Topspiel
15: How to become an Überraschungsmannschaft
04.09.2003
Karsten7281
Mit Sachsen Leipzig und Union Berlin treffen am 15. Spieltag in der Regionalliga Nord zwei Teams aufeinander, denen man ihre bisher erbrachten Leistungen nicht zugetraut hätte. Anlass genug, dem Phänomen "Überraschungsmannschaft" ein bisschen auf den Grund zu gehen.
Eine leise Vorahnung beschlich mich, als ich mich auf die Suche nach einem, nein, dem Topspiel des 15. Spieltages in der Regionalliga Nord machte. Um aus der Vorahnung Gewissheit oder zumindest guten Grund zu einer Annahme werden zu lassen, stellte ich mehreren Trainern [d]aus dem In- und Ausland[/d] aller Ligen die folgende Frage: "Was macht deiner Ansicht nach eine Überraschungsmannschaft aus?" Die Antworten stellten mich zufrieden, ja, sie sorgten für Wohlbehagen und Freude über meine hellseherischen Fähigkeiten, konnte ich mich doch zu einem erheblichen Teil mit ihren Inhalten einverstanden erklären. Allerdings wurde ich nicht auf Anhieb ganz auf die richtige Fährte gelenkt :D
So äußerte sich Toni von Ehr, Trainerkollege aus der Regionalliga Nord beim FC Schönberg 95, folgendermaßen: "Das ist eine gute Frage, die ich dir garnicht so genau beantworten kann, da ich so ein Team noch nie trainieren durfte...allerdings überrascht mich meine Mannschft ab und zu, wenn sie vor 3:00 Uhr aus der Kneipe kommt ;)"
Die einzige Frau im virtuell-deutschen Lizenzfußball, Alexandra Schaaf vom FC Augsburg, konnte da schon mit einer fundamental[d]istisch[/d]eren Erkenntnis aufwarten, die weniger indirekt in die von mir beabsichtigte Richtung abzielte: "Ein Team, das einige unerwartete Erfolge feiert."
Georg Weingarten vom 1. FC Köln ist sich sicher: "Eine Überraschungsmannschaft macht aus, dass sie die Öffentlichkeit durch ihr nicht erwartet starkes (oder evtl. auch schwaches) Auftreten überrascht!" Damit meint er wohl am allermeisten seine eigene Truppe. :))
Ein bisschen mehr auf die richtige Fährte brachte mich da schon der gute Kollege Chris Hauffe aus Oberhausen: "Ne Überraschungsmannschaft ist ein Team, dass entgegen allen Erwartungen Spiele gewinnt, mit denen man eigentlich gar nicht rechnen kann. Das beste Beispiel ist der WSV, der bereits neun Punkte auf der Habenseite hat. Noch deutlicher wird es bei Union Berlin. Mein Trainerkollege Oliver Esklavon hat hier unglaubliche Arbeit abgeliefert und steht völlig verdient an erster Stelle vor so stark eingeschätzten Teams wie Kiel, Uerdingen und Schalke. Auch Chemnitz ist für mich ein Überraschungsteam. Platz 5 hätte ich nicht erwartet. Ich hätte einen Mittelfeldplatz erwartet." Danke, Chris, aber ganz so genau wollte ich es gar nicht wissen.
Deswegen zu guter letzt auch noch die Einschätzung vom Branchen-Krösus a.D. Bayern-Trainer Matthias Bönisch doziert: "Wenn ein Trainer mit seinem Team unerwartet weit oben in der Tabelle zu finden ist. Derzeit wohl bestes Beispiel ist Union Berlin in der Regio Nord. Hätte ich nie soweit oben gesehen, hätte man mich vor der Saison gefragt. ;-)"
Endlich sagt es mal einer kurz und knapp aus dem Bauch raus! Union Berlin ist Tabellenführer und feierte einen unglaublichen Saison-"Start" mit neun (!) (in Zahlen: 9!) Siegen in Folge. Und gegen wen, meine Herren, meine Dame, spielt Union Berlin am 15. Spieltag? Richtig, gegen Sachsen Leipzig. Und warum wurde die Mannschaft von Florian Schmidt bislang noch nicht eines Wortes gewürdigt? Richtig, ich weiß es auch nicht. Denn bei jenen Trainern, die vor der Saison eine Prognose über die Abschlusstabelle wagten, stand sein Team in den besten Fällen einen Platz vor den Abstiegsrängen. Die Tipper hatten bestimmt nicht im Sinn, das die Sachsen nach einer grandiosen Hinserie einen Steilflug nach unten aufs Parkett legen würden. Und nach allem, was die befragten Kollegen und die Kollegin zu sagen hatten - vergessen wir mal den Typen aus Schönberg :)) - erfüllt der FC Sachsen Leipzig die Qualifikation zur Überraschungsmannschaft. Dass es auch gegen die Großen der Liga geht, hat Florian mit seiner Truppe bereits bewiesen. Ein 4:4 trotzten sie Hannover 96 ab, und den Chemnitzer FC fegte das Team gar mit Pauken und Trompeten und vor allen Dingen mit 5:1 aus dem eigenen Stadion. Somit wird das Spiel der beiden Teams gegeneinander zum Duell der Überraschungsmannschaften - ist damit auf jeden Fall eines Topspiels würdig! Dann kann der Bericht jetzt also anfangen :)
Sachsen Leipzig gegen Union Berlin - nicht nur Erinnerungen an seelige DDR-Oberliga-Zeiten werden bei den Chemie- und den Union-Fans wach. Nein, bei den Ligakonkurrenten stellt sich die Frage, wie man denn eigentlich zu einer solchen Überraschungsmannschaft wird. Was haben Florian und Oli, was alle anderen nicht haben? Sehen wir uns zunächst einmal den jungen Hüpfer von Sachsen Leipzig an.
