manager verpflichtet, seinen Dienst an.
Erstmals zweitklassig: Bereits gegen 16.40 Uhr drängten Tausende zu den Ausgangstoren des Parkstadions, es stand bereits 0:3, und so etwas Grausames hatte man in Gelsenkirchen schon lange nicht mehr gesehen. Von den 40.000 Zuschauern harrten gerade einmal 12.000 bis zum Abpfiff aus. Der Trauermarsch war auch ein Zeichen dafür, dass man die Knappen aufgegeben hatte. Am nächsten Spieltag dann das wohl letzte Schicksalsspiel: Aber auch in Duisburg klappte rein gar nichts. Und selbst der eigens angereiste Ruhrbischof Franz Hengsbach konnte mit seinem Beistand die 1:5-Klatsche nicht verhindern.
Zweite Zweitklassigkeit: Lähmendes Entsetzen nach der Partie bei Präsident Dr. Fenne: „Wie es bei uns weiter geht, weiß ich selbst noch nicht.“ Schalke war der „Verlierer der Saison 1982/83“. Mit allem hatte man gerechnet, aber nicht damit, dass Schalke sofort wieder absteigt. Was ein Menschenleben lang undenkbar gewesen ist, nämlich Schalke und die Zweitklassigkeit, wurde den treuen Fans zwischen 1981 und 1983 gleich zweimal zugemutet. Was 1981 noch als „Betriebsunfall“ abgetan wurde, hatte sich nun bitter wiederholt.
Jahreshauptversammlung á la Schalke: 2. Februar 1987
Diese Versammlung am Montagabend war Schalkes echt würdig: 1316 Besucher im Saal des Hans-Sachs-Hauses, der normalerweise nur 850 Leute fasst, darunter allein 60 Journalisten und vier Kamerateams. High-Noon-Stimmung, rauchgeschwängerte Luft, Schalke war im Ausnahmezustand. Ein Mitglied in angetrunkenem Zustand musste sogar abgeführt werden, weil es mit einer Pistole herumgefuchtelt hatte.
Das Wahlergebnis: Siebert 554 Stimmen - Meya 420. Während der Vorbereitung gab es noch eine Wahlpanne: Die Wahlzettel trugen fortlaufende Nummern, die bei der Verteilung mit den Namen der Mitglieder notiert wurden. Vor der Stimmauszählung gab Wahlleiter Stuckmann bekannt, dass man die Nummern abschneiden würde. Der Meya-Anhang beriet noch zu gleicher Stunde, ob man die Wahl deshalb nicht gerichtlich anfechten könne.
21. September 1987
Im Treibhausklima der Eissporthalle, wo bei Bierpreisen von 3,50 Mark für ein 0,3-Liter-Pils offensichtlich ein weiterer Versuch zur Sanierung der maroden Vereinskasse unternommen wurde, wucherten Hass, Wut und Gemeinheiten. Der Präsident Siebert ging mit der Opposition, angeführt von Rolf Rüßmann und dem Kandidaten Stuckmann, über Kreuz. Rüßmann fuhr schweres Geschütz gegen Siebert und Gefolge auf, während Ex-Vorsitzender Dr. Fenne in einer sachlichen Rechtfertigung um Fairneß bemühte und doch nur Hohn und Spott erntete. Bei der Veranstaltung drohte die „Ideologie Schalke“ zu einer Idiotie zu verkommen. Bierdeckel flogen durch die Halle, ein Nachwurf mit Stühlen schien zu folgen. Es war bereits 22.30 Uhr und es standen immer noch zwanzig Redner auf der Liste, als der damalige Bildungsminister Jürgen Möllemann das Wort ergriff und ein bisschen mehr Anstand, Achtung und Höflichkeit anmahnte: „Ich bin enttäuscht, wie hier seit zwei Stunden dreckige Wäsche gewaschen wird. Machen wir doch ein Ende mit dem Theater“.
Und wieder in die Zweite: 2. April 1988
Mit einer 1:8-Pleite beim FC Bayern beginnt eine Serie von acht Spielen ohne Sieg. Schalke steigt als Tabellenletzter der Bundesliga ab. Olaf Thon wechselt zum FC Bayern.
