
Der Kiezkurier
Der FC St. Pauli hat einen neuen Trainer. Kaltxer übernimmt den Verein nach dem Abstieg und steht damit vor einer der spannendsten Aufgaben seiner bisherigen Laufbahn.
Der neue Cheftrainer über seine besondere Verbindung zum Verein, seine Zeit bei Preußen Münster, die Rettung von Ingolstadt und seine Pläne für die Zukunft
Für ihn ist es allerdings mehr als nur der nächste Schritt auf der Trainerkarriere.
Kaltxer ist St.-Pauli-Fan.
Dass er nun selbst auf der Trainerbank am Millerntor Platz nehmen darf, macht seine neue Aufgabe zu einer ganz besonderen. Während andere Trainer vielleicht von einer weiteren Station sprechen würden, geht es für Kaltxer um seinen eigenen Verein.
„Ich bin St.-Pauli-Fan. Deshalb ist das für mich natürlich etwas ganz Besonderes. Trotzdem muss ich jetzt Trainer sein und professionelle Entscheidungen treffen. Am Ende zählt auf dem Platz nicht, wie sehr man den Verein liebt, sondern was man mit der Mannschaft erreicht“, sagt der neue Coach.
Die ersten großen Schritte in Münster
Ein wichtiger Teil seiner Trainerkarriere begann bei Preußen Münster.
Münster war für Kaltxer mehr als eine Zwischenstation. Über einen längeren Zeitraum entwickelte er dort eine Mannschaft, die sich unter seiner Führung immer weiterentwickelte. Insgesamt stand er in 67 Spielen an der Seitenlinie. Dabei gelangen 39 Siege und 14 Unentschieden bei lediglich 14 Niederlagen.
Vor allem aber gelang ihm dort das, woran sich eine Trainerkarriere besonders messen lässt:
der Aufstieg.
Kaltxer führte Preußen Münster nach oben und legte damit den Grundstein für seinen weiteren Weg. Dabei ging es nicht darum, kurzfristig ein paar gute Ergebnisse einzufahren. Vielmehr entstand über die Zeit eine Mannschaft, die immer stärker wurde und schließlich den entscheidenden Schritt nach oben machen konnte.
Diese Erfahrung prägt Kaltxer bis heute.
„Münster war für mich eine sehr wichtige Zeit. Dort habe ich gelernt, wie wichtig es ist, eine Mannschaft nicht nur kurzfristig erfolgreich zu machen, sondern sie wirklich zu entwickeln. Der Aufstieg war natürlich das Highlight. Wenn du mit einer Mannschaft über längere Zeit arbeitest und am Ende gemeinsam dieses Ziel erreichst, bleibt das hängen.“
Nach Münster folgte mit Ingolstadt schließlich eine völlig andere Herausforderung.
Von sieben Punkten zur Rettung
Als Kaltxer den FC Ingolstadt übernahm, war die Situation dramatisch.
Nach 22 Spieltagen standen gerade einmal sieben Punkte auf dem Konto. Der Verein befand sich tief im Abstiegskampf, die Ausgangslage war denkbar schlecht.
Doch Kaltxer nahm die Herausforderung an.
Statt sich von der Tabellensituation entmutigen zu lassen, sollte die Mannschaft Schritt für Schritt wieder Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten bekommen. Aus einer scheinbar aussichtslosen Situation wurde eine Aufholjagd.
Am Ende stand der Klassenerhalt.
Für Kaltxer war es damit bereits die zweite völlig unterschiedliche Erfahrung, die für seine heutige Philosophie wichtig ist: In Münster lernte er, wie man etwas aufbaut. In Ingolstadt musste er zeigen, dass er auch in einer Krise Ruhe bewahren und eine Mannschaft zurück in die Spur bringen kann.
Genau diese Kombination möchte er nun nach Hamburg mitbringen.
Die kurzfristigen Ziele: Erst einmal Stabilität
Nach dem Abstieg will Kaltxer beim FC St. Pauli bewusst nicht sofort mit großen Versprechungen um sich werfen.
Sein erstes Ziel lautet:
Stabilität.
„Wir müssen nach diesem Abstieg zunächst einmal wieder Stabilität in den Verein bekommen. Es bringt nichts, wenn wir direkt von irgendwelchen großen Zielen sprechen und dabei die Grundlagen vergessen.“
Dazu gehört für ihn vor allem auch eine Veränderung des Kaders.
Der Kader soll verkleinert und finanziell entlastet werden. Kaltxer möchte nicht einfach möglichst viele Spieler unter Vertrag haben, sondern einen Kader, der sportlich sinnvoll zusammengestellt ist und gleichzeitig wirtschaftlich zum Verein passt.