Florian Schmidt
Florian wurde am Mittwoch, den 13. Januar 1988 um 7:00 Uhr in Jena geboren. Von seiner Geburt bis heute lebte er ununterbrochen in Kahla.
Hier besuchte er auch von 1990 bis 1993 den Kindergarten, von 1994 bis 1998 die Friedensschule und geht seit 1999 auf das Leuchtenburg-Gymnasium.
Sein größtes Hobby ist das Hören von Musik. Daneben unternimmt er gerne etwas mit Freunden, spielt Fußball und Gitarre. Weiterhin fährt er gerne Fahrrad, spielt natürlich Fifa, und surft allgemein gerne und viel im Internet.
Dinge, die ihn auch interessieren, wenn er selbst nicht aktiv daran beteiligt ist, sind Musik, Sport und Computer.
In die VDFB fand Florian, indem er bei Google den Text "Fifa 2002 Online Liga" eingab. Zunächst trainierte er 16 Monate lang die Amateure von Borussia Dortmund. Nach seinem Abstieg in der abgelaufenen Saison ist er nun verantwortlich für die Mannschaft von Sachsen Leipzig.
Sein Leben lebt er nach dem Motto "Ein Tag ohne Lächeln ist ein verlorener Tag". Im Fußball neigt er allerdings offenbar dazu, die Schuld bei anderen zu suchen. Seine Fußballphilosophie ist jedenfalls: "Ein guter Schiedsrichter ist mehr als nur eine Pfeife."
Oliver Esklavon
Oliver erblickte das Licht der Welt an einem Samstag, den 30. März 1974 in Aachen. Danach verbrachte er sein Leben in Herzogenrath-Kohlscheid, Herzogenrath, erneut Herzogenrath-Kohlscheid, Stolberg-Breinig und Stolberg-Zweifall.
Von 1978 bis 1980 besuchte er den Kindergarten Herzogenrath-Straß, dem er im direkten Anschluss vier Jahre an der Grundschule Herzogenrath-Straß folgen ließ. Nach drei Jahren am Staedtischen Gymnasium Herzogenrath wechselte Oli 1987 auf die Realschule Kohlscheid, wo er bis 1990 blieb. Es folgte eine dreijährige Ausbildung zum Bauzeichner und sammelte in seinem Ausbildungsbetrieb einige Jahre Berufserfahrung, unterbrochen durch den Zivildienst. Oli entschied sich letztendlich für ein Studium der Architektur, das von 1997 bis 1998 den erfolgreichen Besuch der Fachoberschule für Technik voraussetzte. Seitdem studiert er an der Fachhochschule Aachen und arbeitet in einer Nebentätigkeit beim Aachener Presseversand.
Der Papa zweier Kinder (oben mit Töchterchen Nele zu sehen) beschäftigt sich am allerliebsten mit seiner Familie. Nach langer Abstinenz fordert er sich selbst nun auch wieder beim Mountainbiking und spielt zur Zeit recht erfolgreich Fifa. Musik und Filme gehören darüber hinaus zu seinen Interessengebieten.
Fifa spielte er online zunächst in der NFML. Der VDFB schloss er sich im April 2000 an. Mit dieser Liga konnte einfach keine der anderen Ligen mithalten, sofern sie nicht ihre Pforten schlossen, wodurch Oli sich ausschließlich auf die VDFB konzentrieren konnte. Seine Dienste kamen eine Saison lang in der zweiten Liga dem FC St. Pauli zugute. In der zweiten Saison blieb Oli nur kurz beim SV Werder Bremen, da er die Möglichkeit erhielt, seinen persönlichen Lieblingsverein Alemannia Aachsen zu übernehmen. Mit den Westdeutschen wurde Oli Meister der Regionalliga und stieg auf. In der zweiten Liga erreichte er mit dem Team einen Mittelfeldplatz, ebenso, als er in der vierten Saison die Verantwortung für seinen jetzigen Verein Union Berlin übernahm.
Sein Lebensmotto ist denkbar einfach: "Wenn es regnet wird man nass." Auf ähnlicher Schiene fährt er auch in Sachen Fußball: "Der Ball ist rund, das Spiel dauert 90 minuten, nach dem Spiel ist vor dem Spiel, und das nächste Spiel ist immer das schwerste."
Entschuldigung, meine Herren, aber die Angewohnheit, auf Fotos irgendwas oder irgendwen auf dem Schoß liegen zu haben, kann ebenso wenig alles sein wie ein gemeinsames Interesse an der Musik. Das haben viele, und sie werden trotzdem nicht zur Überraschung der Saison. Auch im Kindergarten waren die meisten, und Fahrrad fährt der eine oder andere von uns doch auch. Nein, nein, das kann es nicht sein. Aber das NewsMag wäre nicht das NewsMag, wenn wir den beiden nicht doch auf die Schliche kommen würden. Deswegen habe ich beide Trainer auf eigene Kosten in unsere Redaktion zu einem Gespräch eingeladen.
NewsMag: Ihr beide geltet mit euren Teams als absolute Überraschungen dieser Saison. Wart oder seid ihr selbst überrascht ob der Leistung eurer Teams?
Oli: Überraschungsteam, wieso? Naja, im Ernst, gerechnet habe ich damit überhaupt nicht. Zumal ich jetzt auch nicht wie ein doofer ständig irgendwelche Spielzüge oder Standardsituationen geübt habe. Über Nacht stimmte auf einmal das Timing, was wie ich finde das wichtigste bei Fifa ist.
Flo: Als ich nach Leipzig kam, spürte ich sofort, dass eine gewisse Energie in diesem Team steckte. Ich habe mit ihnen dann eine sehr harte und schwere Vorbereitung durchgezogen, die sich sicher in den ersten Spielen überraschend ausgezahlt hat. Dieser Außenseitereffekt hat uns viele unerwartete Siege gebracht. Kurz gesagt: Ich denke, dass die Gegner mehr überrascht waren als wir.