Der Drei-Tage-Präsident: 21. - 22. September 1988
Intrigen wurden gesponnen und zwei Tage später titelte die Bild-Zeitung: „Geheimagent als Präsident“. Zylka ein angeblicher Agent des Bundesnachrichtendienstes, der nun vielleicht sogar Schalke ausspioniert? Die wildesten Gerüchte kursierten.
Der Skandal war perfekt. Michael Zylka sah sich vermehrt Anfeindungen ausgeliefert, ein normales Arbeiten schien nicht mehr möglich zu sein. Zudem war die ganze Organisation auf Schalke ein einziges Chaos. Selbst der damalige DFB-Teamchef Franz Beckenbauer hatte in den Zeitungen verbreiten lassen, dass Schalke immer noch geführt werde wie vor dreißig Jahren.
Zylka schien überfordert. Mit so vielen Stöcken, die ihm in den Weg geworfen wurden, hatte er nicht gerechnet. So verabschiedete er sich nach drei Tagen wieder vom FC Schalke 04 und ging damit als der „Drei-Tage-Präsident“ in die Schalker Geschichtsbücher ein.
Der Sonnenkönig: Erst am 16. Januar 1989, ein gutes Vierteljahr nach dem Rücktritt von Zylka, kam es zur Wahlnacht. Es sollte den bis dato größten Wahlsieg geben, den Schalke erlebt hat. 83,9 Prozent der fast 1400 wählenden Mitglieder stimmten für Günter Eichberg. 132 Journalisten bedrängten ihn anschließend, als er die Sektkorken knallen ließ. Champagner für 106 Mark die Flasche wurde geköpft.
So kam es nach der Winterpause zum ersten Spiel unter Eichbergs Regentschaft - ausgerechnet bei Fortuna Düsseldorf, dem Verein, bei dem Eichberg zuvor versucht hatte, Einfluss zu gewinnen. Mit Fortuna-Präsident Förster war er per Du, der Fortuna hatte Eichberg zuvor drei Spieler finanziert und ein Trainingslager bezahlt.
Beim Spiel gegen die Fortunen pennte die gesamte Schalker Mannschaft. Didi Ferner kritisierte sein Team nach der 0:2-Niederlage ungewöhnlich scharf. Das Schalker Mittelfeld mit Anderbrügge, Goldbaek, Schlipper und Marell ging völlig unter. Nach der Niederlage lud Eichberg seine Truppe dennoch in die Düsseldorfer Altstadt an die längste Theke der Welt ein.
Die Talsohle: Es kam der absolute sportliche Tiefpunkt in der Schalker Vereinsgeschichte. Schalke verlor auch das Keller-Derby in Osnabrück mit 0:1 und rutschte in der 2. Liga auf den vorletzten Platz ab. Bis zum rettenden Ufer waren es schon vier Punkte Abstand, der Absturz zu den Amateuren stand kurz bevor. Nach dem Spiel erklärte Günter Eichberg: „Wir werden noch in dieser Woche über die Trainer-Frage beraten müssen.“
Morgens um sieben Uhr wurden die Spieler aus den Betten geklingelt: „Kommen Sie gleich ins Stadion. Da erfahren Sie alles weitere.“ Spieler Jörg Mielers war telefonisch nicht zu erreichen, er wurde sogar von zwei Polizeiwagen abgeholt und zum Berger Feld gebracht.
Den Spielern wurde mitgeteilt, dass ihr alter Trainer entlassen war, der neue zwar feststeht (Peter Neururer), der aber noch nicht kommen darf, weil Aachen die Freigabe verweigerte, so dass Eichberg flugs den ehemaligen Schalker Nationalspieler Helmut Kremers zum Manager und auch Interimstrainer ernannte.
Eurofighter: 21. Mai 1997
Der FC Schalke 04 gewinnt nach einem an Spannung nicht zu überbietenden Spiel gegen Inter Mailand erstmals den UEFA-Cup. Das Hinspiel am 7. Mai im Parkstadion endete mit einem 1:0-Sieg durch ein Tor von Marc Wilmots. Dank Ivan Zamoranos Tor kurz vor Schluß erreicht Inter im Rückspiel die Verlängerung. Das Elfmeterschießen endet mit 4:1 klar zu Schalker Gunsten. Ingo Anderbrügge, Martin Max, Olaf Thon und Marc Wilmots behalten vor 25.000 mitgereisten Schalker Fans im mit 81.675 Zuschauern ausverkauften Giuseppe-Meazza-Stadion die Nerven.
