2. Liga · 16. Spieltag
08.06.2026- Groß 1
- Silva 1
- Grodowski 1
- Honsak 2
- Krauß 1
- Lebeau 1
- Dietze 1
Was für ein wilder Ritt in der Domstadt! Wer am Samstagnachmittag ein taktisch diszipliniertes Geplänkel im Rhein-Energie-Stadion erwartet hatte, wurde im Stile eines echten Pokal-Thrillers eines Besseren belehrt. Der F.C. Hansa Rostock entführte nach einer spektakulären Aufholjagd ein verdientes 5:3 (1:2) aus Köln. Dabei bewiesen die Mecklenburger nach einem heftigen Zwischentief Nehmerqualitäten und überrollten die Geißböcke im zweiten Durchgang mit einer Zielstrebigkeit, die dem Kölner Party-Express jäh den Stecker zog.
Die Partie atmete von Beginn an pure Dynamik. Keine drei Minuten waren auf der Uhr, da zappelte das Leder bereits im Kölner Netz: Mathias Honsak (3.) schockte die Hausherren mit der blitzschnellen Rostocker Führung. Hansa blieb am Drücker, dominierte das Mittelfeld und zog ein gefälliges Kombinationsspiel auf. Doch Köln zeigte sich unbeeindruckt und verlegte sich auf das, was sie an diesem Tag meisterhaft beherrschten: brandgefährliche Konter. Grodowski (26.) und Silva (36.) stellten den Spielverlauf per Doppelschlag komplett auf den Kopf. Zu diesem Zeitpunkt schmeichelte die Führung den Kölnern nicht einmal – wer die Rostocker Lücken derart gnadenlos bespielte, hätte vor dem Pausentee sogar noch den einen oder anderen Treffer mehr nachlegen können.
Als Groß (50.) kurz nach dem Seitenwechsel sogar auf 3:1 für den FC erhöhte, schien der Kölner Karneval perfekt. Doch ab diesem Moment besann sich die Kogge auf ihre ureigenen Tugenden. Hansa agierte fortan wesentlich geradliniger, galliger und schnürte die Kölner zunehmend in deren eigener Hälfte ein. Angetrieben vom überragenden Spieler des Spiels, Benno Dietze (Note 9,2), blies der FCH zur Attacke. Dietze (57.) selbst besorgte den psychologisch immens wichtigen Anschlusstreffer, ehe Tom Krauß (69.) das Spielgerät zum vielumjubelten Ausgleich in die Maschen drosch. Köln wankte nun merklich – und Hansa stach eiskalt nach: Erneut Honsak (77.) drehte das Match komplett, ehe Adrian Lebeau (90.) in der Schlussminute den finalen 5:3-Konterschlag setzte.
Ein Blick auf das statistische Trümmerfeld unterstreicht, warum der Rostocker Erfolg am Ende absolut in Ordnung geht. Ein xGoals-Wert von astronomischen 7,3 für Rostock gegenüber 3,3 auf Kölner Seite zeugt von der brutalen Qualität der Gelegenheiten, die sich die Gäste nach der Pause erarbeiteten. Die Kogge feuerte stolze 14-mal auf das Gehäuse, während Köln bei 9 Schüssen hängen blieb. Hansa diktierte das Geschehen über weite Strecken mit 58 % Ballbesitz und eroberte sich die Kugel dank einer giftigen Ballrückeroberungs-Zeit von rasanten 4 Sekunden (Köln: 9 Sekunden) im Handumdrehen zurück.
Dass Köln mit 168 Pässen und einer Passgenauigkeit von 88 % statistisch fein mitspielte (Hansa: 159 Pässe, 84 % Genauigkeit), nützte ihnen am Ende wenig, weil Hansa die gegnerische Kette mit einer überragenden Dribbling-Erfolgsquote von 95 % (Köln: 88 %) regelrecht zerlegte. In den giftigen Zweikämpfen (27 zu 20 für Köln) und bei den abgefangenen Bällen (19 zu 14) warfen die Domstädter zwar alles rein, doch gegen die Rostocker Schusspräzision im zweiten Durchgang halfen auch die 4 Paraden ihres Keepers nicht mehr weiter.
Spieler des Spiels: Benno Dietze (Note 9,2). Mit einem Tor und einer maßgeschneiderten Torvorlage war er der emotionale und spielerische Anführer der Rostocker Wiederauferstehung. Seine Ruhe am Ball und sein Auge für den Mitspieler machten ihn zum absoluten Albtraum der Kölner Hintermannschaft in Halbzeit zwei.