NewsMag: Wie erklärt ihr euch derartige Leistungssteigerungen im Vergleich zur Vorsaison?
Flo: Wenn man als Trainer mit einem Verein, den man sehr lang schon kennt, absteigt, ist es schon sehr ärgerlich. Leider fehlte in der letzten Saison die Vorbereitung und Kondtion, was sehr entscheidend für den Abstieg war. Aus diesen Fehlern habe ich versucht zu lernen und eine intensive Vorbereitung gestartet, die wie schon erwähnt Früchte trug.
Oli: Wie schon oben erwähnt, gibt es keinen präzisen Grund für die Steigerung, vielleicht sind auch alle anderen etwas schlechter geworden. Am naheliegendsten erscheint mir jedoch, dass die Trainingsspiele gegen Someg dafür verantwortlich sein könnten.
NewsMag: Hattet ihr auch den Eindruck, dass ihr von einigen Gegnern unterschätzt wurdet?
Flo: Ich denke ja. Besonders am Anfang der Saison, wo wir den Ruf eines "Absteigers" hatten, hatte uns keiner auf der Liste. So konnten wir Teams wie Chemnitz, Cottbus und Hannover regelrecht überrennen. Aber nach nun bereits elf Spielen unterschätzt uns keiner mehr so leicht, und wir geraten oft in die Favoritenrolle, was uns, wie letzte Woche (1:2 gegen Wattenscheid, d.Red.), zum Verhängnis werden kann.
Oli: Ich denke dies eigentlich nicht, aber wenn es so war oder ist, okay, damit kann ich leben. Ich kann nur sagen das ich nie einen Gegner unterschätze, denn wer das tut, hat in meinen Augen schon verloren. Man muss ein Spiel von Anfang an mit voller Kraft spielen, um einen vielleicht scheinbar auf dem Papier unterlegenen Gegner nicht ins Spiel kommen zu lassen. Wenn man sein Spiel einmal schleifen lässt, kann sich das übel rächen und plötzlich kommt dann kein Pass mehr an etc... Oben genanntes heisst aber nicht zwangsläufig, dass man seinen Gegner in Grund und Boden schießen muss!
NewsMag: Welches war euer bislang schönstes Erlebnis in der Saison?
Flo: In dieser Saison konnte ich mich bis jetzt über jeden Sieg freuen. Besonders herausragend ist aber sicher der hohe Sieg gegen Chemnitz, den man nicht so schnell wieder vergessen wird ;). (Ja, da lacht er, der Sack, d.Red.)
Oli: Ich kann das an keinem Spiel festmachen. Insgesamt hat es mir diese Saison bislang in jedem Spiel sehr großen Spaß gemacht, was aber ausdrücklich nicht an den Siegen liegt. Ebenfalls macht es Spaß, sein Team kontinuierlich mit Hilfe des Transfermarktes zu verstärken. Man kann es aber auch anders ausdrücken... Es macht ganz einfach Spaß in der VDFB und im speziellen in der Mutter aller Ligen, der Regio Nord, zu kicken.
NewsMag: Gab es auch schon so etwas wie einen Tiefpunkt bei all den Höhen?
Oli: Den gab es sicherlich im Spiel gegen den FC Schalke 04, denn hier klappte es erstmals in der Saison nicht, die Feldüberlegenheit zu nutzen. Ob der Torwart so gut war oder meine Stürmer so schlecht, vermag ich nicht zu sagen. Aber wenn dann der erste und einzige Torschuss zum Gegentreffer führt, kann man das wohl als Tiefpunkt bezeichnen.
Flo: Den Tiefpunkt gab es erst letzte Woche, als wir gegen Wattenscheid verloren. Thorsten Gersdorf stand mit seiner Mannschaft eben in der schon benannten Außenseiterrolle, die mir dann zum Verhängnis wurde. Aber aus solchen Niederlagen lernt man eben auch. Man darf keinen Gegner unterschätzen.
NewsMag: Werdet ihr jetzt eure Ziele neu definieren, wenn ja, wie?
Flo: Am Anfang der Saison setzte ich mein persönliches Ziel auf Klassenerhalt. Nach der letzten Saison ist das eben das mindeste Ziel. Jedoch nach zehn Spieltagen und einer erfolgreichen Serie habe ich es auf einen einstelligen Platz hochgeschraubt. Ich hoffe mal, dass ich das einhalten kann.
Oli: Ich werde meine Ziele dahingehend korrigieren, dass ich nun einen Platz unter den ersten Fünf anstrebe. Der Aufstieg soll und darf zu diesem Zeitpunkt absolut kein Thema sein, denn Phrase hin Phrase her...die Saison ist noch lang.
NewsMag: Was erwartet ihr für einen Gegner, wenn ihr am 15. Spieltag aufeinander trefft?
Flo: Ich erwarte einen Aufstiegskandidaten, der sich von nichts aufhalten lassen will. Er wird sicher wie immer spielfreudig, ballstark und torgefährlich sein. Oliver Esklavon hat in 13 Spielen erst einen Punktverlust erlitten. Das ist eine unglaubliche Serie.
Oli: Ich erwarte wie in allen unseren Friendlies einen starken Gegner, der nach meiner Meinung die größte Leistungssteigerung in unserer Regio Nord an den Tag legen konnte. Die Partie wird offen und keinesfalls früh entschieden sein. Ich muss das wissen, denn wir haben schon öfters geneinander gespielt :)
NewsMag: Werdet ihr euch speziell auf dieses Spiel vorbereiten?
Flo: Oliver hat ein gutes Team, das zudem noch einmalig gut in dieser Liga spielen kann. Wenn er den Ball hat, wird es gefährlich. Um eine Überraschung zu landen, müssen wir konzentriert und ballsicher spielen und so wenig wie möglich die Berliner an den Ball lassen.