Schock und Jubel: 19. Mai 2001
Die achte deutsche Meisterschaft ist zum Greifen nah. Am letzten Spieltag besiegen die Knappen Unterhaching mit 5:3. Als HSV-Stürmer Barbarez in der 90. Minute das 1:0 gegen Bayern München erzielt, ist FC Schalke 04 Deutscher Meister. Erst eine umstrittene Freistoßentscheidung in der 94. Minute bringt den Bayern noch das 1:1 durch Patrick Andersson. Die Königsblauen müssen sich mit dem Titel „Meister der Herzen“ begnügen und ziehen als Tabellenzweiter erstmals in die Champions League ein.
26. Mai 2001
Eine Woche nach der Meisterschaftstragödie steht der FC Schalke 04 erstmals seit 1972 wieder in einem Finale um den DFB-Pokal. Gegen den Regionalligisten Union Berlin bringen zwei Tore von Jörg Böhme den 2:0-Sieg.

Die Zahlen: Schalke wurde
- 1 Mal UEFA-Cup-Sieger (1997)
- 7 Mal Deutscher Meister (1934, 1935, 1937, 1939, 1940, 1942 und 1958 )
- 6 Mal Vizemeister (1933, 1938, 1941, 1972, 1977 und 2001)
- 4 Mal Deutscher Pokalsieger (1937, 1972, 2001 und 2002)
- 6 Mal Pokal-Zweiter (1935, 1936, 1941, 1942, 1955 und 1969)
- 2 Mal Ligapokal-Zweiter (2001 und 2002)
Gegen Fortuna Düsseldorf gab es bislang insgesamt 45 Spiele, davon 20 Siege, 13 Unentschieden und 12 Niederlagen.
Gegen Union Berlin gab es bislang lediglich ein Spiel und das war das gewonnene Pokalfinale 2001.
Tipps:
Someg:
Fortuna Düsseldorf - FC Schalke 04 2:5
FC Schalke 04 - FC Union Berlin 4:4
Honcho:
Fortuna Düsseldorf - FC Schalke 04 1:5
FC Schalke 04 - FC Union Berlin 5:1
Snake:
Fortuna Düsseldorf - FC Schalke 04 1:3
FC Schalke 04 - FC Union Berlin 3:2 / 2:1
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Das viertletzte Bild...is datt ne Zeckenkirchener Tuckenkombo, oder watt? :-D Ein Bericht so ganz nach meinem Geschmack, der einen wieder daran erinnert, warum Schlacke eigentlich niemals hätte passieren dürfen. Schade nur, dass dieser Mithaufen in der VDFB einen so sympathischen Trainer hat. Kann man dem nicht mal ne anständige Truppe geben? Ich hätte sogar schon den einen oder anderen im Auge, der dann zu den Blauen passen würde ;-D
Karsten7281 · 27.10.2003 03:16 Uhr
dieser bericht macht mir schalke eigentlich recht symphatisch, menschlich, halbseiden... aber rolf rüssmann möchte ich nicht begegnen...dieses bild macht mir angst!*zitter*
honcho · 27.10.2003 07:44 Uhr
Die Tuckenkombo ist doch eigentlich auf dem drittletzten Bild*?* ;-) ... Man muss dazu sagen, dass Olli und ich noch mindestens die Hälfte der Skandale wegließen, da der Bericht ansonsten unlesbar lang geworden wäre. Allein die dutzende Präsidentenwechsel sind wirklich abstrus:-)
Someg · 27.10.2003 11:19 Uhr
Also Someg du hattest recht, nun kann ich mich echt mit dem Verein identifizieren:) Also ich muss sagen, mir ist der Bericht nciht zu lang, sonder voll und ganz nach meinem Geschmack und ich muss echt sagen Top!!!! Sowas hab ich schon lange nciht mehr gesehen, dass es für einen, bzw. 2 Spieltage solch einen Bericht gibt, also nochmals echt klasse Leute!!!
Anoibis · 27.10.2003 14:34 Uhr
was für ein bericht. unglaublich. dafür hast du dir einen oscar verdient.
chauffe · 30.10.2003 12:39 Uhr
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