10 Jahre VDFB: Versunkene Clubs Teil II
11.04.2010 · 5 Beiträge
CSchuelling
11.04.2010 · 13:20


Dresdner SC 1898 
In Teil 2 unserer Rubrik "Versunkene Clubs" geht es heute um den Dresdner SC von 1898, der in Saison Nummer 2 das erste Mal im VDFB aktiv war.
Gegründet wurder Club 1898 mit dem Zusammenschluss des ATV Dresden von 1843 und des Dresden Englisch FC von 1874. Daraus resultierte, dass der DSC einer der großen Sportvereine der Vorkriegsjahre war. So wurde man zweimal deutscher Meister (1943, 1944), zweimal DFB-Pokalsieger (1940,1941), sechsmal Mitteldeutscher Meister und zweimal mitteldeutscher Pokalsieger. Prominente Nationalspieler wie Helmut Schön oder Willibald Kreß spielten für den DSC.
Nach dem Krieg wurde der DSC 1898 verboten und die Fußballspieler gründeten die SG Dresden-Friedrichstadt. Am Ende der ersten Oberligasaison 1949/50 setzten sich die meisten Spieler in den Westen ab (darunter Helmut Schön) und der Restkader schloß sich der SG Mickten an.
Die SG Friedrichstadt wurde aufgelöst und die SG Mickten wurde zur BSC Sachsenverlag, dann zur BSG Rotation und schließlich zum SC Einheit Dresden umbenannt.
Unter diesem Namen gelang dem Verein der größte Erfolg der Nachkriegszeit mit dem Gewinn des DDR-Pokals im Jahre 1958.
1990 wurde der Dresdner SC dann neugründet und spielte zunächst in der Bezirksliga, der damals fünfhöchsten Liga im Osten der Republik. Nach dem Aufstieg bis in die dritte Liga gab es einen Abwärtstrend: durch sportliche Abstiege und Umbau der höchsten Amateurligen rutschte der DSC gleich zwei Ligen ab. Doch der Verein kämpfte und stieg 1998 ein letztes Mal in die damalige Regionalliga Nordost auf. Dort blieb man bis zum Wechsel zum VDFB in der Saison 2000/2001.

Szenen aus dem Meisterschaftsendspiel 1943
Nach dem Wechsel zum VDFB übernahm BENJAMIN EHLIES das Kommando auf der Brück in Dresden. Gleich im ersten VDFB-Jahr reichte es zu Platz sechs in der RL Nord und man scheiterete recht knapp nur am Aufstieg. Wie so oft bei kleinen Vereinen konnte der Erfolgstrainer dem Ruf eines größeren Clubs nicht widerstehen und wechselte seinerseits zum FC Hansa Rostock. Nun war es an EDUARD FUCHS den Verein in der Regionalliga Süd zu neuen Ehren zu führen. Unter ihm gelang die zweitbeste Saison der VDFB-Geschichte und am Ende Stand Rang 3 mit der zweitbesten Abwehr der Liga zu Buche. Allerdings fehlten sieben Punkte auf den Aufstiegsplatz zwei.
Allerdings musste in der Saison 2002/03 ein neuer Trainer ran (Fuchs wechselte nach Bielefeld) und so kam es zur Verpflichtung von John Doe, der allerdings nur zwei Monate in Dresden verweilen konnte. MARKUS PREDEL übernahm das Kommando und führte den Verein nach schwachem Saisonstart noch auf Rang neun in der RL Süd.
Allerdings wurde Predel abgesägt und für die erste Kalenderjahrsaison 2003 übernahm IGOR STURM den DSC. Doch unte dem lief es noch schlechter mit Rang 13 und nach einem verkorksten Saisonstart 2004 folgte die Entlassung. Im "3-Trainer-Jahr" des DSC übernahm zunächst Markus Predel wieder die Verantwortung, übergab aber recht schnell an JAN PRISKE. Dieser sorgte dafür, dass der Komplettabsturz des DSC 98 zunächst komplett verhindert wurde.
Allerdings blieb er auch nicht in Dresden, sondern übergab den Stab der Verantwortung wieder an Markus Predel und der konnte den DSC 98 noch einmal zu unerwarteten Höhen antreiben. Am Ende der siebten VDFB-Saison 2005 war Dresden erneut dritter und scheiterte mit nur drei Punkten Rückstand am Aufstieg in die zweite Bundesliga. So gut sollte der Dresdner SC bis heute nicht mehr werden.
Mit großen Erwartungen ging der DSC in die Saison 2006, doch diesmal konnte man sie nicht halten. NIederlage folgte auf Niederlage und so stellte Predel sein Amt zur Halbserie 2006 zur Verfügung. MARTIN PÖTTER nahm das Unternehmen Klassenerhalt in Angriff, scheiterte am Ende aber auf Grund des schlechteren Torverhältnisses und stieg auf Platz 15 liegend mit dem Verein aus der Regionalliga Süd in die Oberliga ab.
Dort startete der DSC sehr erfolgreich und lag bis zur Halbserie immer in Tuchfühlung mit einem oder sogar auf einem Aufstiegsplatz. Doch etwas überraschend stelle Pötter zur Saisonhalbzeit sein Amt zur Verfügung. Matthias Dahm übernahm das Amt für drei Monate und behielt den Kurs bei, wurde aber Ende September von ANDY VOGLER abgelöst. Dieser führte den Verein dann auf Platz vier liegend in die Regionaliga zurück.
Vogler bleibt den Dresdnern für 2008 erhalten und so konnten die Dresdner mit ihrem Aufstiegscoach planen. Die Saison war auch ganz gut und mit Platz 10 ein ordentlicher Einstieg in die dritte Liga gefeiert. Doch wegen der Liga-Neustrukturierung musste Dresden in die vierte Liga wieder absteigen. Hinzu kommt noch ein LIzenzvergehen, so dass die Dresdner automatisch in die Verbandsliga abstiegen.
Derzeit spielt der Verein in der Sachsenliga.
Die Heimspiele des DSC 98 werden im Heinz-Steyer-Stadion ausgetragen. Gebaut 1919 unter dem Namen "DSC-Stadion im Ostragehege" wurde es nach dem Krieg auf den Namen des Fußballers und Kommunisten Heinz Steyer getauft. Das Stadion bot früher 65000 Menschen Platz, heute passen noch 24000 in die teilweise renovierte Arena hinein.