Oli: Meine ganz spezielle Vorbereitung auf dieses und alle momentan anstehenden Spiele lautet: Nicht mehr soviel spielen wie in den letzten drei Wochen. Vorher war es nur die VDFB, der ich mich widmen durfte, aber die Spiele außerhalb der VDFB haben mir gezeigt, dass Vielspielerei nicht zwangsläufig eine Verbesserung mit sich bringen muss. Momentan ist nämlich genau das Gegenteil der Fall.
Tja, was soll man dazu sagen. Zwei bescheidene, bodenständige Typen, die da mit ihren Überraschungsteams aufeinander treffen. Und keiner von ihnen konnte uns wirklich sagen, wie jeder von uns es auch schaffen kann. Deswegen konnte ich mich als Journalist aus Fleisch und Blut natürlich auch damit nicht zufrieden geben. Ich danke beiden Trainern dafür, meine kostbare Zeit verschwendet zu haben und begab mich nach Düsseldorf. An der Heinrich-Heine-Universität fand nämlich ein Vortrag zu genau meinem Thema statt, der von der guten Seele und dem heimlichen Ligaleiter der Regionalliga Nord gehalten wurde: Dr. Virgil Breetveld. Mit stürmischen Applaus wurde der Strippenzieher der Düsseldorfer Marionette Frank Götze begrüßt.
Ja danke. Immer wieder fragen Laien sich, weswegen die Psychologie solch einen Einfluss auf Profisportler und ihre Leistungen haben kann. Ehrlich gesagt verstehen das die meisten Profisportler selber nicht. Genau genommen weiß nicht mal zehn Prozent der Profisportler, wie man Psychologie schreibt und knapp fünf Prozent haben eine vage Ahnung, was man unter diesem Begriff zu verstehen haben könnte.
Dabei ist das im Prinzip ganz einfach. Der Körper ist wie eine große Maschine zu verstehen. Da gibt es unzählige Getrieberiemen, Zahnräder und -rädchen, Hebelarme und Schalter, die nur im perfekten Zusammenspiel die gewünschte Leistung erzielen. Versorgt mit Energie wird diese Maschine zwar von der aufgenommenen Nahrung und der Luft, gesteuert jedoch wird sie im Kopf.
Den Kopf eines Fußballspielers muss man sich nun leider wie ein Vogelhäuschen vorstellen. Tag ein Tag aus zwitschert es im Schädel, und die vielen kleinen Vögel wollen unbedingt versorgt sein, damit sie groß und stark werden. Wie wild fliegt alles Mögliche auf den wehrlosen Fußballerkopf ein, und meist kommt noch mehr hinaus. Vögel, später kleine Vögel, und eine Menge Vogelkot.
An Spielern wie Lothar Matthäus sieht man auch, dass je mehr Kot der Fußballer aus seinem Schädel zu bringen weiß, um so länger die Maschinerie seines Körpers einwandfrei funktioniert und zumindest in seinen Augen perfekte Leistung liefert. Fehler machen grundsätzlich die Anderen.
Doch was passiert denn eigentlich, wenn das Wetter kalt und nass ist, wenn der Trainer ständig mehr Einsatz fordert oder der Lieblingsitaliener die fantastischen Tortellini la caesare absetzt? Richtig, lange passiert erst einmal gar nichts, doch so langsam breitet sich die Erkenntnis über die Veränderung im kargen Bewusstsein unseres Sportrecken aus und übernimmt mit einem gewaltigen Anfall von Unzufriedenheit das Kommando in der Schaltzentrale.
Was jedoch geschieht, wenn die neue Freundin sich als Bombe in Herzensangelegenheiten entpuppt, der Verein noch eine Millionen mehr jeden Monat auf das Konto überweist oder Muttern Eintopf kocht wie Bertis Tante? Es füllt eine alles erfassende Freude den vielen Platz unter den Haaren, und mit einem Mal gelingt scheinbar unerklärbar alles besser.
Tritt dieser Effekt bei mehreren wenn nicht sogar allen Spielern einer Mannschaft auf, verdienen also entweder alle mehr, essen alle Tantes Eintopf oder sind zugange mit der gleichen Frau, kann eine Mannschaft über sich selber hinauswachsen. Dadurch essen sie noch lieber, verdienen noch mehr und sind noch aktiver mit der Frau. Zugegeben birgt besonders dritter Fall einige Risiken, vor allem wenn die Spieler merken, dass der Quelle ihrer Leistungssteigerung bei allen ein und die selbe Frau ist.
Ich weiß nicht genau, auf welche Schlüsselreize Union Berlin und Sachsen Leipzig gesetzt haben, doch hat es den Anschein, als würde der Ansporn bei Union Berlin länger anhalten, also kocht entweder die Tante sehr fleißig oder man investiert Unmengen oder die Frau ist... Bei Sachsen Leipzig ging in den letzten Spielen ein wenig die Luft aus, was jedoch nicht darüber hinwegtäuschen soll, dass die Tabellenposition nach der Hinrunde überraschend gut sein wird.
Union wird sich diese drei Punkte sicher holen. Ich denke, dass es auf ein Ergebnis von 5:0 hinaus laufen wird. Danke für ihre Aufmerksamkeit.