„Wir müssen uns ehrlich anschauen, welche Spieler wir brauchen, welche Rollen wir besetzen müssen und wo wir vielleicht Kosten reduzieren können. Ein kleinerer, gut zusammengestellter Kader kann manchmal mehr bewirken als ein großer Kader ohne klare Struktur.“
Seine kurzfristigen Ziele sind deshalb klar:
Den Verein nach dem Abstieg sportlich stabilisieren.
Den Kader verkleinern und die Kosten reduzieren.
Eine klare Mannschaftsstruktur schaffen.
Junge und entwicklungsfähige Spieler stärker einbinden.
Eine Mannschaft aufbauen, die wieder konstant konkurrenzfähig ist.
Ruhe in den Verein bringen und eine Grundlage für die kommenden Jahre schaffen.
Dabei will Kaltxer bewusst keinen unnötigen Druck erzeugen.
Der FC St. Pauli soll nicht innerhalb weniger Monate auf Biegen und Brechen wieder irgendwohin gebracht werden. Vielmehr soll zunächst ein Fundament entstehen, auf dem später größere Ziele aufgebaut werden können.
Die langfristige Vision: St. Pauli in die Top 10
Bei den langfristigen Zielen wird Kaltxer allerdings deutlich ambitionierter.
Seine Vision ist klar:
Der FC St. Pauli soll langfristig zu den Top 10 des VDFB gehören.
„Das ist mein langfristiges Ziel. Ich möchte nicht, dass St. Pauli irgendwann einmal zufällig eine gute Saison spielt und dann wieder verschwindet. Ich möchte, dass wir uns dauerhaft oben etablieren.“
Dafür brauche es laut Kaltxer allerdings Zeit.
Sportlicher Erfolg, wirtschaftliche Stabilität und eine funktionierende Vereinsstruktur müssten zusammenkommen. Der Verein müsse sich kontinuierlich weiterentwickeln und dürfe dabei nicht versuchen, mehrere Schritte gleichzeitig zu überspringen.
Eine besondere Rolle spielt dabei auch das Millerntor.
Ein größeres Millerntor als langfristiges Ziel
Kaltxer denkt nicht nur sportlich.
Langfristig soll auch das Stadion ausgebaut werden.
Mehr Zuschauer, höhere Einnahmen und bessere Voraussetzungen für den Verein sollen dabei helfen, St. Pauli dauerhaft auf ein höheres Niveau zu bringen.
„Ein Stadionausbau ist natürlich kein kurzfristiges Thema. Aber wenn wir irgendwann zu den Top 10 gehören wollen, muss auch unsere Infrastruktur mitwachsen. Das Millerntor soll langfristig größer werden. Mehr Fans, mehr Einnahmen und dadurch auch mehr Möglichkeiten für den Verein.“
Damit zeichnet Kaltxer ein langfristiges Bild, das weit über seine erste Saison hinausgeht.
Der Weg dorthin soll aus mehreren Etappen bestehen.
Kurzfristig: Stabilität nach dem Abstieg.
Mittelfristig: Einen gesunden und konkurrenzfähigen Kader aufbauen.
Langfristig: St. Pauli dauerhaft unter den Top 10 etablieren und das Millerntor ausbauen.
„Ich möchte meinen Verein weiterentwickeln“
Die besondere Verbindung zwischen Trainer und Verein macht die Aufgabe dabei noch emotionaler.
Kaltxer kommt nicht als Außenstehender nach Hamburg. Er kommt als jemand, der St. Pauli bereits vor seiner Amtszeit begleitet hat.
„Natürlich werde ich als Fan andere Emotionen haben als jemand, der einfach zu einem neuen Arbeitgeber kommt. Aber genau deshalb weiß ich auch, dass ich professionell bleiben muss. Ich möchte Entscheidungen treffen, die gut für den Verein sind – auch wenn sie manchmal unangenehm sind.“
Sein Anspruch ist deshalb nicht, möglichst schnell große Schlagzeilen zu produzieren.
Er möchte etwas aufbauen.
Nach dem Abstieg soll St. Pauli zunächst wieder Stabilität gewinnen. Der Kader soll wirtschaftlich sinnvoller aufgestellt werden. Danach soll Schritt für Schritt eine Mannschaft entstehen, die wieder höhere Ansprüche stellen kann.
Und irgendwann soll am Millerntor nicht mehr über den Wiederaufstieg gesprochen werden.
Sondern über Europa? Über die Top 10? Über die Entwicklung des gesamten Vereins?
Kaltxer hat seine langfristige Antwort bereits gegeben.
Er will St. Pauli dauerhaft nach oben führen.
Vom Aufstieg mit Preußen Münster über die Rettung von Ingolstadt bis zur wohl persönlichsten Aufgabe seiner bisherigen Trainerkarriere.
Jetzt beginnt für Kaltxer das Kapitel, das ihm am meisten bedeutet.
Er trainiert seinen eigenen Verein.
FORZA ST.PAULI