Blick auf die Haupttribüne des Hein-Steyer-Stadions
Im aktuellen Kader des Dresdner Fußballclubs 1898 findet man einige namhafte Spieler. Star der Mannschaft und gleichzeitig ihr Kapitän ist der namibische Nationaspieler und Ex-HSVler Collin Benjamin. Der 31jährige (Stärke 74) ist im zentralen Mittelfeld zu Hause, kann aber auch variabel offensiv und defensiv eingesetzt werden. Ein weiterer Nationalspieler in Reihen der Schwarz-Roten ist Artur Wichniarek (32 Jahre/Stärke 68). Er wird im Sturm unterstützt von Altmeister Angelo Vier (37/70) und dem Argentinier Juan Menseguez (25/71).



Die Stars des DSC 98 im Porträt: Collin Benjamin, Artur Wichniarek und Juan Carlos Menseguez
Das Präsidium des DSC arbeitet am Wiederaufstieg in die Regionalliga, doch auf Grund der finanziellen Lage (den Verein plagen Schulden in Höhe von fast 130000 Euro) und dem schon fortgeschrittenen Alter seiner Stars, dürfte dieses Unterfangen auf Dauer schwierig sein.
Maginho
11.04.2010 · 13:49
wie lange haben die stars noch vertrag? nächstes jahr spielt collin beim fsv :-P
jirrschi
11.04.2010 · 13:59
Da macht der Christian doch tatsächlich einen Bericht über meinen ehemaligen "Hassverein", der vor gut 10 Jahren weitestgehend unter Nichtbeachtung der heimischen Öffentlichkeit höherklassig als der Stadtrivale Dynamo spielte. Mittlerweile stimmen die Relationen aber wieder und ich bin auch nicht wirklich traurig, dass der DSC im VDFB Geschichte ist, spielt er doch in der Realität mittlerweile in der 8.Liga (wenn ich richtig mitgezählt habe) - sächsische Bezirklasse Staffel 4. :-)
Someg
11.04.2010 · 14:05
Klingt als würden wir den DSC nicht so bald wieder sehen. Schade eigentlich angesichts der hier aufgezeigten Historie.
Osiris
15.04.2010 · 18:16
Der DSC war langjähriger Gegner von mir in der RL und OL Süd ... kann mich noch gut an die Spieler erinnern. Außerdem litt der DSC meiner Erinnerung nach sehr unter den ständigen Trainerwechseln.
P.s. Schöner Bericht, habe ihn trotz geringer Zeit fast ganz durchgelesen.
P.s. Schöner Bericht, habe ihn trotz geringer Zeit fast ganz durchgelesen.
Aus dem VDFB-Forum übernommen. Bilder und Links von damals sind teils nicht mehr erreichbar.