Na dann...prost Mahlzeit :))
Eine leise Vorahnung beschlich mich, als ich mich auf die Suche nach einem, nein, dem Topspiel des 15. Spieltages in der Regionalliga Nord machte. Um aus der Vorahnung Gewissheit oder zumindest guten Grund zu einer Annahme werden zu lassen, stellte ich mehreren Trainern [d]aus dem In- und Ausland[/d] aller Ligen die folgende Frage: "Was macht deiner Ansicht nach eine Überraschungsmannschaft aus?" Die Antworten stellten mich zufrieden, ja, sie sorgten für Wohlbehagen und Freude über meine hellseherischen Fähigkeiten, konnte ich mich doch zu einem erheblichen Teil mit ihren Inhalten einverstanden erklären. Allerdings wurde ich nicht auf Anhieb ganz auf die richtige Fährte gelenkt :D
So äußerte sich Toni von Ehr, Trainerkollege aus der Regionalliga Nord beim FC Schönberg 95, folgendermaßen: "Das ist eine gute Frage, die ich dir garnicht so genau beantworten kann, da ich so ein Team noch nie trainieren durfte...allerdings überrascht mich meine Mannschft ab und zu, wenn sie vor 3:00 Uhr aus der Kneipe kommt ;)"
Die einzige Frau im virtuell-deutschen Lizenzfußball, Alexandra Schaaf vom FC Augsburg, konnte da schon mit einer fundamental[d]istisch[/d]eren Erkenntnis aufwarten, die weniger indirekt in die von mir beabsichtigte Richtung abzielte: "Ein Team, das einige unerwartete Erfolge feiert."
Georg Weingarten vom 1. FC Köln ist sich sicher: "Eine Überraschungsmannschaft macht aus, dass sie die Öffentlichkeit durch ihr nicht erwartet starkes (oder evtl. auch schwaches) Auftreten überrascht!" Damit meint er wohl am allermeisten seine eigene Truppe. :))
Ein bisschen mehr auf die richtige Fährte brachte mich da schon der gute Kollege Chris Hauffe aus Oberhausen: "Ne Überraschungsmannschaft ist ein Team, dass entgegen allen Erwartungen Spiele gewinnt, mit denen man eigentlich gar nicht rechnen kann. Das beste Beispiel ist der WSV, der bereits neun Punkte auf der Habenseite hat. Noch deutlicher wird es bei Union Berlin. Mein Trainerkollege Oliver Esklavon hat hier unglaubliche Arbeit abgeliefert und steht völlig verdient an erster Stelle vor so stark eingeschätzten Teams wie Kiel, Uerdingen und Schalke. Auch Chemnitz ist für mich ein Überraschungsteam. Platz 5 hätte ich nicht erwartet. Ich hätte einen Mittelfeldplatz erwartet." Danke, Chris, aber ganz so genau wollte ich es gar nicht wissen.
Deswegen zu guter letzt auch noch die Einschätzung vom Branchen-Krösus a.D. Bayern-Trainer Matthias Bönisch doziert: "Wenn ein Trainer mit seinem Team unerwartet weit oben in der Tabelle zu finden ist. Derzeit wohl bestes Beispiel ist Union Berlin in der Regio Nord. Hätte ich nie soweit oben gesehen, hätte man mich vor der Saison gefragt. ;-)"
Endlich sagt es mal einer kurz und knapp aus dem Bauch raus! Union Berlin ist Tabellenführer und feierte einen unglaublichen Saison-"Start" mit neun (!) (in Zahlen: 9!) Siegen in Folge. Und gegen wen, meine Herren, meine Dame, spielt Union Berlin am 15. Spieltag? Richtig, gegen Sachsen Leipzig. Und warum wurde die Mannschaft von Florian Schmidt bislang noch nicht eines Wortes gewürdigt? Richtig, ich weiß es auch nicht. Denn bei jenen Trainern, die vor der Saison eine Prognose über die Abschlusstabelle wagten, stand sein Team in den besten Fällen einen Platz vor den Abstiegsrängen. Die Tipper hatten bestimmt nicht im Sinn, das die Sachsen nach einer grandiosen Hinserie einen Steilflug nach unten aufs Parkett legen würden. Und nach allem, was die befragten Kollegen und die Kollegin zu sagen hatten - vergessen wir mal den Typen aus Schönberg :)) - erfüllt der FC Sachsen Leipzig die Qualifikation zur Überraschungsmannschaft. Dass es auch gegen die Großen der Liga geht, hat Florian mit seiner Truppe bereits bewiesen. Ein 4:4 trotzten sie Hannover 96 ab, und den Chemnitzer FC fegte das Team gar mit Pauken und Trompeten und vor allen Dingen mit 5:1 aus dem eigenen Stadion. Somit wird das Spiel der beiden Teams gegeneinander zum Duell der Überraschungsmannschaften - ist damit auf jeden Fall eines Topspiels würdig! Dann kann der Bericht jetzt also anfangen :)
Sachsen Leipzig gegen Union Berlin - nicht nur Erinnerungen an seelige DDR-Oberliga-Zeiten werden bei den Chemie- und den Union-Fans wach. Nein, bei den Ligakonkurrenten stellt sich die Frage, wie man denn eigentlich zu einer solchen Überraschungsmannschaft wird. Was haben Florian und Oli, was alle anderen nicht haben? Sehen wir uns zunächst einmal den jungen Hüpfer von Sachsen Leipzig an.
Florian Schmidt
Florian wurde am Mittwoch, den 13. Januar 1988 um 7:00 Uhr in Jena geboren. Von seiner Geburt bis heute lebte er ununterbrochen in Kahla.
Hier besuchte er auch von 1990 bis 1993 den Kindergarten, von 1994 bis 1998 die Friedensschule und geht seit 1999 auf das Leuchtenburg-Gymnasium.
Sein größtes Hobby ist das Hören von Musik. Daneben unternimmt er gerne etwas mit Freunden, spielt Fußball und Gitarre. Weiterhin fährt er gerne Fahrrad, spielt natürlich Fifa, und surft allgemein gerne und viel im Internet.
Dinge, die ihn auch interessieren, wenn er selbst nicht aktiv daran beteiligt ist, sind Musik, Sport und Computer.
In die VDFB fand Florian, indem er bei Google den Text "Fifa 2002 Online Liga" eingab. Zunächst trainierte er 16 Monate lang die Amateure von Borussia Dortmund. Nach seinem Abstieg in der abgelaufenen Saison ist er nun verantwortlich für die Mannschaft von Sachsen Leipzig.
Sein Leben lebt er nach dem Motto "Ein Tag ohne Lächeln ist ein verlorener Tag". Im Fußball neigt er allerdings offenbar dazu, die Schuld bei anderen zu suchen. Seine Fußballphilosophie ist jedenfalls: "Ein guter Schiedsrichter ist mehr als nur eine Pfeife."
Oliver Esklavon
Oliver erblickte das Licht der Welt an einem Samstag, den 30. März 1974 in Aachen. Danach verbrachte er sein Leben in Herzogenrath-Kohlscheid, Herzogenrath, erneut Herzogenrath-Kohlscheid, Stolberg-Breinig und Stolberg-Zweifall.
Von 1978 bis 1980 besuchte er den Kindergarten Herzogenrath-Straß, dem er im direkten Anschluss vier Jahre an der Grundschule Herzogenrath-Straß folgen ließ. Nach drei Jahren am Staedtischen Gymnasium Herzogenrath wechselte Oli 1987 auf die Realschule Kohlscheid, wo er bis 1990 blieb. Es folgte eine dreijährige Ausbildung zum Bauzeichner und sammelte in seinem Ausbildungsbetrieb einige Jahre Berufserfahrung, unterbrochen durch den Zivildienst. Oli entschied sich letztendlich für ein Studium der Architektur, das von 1997 bis 1998 den erfolgreichen Besuch der Fachoberschule für Technik voraussetzte. Seitdem studiert er an der Fachhochschule Aachen und arbeitet in einer Nebentätigkeit beim Aachener Presseversand.
Der Papa zweier Kinder (oben mit Töchterchen Nele zu sehen) beschäftigt sich am allerliebsten mit seiner Familie. Nach langer Abstinenz fordert er sich selbst nun auch wieder beim Mountainbiking und spielt zur Zeit recht erfolgreich Fifa. Musik und Filme gehören darüber hinaus zu seinen Interessengebieten.
Fifa spielte er online zunächst in der NFML. Der VDFB schloss er sich im April 2000 an. Mit dieser Liga konnte einfach keine der anderen Ligen mithalten, sofern sie nicht ihre Pforten schlossen, wodurch Oli sich ausschließlich auf die VDFB konzentrieren konnte. Seine Dienste kamen eine Saison lang in der zweiten Liga dem FC St. Pauli zugute. In der zweiten Saison blieb Oli nur kurz beim SV Werder Bremen, da er die Möglichkeit erhielt, seinen persönlichen Lieblingsverein Alemannia Aachsen zu übernehmen. Mit den Westdeutschen wurde Oli Meister der Regionalliga und stieg auf. In der zweiten Liga erreichte er mit dem Team einen Mittelfeldplatz, ebenso, als er in der vierten Saison die Verantwortung für seinen jetzigen Verein Union Berlin übernahm.
Sein Lebensmotto ist denkbar einfach: "Wenn es regnet wird man nass." Auf ähnlicher Schiene fährt er auch in Sachen Fußball: "Der Ball ist rund, das Spiel dauert 90 minuten, nach dem Spiel ist vor dem Spiel, und das nächste Spiel ist immer das schwerste."
Entschuldigung, meine Herren, aber die Angewohnheit, auf Fotos irgendwas oder irgendwen auf dem Schoß liegen zu haben, kann ebenso wenig alles sein wie ein gemeinsames Interesse an der Musik. Das haben viele, und sie werden trotzdem nicht zur Überraschung der Saison. Auch im Kindergarten waren die meisten, und Fahrrad fährt der eine oder andere von uns doch auch. Nein, nein, das kann es nicht sein. Aber das NewsMag wäre nicht das NewsMag, wenn wir den beiden nicht doch auf die Schliche kommen würden. Deswegen habe ich beide Trainer auf eigene Kosten in unsere Redaktion zu einem Gespräch eingeladen.
NewsMag: Ihr beide geltet mit euren Teams als absolute Überraschungen dieser Saison. Wart oder seid ihr selbst überrascht ob der Leistung eurer Teams?
Oli: Überraschungsteam, wieso? Naja, im Ernst, gerechnet habe ich damit überhaupt nicht. Zumal ich jetzt auch nicht wie ein doofer ständig irgendwelche Spielzüge oder Standardsituationen geübt habe. Über Nacht stimmte auf einmal das Timing, was wie ich finde das wichtigste bei Fifa ist.
Flo: Als ich nach Leipzig kam, spürte ich sofort, dass eine gewisse Energie in diesem Team steckte. Ich habe mit ihnen dann eine sehr harte und schwere Vorbereitung durchgezogen, die sich sicher in den ersten Spielen überraschend ausgezahlt hat. Dieser Außenseitereffekt hat uns viele unerwartete Siege gebracht. Kurz gesagt: Ich denke, dass die Gegner mehr überrascht waren als wir.
NewsMag: Wie erklärt ihr euch derartige Leistungssteigerungen im Vergleich zur Vorsaison?
Flo: Wenn man als Trainer mit einem Verein, den man sehr lang schon kennt, absteigt, ist es schon sehr ärgerlich. Leider fehlte in der letzten Saison die Vorbereitung und Kondtion, was sehr entscheidend für den Abstieg war. Aus diesen Fehlern habe ich versucht zu lernen und eine intensive Vorbereitung gestartet, die wie schon erwähnt Früchte trug.
Oli: Wie schon oben erwähnt, gibt es keinen präzisen Grund für die Steigerung, vielleicht sind auch alle anderen etwas schlechter geworden. Am naheliegendsten erscheint mir jedoch, dass die Trainingsspiele gegen Someg dafür verantwortlich sein könnten.
NewsMag: Hattet ihr auch den Eindruck, dass ihr von einigen Gegnern unterschätzt wurdet?
Flo: Ich denke ja. Besonders am Anfang der Saison, wo wir den Ruf eines "Absteigers" hatten, hatte uns keiner auf der Liste. So konnten wir Teams wie Chemnitz, Cottbus und Hannover regelrecht überrennen. Aber nach nun bereits elf Spielen unterschätzt uns keiner mehr so leicht, und wir geraten oft in die Favoritenrolle, was uns, wie letzte Woche (1:2 gegen Wattenscheid, d.Red.), zum Verhängnis werden kann.
Oli: Ich denke dies eigentlich nicht, aber wenn es so war oder ist, okay, damit kann ich leben. Ich kann nur sagen das ich nie einen Gegner unterschätze, denn wer das tut, hat in meinen Augen schon verloren. Man muss ein Spiel von Anfang an mit voller Kraft spielen, um einen vielleicht scheinbar auf dem Papier unterlegenen Gegner nicht ins Spiel kommen zu lassen. Wenn man sein Spiel einmal schleifen lässt, kann sich das übel rächen und plötzlich kommt dann kein Pass mehr an etc... Oben genanntes heisst aber nicht zwangsläufig, dass man seinen Gegner in Grund und Boden schießen muss!
NewsMag: Welches war euer bislang schönstes Erlebnis in der Saison?
Flo: In dieser Saison konnte ich mich bis jetzt über jeden Sieg freuen. Besonders herausragend ist aber sicher der hohe Sieg gegen Chemnitz, den man nicht so schnell wieder vergessen wird ;). (Ja, da lacht er, der Sack, d.Red.)
Oli: Ich kann das an keinem Spiel festmachen. Insgesamt hat es mir diese Saison bislang in jedem Spiel sehr großen Spaß gemacht, was aber ausdrücklich nicht an den Siegen liegt. Ebenfalls macht es Spaß, sein Team kontinuierlich mit Hilfe des Transfermarktes zu verstärken. Man kann es aber auch anders ausdrücken... Es macht ganz einfach Spaß in der VDFB und im speziellen in der Mutter aller Ligen, der Regio Nord, zu kicken.
NewsMag: Gab es auch schon so etwas wie einen Tiefpunkt bei all den Höhen?
Oli: Den gab es sicherlich im Spiel gegen den FC Schalke 04, denn hier klappte es erstmals in der Saison nicht, die Feldüberlegenheit zu nutzen. Ob der Torwart so gut war oder meine Stürmer so schlecht, vermag ich nicht zu sagen. Aber wenn dann der erste und einzige Torschuss zum Gegentreffer führt, kann man das wohl als Tiefpunkt bezeichnen.
Flo: Den Tiefpunkt gab es erst letzte Woche, als wir gegen Wattenscheid verloren. Thorsten Gersdorf stand mit seiner Mannschaft eben in der schon benannten Außenseiterrolle, die mir dann zum Verhängnis wurde. Aber aus solchen Niederlagen lernt man eben auch. Man darf keinen Gegner unterschätzen.
NewsMag: Werdet ihr jetzt eure Ziele neu definieren, wenn ja, wie?
Flo: Am Anfang der Saison setzte ich mein persönliches Ziel auf Klassenerhalt. Nach der letzten Saison ist das eben das mindeste Ziel. Jedoch nach zehn Spieltagen und einer erfolgreichen Serie habe ich es auf einen einstelligen Platz hochgeschraubt. Ich hoffe mal, dass ich das einhalten kann.
Oli: Ich werde meine Ziele dahingehend korrigieren, dass ich nun einen Platz unter den ersten Fünf anstrebe. Der Aufstieg soll und darf zu diesem Zeitpunkt absolut kein Thema sein, denn Phrase hin Phrase her...die Saison ist noch lang.
NewsMag: Was erwartet ihr für einen Gegner, wenn ihr am 15. Spieltag aufeinander trefft?
Flo: Ich erwarte einen Aufstiegskandidaten, der sich von nichts aufhalten lassen will. Er wird sicher wie immer spielfreudig, ballstark und torgefährlich sein. Oliver Esklavon hat in 13 Spielen erst einen Punktverlust erlitten. Das ist eine unglaubliche Serie.
Oli: Ich erwarte wie in allen unseren Friendlies einen starken Gegner, der nach meiner Meinung die größte Leistungssteigerung in unserer Regio Nord an den Tag legen konnte. Die Partie wird offen und keinesfalls früh entschieden sein. Ich muss das wissen, denn wir haben schon öfters geneinander gespielt :)
NewsMag: Werdet ihr euch speziell auf dieses Spiel vorbereiten?
Flo: Oliver hat ein gutes Team, das zudem noch einmalig gut in dieser Liga spielen kann. Wenn er den Ball hat, wird es gefährlich. Um eine Überraschung zu landen, müssen wir konzentriert und ballsicher spielen und so wenig wie möglich die Berliner an den Ball lassen.
Oli: Meine ganz spezielle Vorbereitung auf dieses und alle momentan anstehenden Spiele lautet: Nicht mehr soviel spielen wie in den letzten drei Wochen. Vorher war es nur die VDFB, der ich mich widmen durfte, aber die Spiele außerhalb der VDFB haben mir gezeigt, dass Vielspielerei nicht zwangsläufig eine Verbesserung mit sich bringen muss. Momentan ist nämlich genau das Gegenteil der Fall.
Tja, was soll man dazu sagen. Zwei bescheidene, bodenständige Typen, die da mit ihren Überraschungsteams aufeinander treffen. Und keiner von ihnen konnte uns wirklich sagen, wie jeder von uns es auch schaffen kann. Deswegen konnte ich mich als Journalist aus Fleisch und Blut natürlich auch damit nicht zufrieden geben. Ich danke beiden Trainern dafür, meine kostbare Zeit verschwendet zu haben und begab mich nach Düsseldorf. An der Heinrich-Heine-Universität fand nämlich ein Vortrag zu genau meinem Thema statt, der von der guten Seele und dem heimlichen Ligaleiter der Regionalliga Nord gehalten wurde: Dr. Virgil Breetveld. Mit stürmischen Applaus wurde der Strippenzieher der Düsseldorfer Marionette Frank Götze begrüßt.
Ja danke. Immer wieder fragen Laien sich, weswegen die Psychologie solch einen Einfluss auf Profisportler und ihre Leistungen haben kann. Ehrlich gesagt verstehen das die meisten Profisportler selber nicht. Genau genommen weiß nicht mal zehn Prozent der Profisportler, wie man Psychologie schreibt und knapp fünf Prozent haben eine vage Ahnung, was man unter diesem Begriff zu verstehen haben könnte.
Dabei ist das im Prinzip ganz einfach. Der Körper ist wie eine große Maschine zu verstehen. Da gibt es unzählige Getrieberiemen, Zahnräder und -rädchen, Hebelarme und Schalter, die nur im perfekten Zusammenspiel die gewünschte Leistung erzielen. Versorgt mit Energie wird diese Maschine zwar von der aufgenommenen Nahrung und der Luft, gesteuert jedoch wird sie im Kopf.
Den Kopf eines Fußballspielers muss man sich nun leider wie ein Vogelhäuschen vorstellen. Tag ein Tag aus zwitschert es im Schädel, und die vielen kleinen Vögel wollen unbedingt versorgt sein, damit sie groß und stark werden. Wie wild fliegt alles Mögliche auf den wehrlosen Fußballerkopf ein, und meist kommt noch mehr hinaus. Vögel, später kleine Vögel, und eine Menge Vogelkot.
An Spielern wie Lothar Matthäus sieht man auch, dass je mehr Kot der Fußballer aus seinem Schädel zu bringen weiß, um so länger die Maschinerie seines Körpers einwandfrei funktioniert und zumindest in seinen Augen perfekte Leistung liefert. Fehler machen grundsätzlich die Anderen.
Doch was passiert denn eigentlich, wenn das Wetter kalt und nass ist, wenn der Trainer ständig mehr Einsatz fordert oder der Lieblingsitaliener die fantastischen Tortellini la caesare absetzt? Richtig, lange passiert erst einmal gar nichts, doch so langsam breitet sich die Erkenntnis über die Veränderung im kargen Bewusstsein unseres Sportrecken aus und übernimmt mit einem gewaltigen Anfall von Unzufriedenheit das Kommando in der Schaltzentrale.
Was jedoch geschieht, wenn die neue Freundin sich als Bombe in Herzensangelegenheiten entpuppt, der Verein noch eine Millionen mehr jeden Monat auf das Konto überweist oder Muttern Eintopf kocht wie Bertis Tante? Es füllt eine alles erfassende Freude den vielen Platz unter den Haaren, und mit einem Mal gelingt scheinbar unerklärbar alles besser.
Tritt dieser Effekt bei mehreren wenn nicht sogar allen Spielern einer Mannschaft auf, verdienen also entweder alle mehr, essen alle Tantes Eintopf oder sind zugange mit der gleichen Frau, kann eine Mannschaft über sich selber hinauswachsen. Dadurch essen sie noch lieber, verdienen noch mehr und sind noch aktiver mit der Frau. Zugegeben birgt besonders dritter Fall einige Risiken, vor allem wenn die Spieler merken, dass der Quelle ihrer Leistungssteigerung bei allen ein und die selbe Frau ist.
Ich weiß nicht genau, auf welche Schlüsselreize Union Berlin und Sachsen Leipzig gesetzt haben, doch hat es den Anschein, als würde der Ansporn bei Union Berlin länger anhalten, also kocht entweder die Tante sehr fleißig oder man investiert Unmengen oder die Frau ist... Bei Sachsen Leipzig ging in den letzten Spielen ein wenig die Luft aus, was jedoch nicht darüber hinwegtäuschen soll, dass die Tabellenposition nach der Hinrunde überraschend gut sein wird.
Union wird sich diese drei Punkte sicher holen. Ich denke, dass es auf ein Ergebnis von 5:0 hinaus laufen wird. Danke für ihre Aufmerksamkeit.
Na dann...prost Mahlzeit :)) Kommentare (9)
Hammer.Einfach perfekt.So ein geiler Bericht.RIESENLOB KARSTEN :))
Florixx · 08.09.2003 00:12 Uhr
Wo steht die Nummer der Kreditkarten??? ;-) Habe mich ueber den umfangreichen Bericht koestlich amuesiert:-)
Someg · 08.09.2003 01:49 Uhr
flo is für mich keine überraschung das er gut mitspielt. er hat schon vor ner weile mal gut gespielt und ist nur durch ne länge pause!? aus dem tritt gekommen. Mir war klar das er nicht mehr ganz unten mitspielen wird :-)
Moskito · 08.09.2003 10:11 Uhr
Goiler Bericht!!!! Hab hier mächtig die Zähnchen in die Sonne gehalten! :o)
Schnabel · 08.09.2003 15:01 Uhr
da kann man einfach nur sagen: "dieser bericht ist nicht mehr zu toppen oder???"
chauffe · 08.09.2003 19:26 Uhr
Danke für die Blumen allerseits...und Chris...aber den Versuch ist es wert ;-)
Karsten7281 · 08.09.2003 19:35 Uhr
Hab Bericht eben mit Spannung gelesen und muss sagen "einfach nur geil"! Hoffe, dass wir weiterhin so geile Berichte von dir zu lesen bekommen, Karsten! ;-)
Spawwn · 08.09.2003 19:41 Uhr
Moooment, NICHT nur von MIR! Ich bin ja nur der Chef dieser Abteilung in der Regio Nord :-D, aber wir haben einen festen Stamm von leidenschaftlichen Schreibern, die alle ganz wunderbare Berichte abliefern. Deswegen teile ich gerne die Lobeshymnen auch unter allen anderen auf :-)
Karsten7281 · 09.09.2003 12:22 Uhr
echt toller Bericht!
Dees · 14.09.2003 19:34 Uhr
Einloggen, um mitzureden.